Das Buch erläutert, welche Verhaltensmuster von der Antike bis zur Gegenwart als "Wahnsinn" klassifiziert- und welche Konzepte zur Behandlung bzw. Heilung der Betroffenen entwickelt und praktiziert wurden. Überlegungen zu biologischen und sozialen Ursachen von Geisteskrankheiten spielen hingegen keine Rolle. In den Exkursen zur Antike rekurriert der Autor dabei auf Fallbeispiele aus Ägypten und Griechenland, während er sich für die Neuzeit weitgehend auf England konzentriert. Vereinzelt richtet er den Blick jedoch auch auf Frankreich, auf Deutschland und Österreich, sowie auf die USA. Andere Länder spielen hingegen keine Rolle.
Sprachlich ist das Buch eindeutig auf interessierte Laien ausgerichtet: Fachtermini, deren Bedeutung erst recherchiert werden müsste, spielen überhaupt keine Rolle. Die Darstellung gleitet jedoch nie ins Populärwissenschaftliche ab. Man verliert an keiner Stelle das Gefühl, dass der Autor als Wissenschaftler sein Metier souverän beherrscht, wenngleich er manche Thesen zugunsten der Lesefreundlichkeit zweifellos stark zugespitzt formuliert hat.
Mein wesentlicher Kritikpunkt richtet sich darauf, dass die Darstellung an einigen Stellen über eine etwas uninspiriert wirkende Aneinanderreihung einschlägiger Autoren und Werktitel nicht hinaus kommt, wobei die Informationen zu den von jenen Autoren vertretenen Kernthesen oftmals arg knapp ausfallen. Eine stringente, analytische Durchdringung der Materie im Sinne des Herausarbeitens der entscheidenden, langfristigen Entwicklungslinien, des Scheidens von Wesentlichem und Unwesentlichem, gelingt meines Erachtens nach nicht immer.
Durch die ausführlich kommentierte Liste weiterführender Literatur wird dieser Mangel jedoch ein gutes Stück weit kompensiert: Durch sie wird dem Leser die Suche nach Publikationen sehr erleichtert, in denen er sich bei Bedarf zu einzelnen Aspekten der Darstellung ausführlicher informieren kann.