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Produktinformation
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Der Klang des Orchesters der Deutschen Oper Berlin unter der Leitung von Rafael Fruehbeck de Burgos ist detailliert, warm, immer mit den richtigen Tempi und nie die Saenger uebertoenend. Das Buehnenbild von Peter Sykora ist sehr ansprechend, ohne Uebertreibungen aber auch nicht zu spartanisch, wobei am Beginn und am Ende die Silhouette von Nuernberg im Hintergrund zu sehen ist. Es strahlt eine gewisse Gemuetlichkeit aus, die einem hilft sich zurueckzulehnen und die grosse musikalischen Darbietung zu geniessen.
Der vielleicht einzige Abstrich ist, dass nach der Ouvertuere die Silhouette von Nuernberg in das Bild des zerbombten Nuernbergs von 1945 uebergeht, etwas das in einer klassischen Oper nichts zu suchen hat, auch wenn man es als Hinweis verstehen mag, dass dies das Resultat von uebertriebenem Nationalismus ist und die Meistersinger ein solches Element verkoerpern.
Doch zurueck zur Musik, obgleich sich die Oper ungemein vieler Solisten bedient, alle Positionen sind ausnahmlos stark besetzt. Ganz ueberragend Wolfgang Brendel der ungemein stimmgewaltig den pragmatischen und unkonventionellen Meistersinger Hans Sachs verkoerpert. In seiner Darstellung kommt deutlich zum Ausdruck, dass Hans Sachs nur darauf gewartet hat dem unbedarften aber genialen Saenger Walther von Stolzing (Goesta Winbergh) zu begegnen, um zusammen mit ihm der Meistersinger Gilde neues Leben einzusingen. Aus diesem Grunde ergaenzen sich nicht nur die beiden Figuren der Oper sondern auch ihre Darsteller ausgezeichnet. Ebenso glaenzend besetzt die Rolle von Sachs Gegenspieler Sixtus Beckmesser. Eike Wilm Schulte singt nicht nur grossartig, er zeigt auch ansprechende schauspielerische Talente, die den Szenen ein gewisses humoristisches Element beifuegen und den Beckmesser nicht so unsympatisch erscheinen lassen wie von Wagner erdacht. Zuletzt sei noch Eva Johansson hervorgehoben, welche die Eva singt, sehr schoene klare Stimme, emotional und engagiert eingesetzt, der richtige Kontrapunkt zu den maennlichen Hauptfiguren.
Die technische Seite dieser beiden DVD's ist sowohl was die Bild- als auch die Tonqualitaet angeht exzellent. Voller Stereoklang, die richtige Abmischung von Stimmen und Orchester und eine hohen Bildaufloesung bei idealer Buehnenausleuchtung tragen auch hier zu dem gelungenen Gesamtbild bei.
Fazit: Ein Muss fuer jeden Wagner Liebhaber!!
Götz Friedrich zeichnet die Meistersingerzunft kritisch, aber nicht übertrieben karikaturhaft - eben eine gealterte, in ihren Konventionen erstarrte Gemeinschaft, die das Rentenalter durchschnittlich locker erreicht hat. Die in der Wagnerinterpretation verbreitete Auffassung, die Charaktere in den "Meistersingern" seien aufgrund ihrer kleinen Fehler, ihres Spießertums und ihres Hanges zum Bloßstellen der anderen so besonders glaubwürdig und menschlich, greift der Regisseur auf und verstärkt sie noch: Eine sehr glaubewürdige Personenregie kombiniert er mit ständigem pantomimischen Auffüllen der Instrumentalpassagen: Es ist "immer was los auf der Bühne". Hinter der Bühne weniger, denn die Kulissen sind nur, dabei dem formalen Gestaltungsprinzip der Induktion auf eine runde Grundform folgend, angedeutet, was der Produktion einen intimen und persönlichen Charakter verleiht.
Die Figur des Beckmesser wird dabei durchaus der Lächerlichkeit preisgegeben - der Effekt stellt sich schon nach wenigen Sekunden des ersten Auftrittes ein, weil der Stadtschreiber von seinem erträumten Schwiegervater um gut einen halben Meter überragt wird. Der eigentliche Rebell ist hingegen Sachs, unübersehbar der jüngste in der Zunft, dem Singerkonventionen wie Kleiderordnungen nicht viel bedeuten. Das Verhältnis zu seinem "Lehrbuben" ist dabei eher als eines zweier "Lehrertypen" zu sehen (mit Halbbrille, versteht sich), die ihren Mitmenschen gerne mit erhobenem Zeigefinger begegnen. Nicht ganz so drastisch wie aktuell in Hamburg Peter Konwitschny, der die nationalistische Schlußansprache auf offener Bühne durch Tumult unterbrechen läßt, versucht auch Friedrich, sich vom Inhalt der Warnung vor dem "welschen Dunst und welschem Tand" zu distanzieren - Hans Sachs singt die Zeilen in seltsames Licht getaucht, mit sichtbaren Bauchschmerzen im Anfluge eines Wahns - in derselben Gemütslage hängt sich Walther schließlich die Meisterscherpe um, und es kommt zur abschließenden Versöhnung zwischen Sachs und Beckmesser.
