Zu Beginn hatte ich viel Negatives über dieses Album gehört. Und ja, ich wollte ihm eine Chance geben. Dann kam es und das Cover kann man, wenn man wohlwollend sein möchte, als abstoßend bezeichnen.
Ja, auch über ein Cover kauft man Musik. Leider hatte ich den Songs gegenüber nun auch eine negative Grundeinstellung und fand die CD beim ersten Hören als fürchterlich. Nach einiger Zeit ließ ich das Album noch einmal spielen und sehe mich nun genötigt eine Song-für-Song Rezension zu schreiben. Denn es ist nicht so einfach das Album nicht zu mögen, denn eigentlich hat es was. Leider recht wenig
OK, los geht es mit
01. Unzerstörbar: Ein perfekter Opener, regt nicht auf, stimmt ein, hört sich super durch. Und ich finde den Grundtenor genial. Man hat irgendwie einen leicht frustrierten, überheblichen Superman vor Augen. An dem Titel ist echt nichts auszusetzen. Er ist nicht der Oberburner, aber geht in Ordnung.
02. Zwei Schritte vor: Mein Gott, die Sechziger lassen grüßen. Und ein wenig Gesellschaftskritik kommt daher. Leider zu allgemein, um so bissig zu wirken, wie die Wölfe, die besungen werden. Auch die Musik lässt irgendwelche Höhepunkte vermissen. Ebenso, wie das, auf Krampf anstössig gemachte Video. (Dieses kann man auf der Bonus-DVD „bewundern“)
03. Such mich, find mich: Es wird wieder elektronisch und Deros Stimme kommt in Bestform daher. Treibender Refrain und ein cooler Text, nicht besonders einfallsreich, aber gut gesetzt. So muss OOmph! sein und das ist gut. Auch der Mittelteil, obwohl ziemlich vorhersehbar, erfüllt dieses Mal wirklich seinen Zweck. Es geht wieder aufwärts!
04. Bis der Spiegel zerbricht: Hm, irgendwie fühle ich mich dann doch verarscht. Ich erinnere mich an die Zeit, als OOmph! In den Interviews zu dem Streit um „Gott ist ein Popstar“ postulierten, dass dieser Song auch als Kritik an aktuellen Formaten wie DSDS, oder ähnlichem Castingdreck zu sehen ist. Nun, hier ist dann jetzt das textlich angepasste Lied dazu. Was soll das? Das ist keine Kritik, sondern irgendwie ein sehnsüchtiges Opus. Hm, ein Lied zum Weiterskippen. Einfallslos und musikalisch flach.
05. Die Geister, die ich rief: Mit viel Augen zudrücken kann man diesen Song als Kritik an Major-Labels durchgehen lassen, wenn, ja wenn OOmph! Nicht selbst bei einem Major wären. Ereignislos plätschert das Liedchen nach Schema F vorbei. Und so langsam sollte mal wieder was Tolles kommen. Der Frust steigt…
06. Bonobo: WAS BITTE SOLL DAS SEIN? Ich gebe zu, der Song entlockt ein Lächeln hier und da. Vom Aufbau und dem Text her ist es ein feines Partyliedchen, welches aber auf einem Album nichts zu suchen hat, das wäre ein cooler Bonustrack gewesen, oder etwa eine Single-B-Side. Hm, so langsam wird es ärgerlich. Denn Textzeilen wie „Die Menschheit ist ein Griff ins Klo!“ oder „Steck den Finger in` Po“ sind wirklich niveaulos, genau wie die Scratches in diesem mißglückten Versuch komisch zu sein fehl am Platz sind. Schnell weiter…
07. Deine Eltern: Aber nein, es geht weiter abwärts. Mit einem erneuten Versuch einen „komisch“ gemeinten Aufregsong zur Stimmungshebung einzusetzen verfehlt man das Ziel meilenweit und bringt es nur fertig den Zuhörer zu verärgern. Mein Gott, ein Song über Selbstbefriedigung, da wünscht man sich ja sogar etwas Kalkuliertes wie „Augen Auf!“ zurück!!!
