Tatsächlich, es ist fast unglaublich, was alles möglich ist und was wir Frauen (wie inzwischen auch Männer) alles auf uns nehmen, um jung und frisch zu bleiben oder jedenfalls so zu wirken. Botox, Lifting, Schönheitsschnippeleien in Gesicht oder am Busen sowie Fettabgesaugung an Beinen und Po machen es genauso möglich wie chemisches Gesichtspeeling, Fettunterspritzungen ... Der Trend zur Körperveränderung durch Mr. Schönheitschirurg und Kumpels ist ungebrochen. Doch wo ist es eigentlich genug? Wann wird die Liebe zur eigenen Schönheit zur Sucht, wann werden Methoden der Schönheitserhaltung und Schönheitsgewinnung eigentlich zur sinnlosen Jagd nach einem Ideal? Was passiert eigentlich, wenn auch nach den unglaublichsten Eingriffen in die gottgegebene eigene Natur manchmal nicht nur Narben, sondern letztlich tiefe Leere und Unzufriedenheit zurückbleiben? Was gar geschieht, wenn eine Behandlung nicht den erwarteten Erfolg hat oder gar etwas richtig in die Hose geht?
Statt etwas zu lange oder schiefe Nasen gerade zu operieren, rückt dieses Buch so manche schiefe Meinung wieder zurecht. Was hier erzählt wird über den Wahn unserer Zeit, fasziniert und erschreckt zugleich. Welche Risiken Menschen teilweise auf sich nehmen, um vermeintlich schön zu bleiben oder es zu werden, ist verblüffend, unglaublich und manchmal bizarr zugleich. Zurück zur Natur und zur Akzeptanz des Gegebenen, weg von genormter Modellschönheit hin zur Entwicklung einer stabilen und frustrationstoleranten Persönlichkeit, das ist die Devise von Sylvia Unterdorfer und ihren Kolleginnen.
Auch auf Grundlage neuester Studien der Attraktivitätsforschung plädieren sie dafür, schon junge Mädchen mit einem gesunden Selbstbewusstsein und einer gesunden Selbstliebe auszustatten, statt ihnen Schönheitskomplexe einzureden und den Trend des irren Jugendwahns noch zu unterstützen. Damit werden hier gerade auch Eltern in die Pflicht genommen, ihre Kinder auf einen gesunden Weg zum Umgang mit sich selbst, dem Erwachsenwerden und letztlich dem Umgang mit dem Alter zu bringen: Weg vom Ideal des unrealistischen Reklamelächelns, der unglaublichen Babypopohaut und der Vorstellung, eine fremdgemachte neue Hülle könnte irgendetwas im Inneren eines Menschen verändern. Wieder hin zu einem realistischen Selbstbild und der Akzeptanz, dass letztlich auch jeder noch so schön geliftete Popo irgendwann einmal endgültig das Zeitliche segnen wird. (Und wer will schon, dass die Grabräuber einmal lachen, wenn sie statt goldener Zahnkronen mehrere Silikonkissen aus den Gräbern unserer Zeit ausbuddeln ;-) ). Letztlich, das zeigen die Autorinnen hier ganz deutlich, setzen sich Charakter und innere Wärme gegen gesichtslose Körperhüllenanbetereien durch!
Hier zeigt sich, dass Attraktivität letztlich noch immer im Kopf entsteht und das bezauberndste Lächeln eben weder herbeioperiert noch ewig konserviert werden kann. Ein einleuchtend argumentierendes Buch, das dem Schönheitstrend und Schönheitswahn von heute treffende Argumente entgegensetzt und gerade solchen Menchen hilft, sich gegen den Trend zu stellen, die meinen, sich einem gesellschaftlichen Ideal beugen zu müssen. Schön, dass es solche Bücher gibt.