Produktinformation
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Wenn man unvereingenommen diesen inzwischen ja auch preisgünstigen Tristan hört, bleibt folgendes:
Barenboim heizt die Berliner Philharmoniker zu einem dunklen, oft rauen und für mich immer leidenschaftlichen und warmen Tristan an. Den Orchesterklang dominieren die kraftvollen Hörner, was aber nicht heißt, das der Streicherklang dünn ist. Es wird mit dickem Pinselstrich gemalt. Das hat eine direkte Attacke, die sicher manchen feinfühligen erschreckt. Er ist hier eher auf der Linie mit Karl Böhm, wenn man Furtwängler und Kleiber auf der lyrisch-sensualistischen Seite sieht. Das Orchester ist sehr präsent, überdeckt (auf meiner Anlage) die Stimmen aber nicht (im hochgelobten Soltiring klingen die Stimmen viel dünner im Blechgewitter). Barenboim kann auf seine Art wie Furtwängler und Kleiber Klänge im Raum stehen und schweben lassen, die Kunst des Übergangs beherrscht er wie kein anderer heute, man höre nur den Beginn des 2.Aktes wie der Hörnerklang sich in das Holzbläsermurmeln des Baches auflöst oder schon den aus dem Nichts kommenden Anfang.
Waltraud Meier ist für mich die bewegendste Isolde, keine interpretiert die Erzählung im 1.Akt so vielgestaltig zwischen Haß und Liebe. Die dunkle Stimme verströmt auch ein gewisses Maß an Eros gegenüber der doch sehr altbackenen Flagstadt, der stählernen Nilsson, der sicher traumhaft schönen, aber leidenschaftslosen Price. Dazu eine hervorragende Textverständlichkeit und immer eine intellegente Gestaltung. Wenn ab dem 2.Akt dann Tristan immer mehr die Führung im Werk übernimmt, bleibt sie doch emanzipiert. Auch heute noch ist sie live eine immer noch bewegende Isolde.
Ihr Partner Jerusalem hat da natürlich vom Stimmmaterial einen schweren Stand, er klingt immer ein wenig stumpf und nasal. Aber auch er identifiziert sich total, leidet großartig und vermag die lyrischen Stellen im 2.Akt auch zu "singen". Wie unbeteilgt klingt da z.B. Moser bei Thielemann, obwohl auch noch live aufgenommen. Sicher hat Suthaus eine monumentalere Stimme, aber er kommt immer schwer in die Gänge und mogelt in der Höhe. Windgassen bei Böhm wird von der Nilsson niedergesungen (sie schildert in ihren Memoiren ja Windgassens Art des Durchmogelns). Meier und Jerusalem harmonieren im Gegensatz auch zu Behrens/Hofmann, Dernesch/Vickers und Price /Kollo wirklich. Die zentralen Stellen des Liebesduetts sind ein wirklicher Liebes- und Klangrausch, die schwierige Balance der "Handlung", die ja jeden vordergründigen sexuellen Aspekt meidet, obwohl ja hörbar nicht nur Gänseblümchen gepflückt werden, ist für mich gut getroffen.
Salminen und Struckmann singen wie man sie kennt, rauh, aber herzlich. Die Lipovsek hat mit den dramatischen und hohen Stellen Probleme, erinnert in den gelungenen lyrischen Passagen an Christa Ludwig. Johan Botha gibt als Melot eine Visitenkarte für die Zukunft ab. Sehr schön auch der Beginn mit Uwe Heilmann als jungem Seemann.
Fazit: Den perfekten Tristan gibt es nicht, als leidenschaftlich-kraftvolle und auch spannende Aufnahme kann ich sie insb. Neueinsteigern, die sich an dieses extreme Werk annähern, empfehlen. Daher die volle Punktzahl. Wer sich dann in das Werk verstrickt, wird sicher um Furtwängler und Kleiber nicht herumkommen.
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