Daniel Barenboim ist als Wagner-Dirigent nicht unumstritten. Wenn man diese Aufnahme hört, muss man sich allerdings fragen, warum. Das einzige, was man negativ anmerken könnte ist, dass das Orchester gegenüber den Sängern etwas in den Hintergrund gerät. Der Vorteil daran ist wiederum eine gute Textverständlichkeit. In sich ist das Orchester aber stimmig und ausgewogen disponiert, Barenboim entwickelt die Bögen in großer Ruhe, ohne die Tempi zu verschleppen, gestaltet Nuancen aus, ohne sich im Detail zu verlieren. Das Ensemble ist durchweg großartig, allen voran Peter Seiffert mit einer Tannhäuser-Interpretation, die im nicht gerade kleinen Katalog an Tannhäuser-Aufnahmen ihresgleichen sucht. Mit strahlender, leichter, dabei doch energischer Stimme bewältigt er souverän die große Partie, technisch wie gestalterisch. Thomas Hampson gestaltet seinen Wolfram in warmen, manchmal leicht manierierten Tönen. Waltraud Meiers grandiose Venus lotet das Spannungsfeld zwischen zügelloser Leidenschaft und sanfter Verführung, das ihre Rolle bietet, voll aus. Einzig Jane Eaglen als Elisabeth fällt in diesem Ensemble insofern etwas ab, als ihr englischer Akzent gelegentlich durchzuhören ist, was in musikalischer Hinsicht freilich nicht ins Gewicht fällt. Auch die kleineren rollen sind mit Rene Pape (Hermann) oder Dorothea Röschmann (Hirt) absolut hochkarätig besetzt. Eine Aufnahme mit echtem Referenzstatus.