Der Dirigent Rafael Frühbeck de Burgos ist als Wagner-Interpret bisher eher selten in Erscheinung getreten. Das Orchester ist dennoch hervorragend und diszipliniert geleitet, mit einem Hang zu jugendlich-beschwingten und eher leichten "Meistersingern", die blechgepanzerten, lauten Passagen dabei dezent zurückgenommen. Allenfalls beim Tempo drückt der Dirigent zuweilen etwas auf die Bremse, ganz im Gegensatz zu den männlichen Protagonisten Brendel und Winbergh, die dem Orchester schonmal etwas davonlaufen. Der Chor gibt eine hervorragende Leistung ab, die zahlenmäßig oft erstaunlich geringe Besetzung paßt perfekt zur restlichen Interpretation und der Inszenierung.
Die Besetzung der Protagonisten verwundert: Hier gibt es keine großen Wagnersänger zu sehen, sondern alle Partien sind mit Solisten aus dem "leichten" Fach besetzt, teils mit "Mozart-Vergangenheit", teils aus dem italienischen Fach. Das geht bei den Meistersingern erstaunlich gut auf, Winbergh singt einen fast lyrischen, nie lauten "Stolzing", und Eva Johannsson eine wahrlich jugendliche Eva. Überzeugend vor allem Wolfgang Brendel als Sachs, dessen jugendlicher, leichter Gesang mit hervorragender Deklamation gut zur von Friedrich intendierten Charakterisierung paßt - nur in ganz wenigen Passagen fehlt es ihm an Tiefe und Durchsetzungskraft, ansonsten wünscht man sich auf keinen Fall einen Heldenbariton als Ersatz. Die Nebenrollen sind durchweg solide und hochwertig besetzt, vor allem Ute Walther als noch recht junge Magdalene und Eike Wilm Schulte als vertikal herausgeforderter, komödiantisch orientierter Beckmesser überzeugen. Allenfalls Uwe Peper als David wird seiner Rolle nicht gerecht - weniger, weil er fast älter aussieht als sein Lehrmeister, sondern mehr, weil er die hohen Töne keineswegs jugendlich vorträgt, sondern seine dort überforderte Stimme zwischen Flüstern, Falsettieren und Pressen changiert, was beim Zuschauer - in Kombination mit seinem angestrengten Gesichtsausdruck - die ständige Angst vor einem "Kickser" erzeugt.
Technisch bietet die DVD ein scharfes, kontrastreiches Widescreen-Bild und einen überzeugend abgemischten Stereo-(PCM)-Klang, der allenfalls bei einigen Sängern, die sich stark bewegen, etwas merkwürdig schwankt.
Selten hab ich eine so menschliche, dabei glaubwürdige Darstellung der "Meistersinger" gesehen und gehört, die das Politische außen vor läßt und niemals der Überzeichnung einzelner Figuren verfällt. Der 5. Stern ist greifbar, und sein Fehlen lediglich durch die Summierung von Kleinigkeiten (kein 5.1-Sound, einzelne sängerische Probleme etc.) zu begründen.
Das Orchester der Deutschen Oper besitzt einen wunderbaren Klang, der nach meiner Meinung diesem Werk ganz besonders gut gerecht wird. Es spielt durchweg engagiert, konzentriert und lebendig, auch wenn leichte Koordinationsmaengel vereinzelt vorkommen. Eine hervorragende Saengerbesetzung komplettiert den hohen musikalischen Genuss. Hinzu kommt, dass auch sehr engagiert und natuerlich gespielt wird, so dass die Geschichte voellig klar und ueberzeugend herueber kommt.
Wolfgang Brendel ist ein ueberzeugender und menschlicher Sachs, der fuer Evchen durchaus in Frage kommt, aber auch offensichtlich unter seinen Saengerkollegen zu Recht hohes Ansehen geniesst, nicht zu letzt dank seines immer sehr wohltoenenden Gesangs. Eike-Wim Schulte ist ebenfalls ein ueberzeugender, sehr klar akzentuierender und artikulierender Beckmesser, der nie zur Witzblattfigur absteigt und immer Interesse und sogar manchmal Sympathie erringt. Goesta Winbergh spielt und singt ebenfalls um sein Leben und hat strahlende Momente, aber auch manchmal etwas zu grosse Muehe, etwa gegen Ende seines Preisliedes. Eva Johanssons Evchen wird nie schrill, sondern kann ihre Emotionen bestens mit gesanglichen und schauspielerischen Mitteln nahe bringen. Saemtliche Meistersinger sind individuell und scharf gekennzeichnet und haben viel Persoenlichkeit, stehen aber manchmal doch hart am Rande von Witzfiguren. Was soll's, es macht viel Spass, ihnen zuzusehen!
De Inszenierung ist frei von Allueren des Regisseurs, es wird eine sehr gute Geschichte schluessig und mitreissend erzaelt. Bis in die Details der Handlung hat sich der Regisseur Gedanken gemacht, es passt alles zusammen. Das Buehnenbild deutet Nuernbergs Innenstadt nur an, aber ist optisch sehr ansprechend (auch wenn mir das 76er Buehnenbild besser gefallen hatte).
Im Beiheft gibt es einen gewissen Leitfaden zur Entstehungsgeschichte und zu den Karrieren der wichtigsten Saenger der Aufnahme. Bei den Untertiteln kann man zwischen den gaengigen Sprachen waehlen, allerdings musste man doch an vielen, aeusserst textreichen Stellen (Pruegelszene!) passen und grosse Teile weglassen.
Insgesamt ist die vorliegende Aufnahme ein richtig hoher Genuss, bei dem die musikalische und die schauspielerische Seite auf's Beste zusammen spielen. Es ist eine unbedingt empfehlenswerte Wagner-DVD!
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