Wagner befand sich lange Jahre in nicht erfreulichen Lebenslagen, künstlerisch verkannt, unverstanden und verschmäht. Ein menschliches, aber nicht gut zu heißendes Verhalten ist es, die Schuld für das (scheinbar oder reell) geschehende Unrecht anderen zu geben. Wagner hielt viel von sich und seiner Kunst und war wie viele Komponisten vor ihm auf der Suche nach dem deutschen Gesamtkunstwerk (einem Gemeinsinn schaffenden Gesamt(deutschen)kunstwerk, das die deutsche Kunst erhebt und abgrenzt). Seine über Musik und Drama hinausgehenden Schriften enthalten kaum genug Sprengstoff oder Neues, um einen Stein ("Initialzündung für die Judenlösung") wirklich ins Rollen bringen zu können, es sei denn, man instrumentalisiert sie gewollt - und das könnte man heute noch mit jeder 1. Seite der Bild-Zeitung machen. Es handelt sich also um ein allzu sehr aufreißerisches anti-Wagner Buch, in dem auf vielen Seiten doch nur dieses eine Motiv verarbeitet wird: "Wagner war gegen die Juden. Wagner war gegen alle, die nicht für ihn waren; eigentlich war Wagner nur für Wagner" - und eigentlich sind wir auch heute von vielen Menschen umgeben, die nur für sich sind, doch bedauerlicherweise ist keiner dazu imstande, einen Tristan zu komponieren (Zitat nach Marcel Prawy).