Wer die vorliegende Aufnahme mit "ungewöhnlich schlechter" Klangqualität bewertet und deswegen von einer "herben Enttäuschung" in der Diskographie dieses Werkes spricht, verfügt gewiß nicht über die nötige Kunst des versunkenen, verklärten Zuhörens; diese ist allerdings unentbehrlich, um diesem Epos auf musikalischem Wege inhaltlich näher zu kommen.
Das gesamte Werk ist eine Verklärung, gipfelnd in der Transfiguration der Isolde. Bestimmt sind die viereinhalb Stunden von einem allgegenwärtigen Todesgedanken, der seinen Schatten, ergo einen Schleier auf das gesamte Stück legt; die reale Welt der beiden Hauptdarsteller löst sich permanent im Weltatem auf - bereits vom ersten Takt an. Eben dieser Schleier ist es, der auch zu hören sein muß, damit Text und Musik nicht aneinander vorbei interpretieren.
Ergo ist es ganz und gar nicht geboten, die Musik als "satt" oder gar "berauschend", sondern viel eher als zurückhaltend, kaschiert, zugedeckt aufzufassen. "Dünn und fahl" kommen dem nahe, sind allerdings des negativen Beigeschmacks wegen äußerst unglücklich gewählte Attribute. Insofern trifft Kleibers Interpretation den Nagel auf den Kopf. Die Aufnahme wirkt musikalisch richtig, nimmt man Musik und Text als Einheit auf, wie Wagner selbst es forderte!
Kaufen sie diese vier CDs, und sie werden von Tristan&Isoldes Liebes- und Todesweg überzeugt sein; nicht übersättigt und berauscht, sondern mitgenommen, verklärt!
Bedenkt man zudem die musikhistorische Konstellation, daß Kleiber Wagners persönliche "Wunderharfe", die Sächsische Staatskapelle, spielt, wird die Aufnahme zum unerläßlichen Muß für alle Liebhaber Wagnerscher Musik.