Genies zeichnen sich dadurch aus, dass sie mit Konventionen brechen und Neues schaffen. Damit schließen sie sich fast von selbst aus der Gemeinschaft aus. Viele von ihnen bleiben ihr Leben lang einsam und unverstanden, Männer meist noch mehr als Frauen.
Gottfried Benn schrieb dazu in seinem Aufsatz "Das Genieproblem":
"Es litten an ausgesprochener klinischer Schizophrenie: Tasso, Newton, Lenz, Hölderlin, Swedenborg, Panizza, van Gogh, Gogol, Strindberg; latent schizophren waren: Kleist, Claude Lorrain. An Paranoia: Gutzkow, Rousseau, Pascal. Melancholie: Thorwaldsen, Weber, Schubert, Chopin, Liszt, Rossini, Molière, Lichtenberg: mit Vergiftungsideen: Mozart; mit Selbstmord: Raimund. Hysterische Anfälle hatten: Platen, Flaubert, Otto Ludwig, Molière. Es starben an Paralyse: Makart, Manet, Maupassant, Lenau, Donizetti, Schumann, Nietzsche, Jules Goncourt, Baudelaire, Smetana. Es starben an arteriosklerotischer Verblödung: Knat, Gottfried Keller, Stendhal, Linné, Böcklin, Farraday. Es starben durch Selbstmord: van Gogh, Raimund, Weininger, Garschin. Es waren ihr Leben lang asexuell: Kant, Spinoza, Newton, Menzel (...). Es tranken, wobei Trinken keine bürgerliche Flüssigkeitsaufnahme bedeutet, sondern Trinken mit der erklärten Absicht des Rauschs: Opium: Shelley, Heine, Quincey (5000 Tropfen pro Tag), Coleridge, Poe. Absinth: Musset, Wilde. Äther: Maupassant (außer Alkohol und Opium), Jean Lorrain. Haschisch: Baudelaire, Gautier. Alkohol: Alexander (der im Rausch seinen besten Freund und Mentor tötete und der an den Folgen schwerster Exzesse starb), Sokrates, Seneca, Alkibiades, Cato, Septimius Severus (starb im Rausch), Cäsar, Muhamed II., der Große (starb im Delirium tremens), Steen, Rembrandt, Caracci, Barbatelli Pocetta, Lo-Tei-Ke (...), Burns, Gluck (Wein, Branntwein, starb an Alkoholvergiftung), der Dichter Schubart (trank seit dem 15. Lebensjahr), Nerval, Tasso, Händel, Düssek, Gottfried Keller, Hoffmann, Poe, Musset, Verlaine, Lamb, Murger, Grabbe, Lenz, Jean Paul, Reuter (Dipsomane, Quartalsäufer), Scheffel, Reger, Beethoven (starb bekanntlich an alkoholischer Leberzirrhose). - Fast alle waren ehelos, fast alle waren kinderlos, über glückliche Ehen weiß man eigentlich nur von einem halben Dutzend Musikern, dann von Schiller und Herder. Viele hatten körperliche Mißbildungen: Mozart hatte verkrüppelte atavistische Ohren, Scarron war ein Krüppel ohne Beine, Toulouse-Lautrec von Kindheit an gelähmt, Verlaine hatte Henkelohren, der einen Wasserkopf, jener einen prognathen kriminellen Oberkiefer,der eine tierische fliehende Stirn, der idiotische Kinder - das Produktive, wo immer man es berührt, eine Masse durchsetzt von Stigmatisierungen, Rausch, Halbschlaf, Paroxysmen; ein Hin und Her von Triebvarianten, Anomalien, Fetischismen, Impotenzen -: gibt es überhaupt ein gesundes Genie?"
Die drei Bücher lassen sich gut lesen und sind auch interessant. Gestört hat mich allerdings die doch recht eindimensionale Begründung für das Problem hochbegabter Frauen.