Der von der Presse hochgelobte Stuttgarter Ring beginnt mit einer Joachim Schlömer Inszenierung, die in ihrer entmythologisierten Bühnenbildgestaltung auf die singschauspielerische Interaktion abstellt. Hier treten Charaktere gegeneinander an, hautnah, lebensnah, auf der Bühne des Lebens. Sie "schwitzen" die Konflikte quasi auf der Bühne aus. Man sollte zuerst zwingend das Beiheft lesen, um die Vorgaben des Regisseurs zu deuten. Hieraus ergibt sich schon, daß diese Inszenierung ein Alptraum für Alt-Wagnerianer ist, eine Offenbarung für Verfechter des Regietheaters. Die Gestaltung ist spannungsgeladen und prall, derb, mit Bildern, die dem reinen Ästheten unerträglich sein werden. Das singschauspielerische Ensemble liefert eine geschlossen, herausragende Leistung.
Ebenso herausragend das Dirigat von Lothar Zagrosek. Pointiert, wenig Pathos, in Richtung schlank, aber involvierend.
Insgesamt eine unbedingte Empfehlung für Verfechter des Regietheaters. Ganz großes Musiktheater. Meine persönliche Wertung von "nur" -4 - Sternen, ergibt sich aus dem Umstand, daß mir dann die totale, bühnenbildliche Entmythologisierung, etwas zu weit ging, aber die ungemeine, singschauspielerische Präsenz schon ein Erlebnis ist. Gerade auch an diesem, auf schauspielerische Interaktion zugeschnittenen Konzept, einem Konzentrat der mitmenschlichen Konflike, merkt man, wie tragend und substanzvoll der Inhalt des Rings ist.