Witzige Krimis aus einer real existierenden Gesellschaft kamen zuletzt vor allem aus den USA (Sara Paretsky, Sue Crafton, Robert Littell). Nach Magdalen Nabb und Ingrid Noll ist offenbar ein weiterer europäischer Neuzugang zu vermelden: Eva Rossmann. "Wahlkampf" spielt in einem solchen mit allen organischen und anorganischen Zutaten: eitlen Spin-Doctors und spinnenden Wichtigtuern, die den "War-room" der Präsidentschaftskampagne als ihre Bühne gebrauchen; Medien, die ganz objektiv das wiedergeben, was bei den Mächtigen nicht schaden kann; Politikern, die ihre Karriere ihrer ausgeprägten Fähigkeit zu lächeln verdanken. Mittendrin eine Gesellschaftsjournalistin, die lieber (hervorragend) kocht als sich wichtig macht und die mit Politik schon gar nichts anfangen kann, eine gefährlich aussehende Katze und eine bosnische Putzfrau mit dröhnendem Motorrad und schwebendem Aufenthaltsstatus. Dass die drei zusammen mit einem gar nicht heldenhaften Zyniker im Rollstuhl Todesfälle klären, ist bei einem Krimi zu erwarten. Dass nebenbei das plastische Bild einer durch und durch fragwürdigen Polit- und Medienszene entsteht, wie es sie wohl nicht nur in Österreich gibt, überrascht aber doch freudig. Und witzig ist das Ganze auch noch. Möglicherweise ist dieser Krimi nichts für Leute, deren Horizont von "Weltkreis"-Krimis geprägt wurde - LeserInnen, die Ihren Kopf zum Denken gebrauchen, werden das Buch genießen. Und wer die beinahe zufällig eingestreuten Kochrezepte nachkocht, hat noch mehr davon. Man merkt dem Buch einfach an, dass die Autorin als politische Journalistin, Wahlkampforganisatorin und erfahrene Köchin weiß, worüber sie schreibt. Sebastian F., Wien (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)