08. Kleinstadtboy: Irgendwoher kenn ich das??? Hey ja, „Smalltown Boy“ von Bronski Beat, cool, ein Cover… oder auch nicht, hä??? Ich gebe zu, ich mag den Song. Er ist musikalisch perfekt umgesetzt und textlich in unser Jahrtausend versetzt. Den angeschwulten Gesang hätte man sich vielleicht verkneifen können. Jedoch erkenne ich den guten Willen an. Denn der Text ist gut gemacht und regt einige vielleicht wirklich zum Nachdenken an. Hey, sie können es doch noch. Ja, wir haben die Hälfte geschafft und gerade mal 3 Songs sind gut gelungen. Mal sehen, wie es weiter geht…
09. Regen: Eine Ballade. Irgendwie erinnert mich das Ganze im Strophenbereich an die Band „Selig“, hm. Der Refrain löst sich in ein schlagerreskes, orchestrales Mischmasch auf. Nur leider, und das ist bei einer Ballade nun wirklich tödlich, berührt es kein bißchen. Patsch, der nächste Fehlschlag.
10. Kosmonaut: Oh ja, er beginnt wieder gefällig. Bin ich der Einzige, den das Ganze ein wenig an „Major Tom“ erinnert??? Und auch hier kommt mir die Melodieführung des Refrains irgendwie bekannt vor, weiß der Teufel woher. Und so schwebt der Kosmonaut in die Weiten des Alls, und keinen interessiert es wirklich. Bonus oder B-Side…
11. Komm zurück: Darüber muss man eigentlich nix sagen. Der Song plätschert. Der Text sagt aus, ein Trottel hat sich verarschen lassen und jammert jetzt. Nein, keine große Kunst, eher ärgerlich, in einem schäbigen musikalischen Gewand.
12. Aus meiner Haut: Mag ich diesen Song, oder mag ich ihn nicht??? Es geht um Transsexualität und man sollte Dero vielleicht mal sagen, dass dies absolut nichts mit Bisexualität zu tun hat. Und es ist auch nicht so, das transsexuelle Menschen „sich nicht enscheiden können“. Gefällig ist allerdings der Wechsel von weicher (Strophe) zu harter Stimme (Refrain), der eigentlich den Zwiespalt darstellt, in dem diese Menschen stecken, besser als es der plakative Text vermag. Und nein, ich mag diesen Song nicht, denn ich hab grad über Kopfhörer wahrgenommen, dass im Hintergrund mal wieder alles auf das Sexuelle herabgestrichen wird. Echt ärgerlich. Eine Chance, ein wenig Aufklärung zu betreiben, wirklich vertan. Dieser Song ist für betroffene Menschen verletzend, nichts Anderes!
13. Seemannsrose: Ein Totalausfall. Wollte man hier ein wenig die Seemannsromantik von Rammstein auf`s Korn nehmen? Wie ist dieser Song gemeint. Er wirkt nur in eine Richtung: Unheimlich peinlich! Sinnfreie Wortspiele, die einem die Fremdschamesröte ins Gesicht treiben!
14. Unendlich: Ja, so wirkt die CD langsam. Ein gefälliges, unerwartetes, Gitarrenintro. Ich denke, dies ist mein Favorit auf diesem Album. Ja, der Text ist echt ergreifend und offen heraus. Die Hilflosigkeit in einer solchen Situation, und eigentlich auch die Anklage gegen den, der einfach gegangen ist, ohne an die anderen zu denken. Wirklich, ein Highlight. Der Song trifft da, wo er treffen soll!!! Eine vollends gelungene Ballade, ohne sinnlose Schnörkel!
15. Fütter mich: Yes, zum Ende hin wird es gut. Dieser Song ist ein Brett, der mitreißt.
16. Der Tod ist nur einen Herzschlag entfernt: Ja, auch dieser Song ist gefällig. Nicht unbedingt Oberklasse, aber stimmig.
Was schreibt man nun abschließend über dieses Album? Hm, vielleicht hätte man sich besser mehr Zeit gelassen, vielleicht hätte man manche Texte noch zweimal überdenken sollen. Insgesamt ist es sicher nicht das Glanzstück im Schaffen dieser Band. Eher ein Versuch, sich wieder ins Gespräch zu bringen. Im Zeitalter digitalem Overkills nicht genug. Leider können es die Schüler (Rammstein) mit ihren schlechtesten Alben mittlerweile besser als die Meister, die OOmph! unstrittig darstrellen.
Um mit dem letzten Song zu sprechen: Der Tod ist nur einen Herzschlag entfernt! Leider hat sich diese Band mittlerweile selbst überlebt. Frühere Aufreger sind keine mehr und auch älteste Fans konsumieren nicht mehr alles ungefragt. Leider kann ich dem Album nur 2 Sterne geben, denn lediglich 6 halbwegs gute Songs von 16 sind zu wenig!