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Produktinformation
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Schon Wagner sagte sinngemäß über seine romantische Oper: "Wer darin eine ausschließlich mittelalterlich-romantisierende Frage sieht, der hat den Lohengrin nicht verstanden". Das muß man natürlich auch einem Regisseur zu Bedenken geben, der vor allem viel Wert auf das spezifisch Mittelalterliche dieses Werkes legt: Die Kostüme sind so gestaltet, als solle der "Lohengrin" zu einer Historienoper umgedeutet werden, die Bühnenbilder sind zwar ebenfalls historisch, aber doch nur angedeutet und wenig glaubwürdig - eine in meinen Augen nicht gerade gelungene Mischung. Daß es auch anders geht, beweisen die beiden Bayreuther Konkurrenzaufnahmen, wo Götz Friedrich mit geradezu genialen Lichtstimmungen und Stilzitaten von Wieland Wagner arbeitet, und Werner Herzog mit Laser, Wellen-, Nebel- und Schneemaschine eine neue Art von fast cineastisch anmutender Athmosphäre auf die Bühne zaubert. Und das ist es auch genau, was der vorliegenden Aufführung fehlt: Athmosphäre. Alles wirkt statisch, grau in grau, das Licht langweilig und nicht der Situation angemessen (sogar die Tag-Nacht-Gegensätze werden nivelliert). Dazu eine äußerst langweilige Personenregie: Man steht nutzlos herum, singt und macht ab und an eine übertriebene Geste - das taugt höchstens als szenisch gewordene Wagner-Karikatur.
Claudio Abbado am Pult steht da naturgemäß auf etwas verlorenem Posten. Das Orchester der Wiener Staatsoper spielt zwar präzise, aber nicht mitreißend, mit brachialer Dynamik, aber ohne Spannung. Ein gewaltig besetzter Chor überrascht zunächst positiv, läßt aber gerade bei schwierigen Passagen rhythmische Präzision vermissen.
Von den Solisten überzeugt vor allem Hartmut Welker als Telramund in jeder Beziehung: er setzt seine recht hell timbrierte Baritonstimme mit bester Deklamation und schauspielerischer Höchstleistung ein - kurz, er ist glaubwürdig. Vokale Höchstleistungen vollbringen auch Robert Lloyd (König Heinrich) mit recht leichter, niemals dröhnender Baßstimme, und eine ungewöhnlich lyrisch-leichte Cheryl Studer (Elsa), die ihre Stimme, mit wenigen Ausnahmen, ungewöhnlich stark zurückhält. Leider stehen beide ansonsten nur herum.
Placido Domingo hinterläßt keinen sonderlich positiven Eindruck: zwar hört man nichts spezifisch italienisches mehr heraus, aber seine Stimme klingt hier deplaziert, dünn und sehr angestrengt - besonders lange Töne preßt er hörbar nach, bei der Anklage in III verläßt ihn die Kraft. Dazu eine allenfalls ausreichende Aussprache mit deutlichem Akzent, und im Schwanengruß (I) sogar Intonationsprobleme! Dunja Vejzovic als Ortrud hinterläßt da keinen besseren Eindruck, wirkt gerade in der Schlußszene zu schwach und im 2. Aufzug uninformiert.
Die Technik der DVD geht in Ordnung, das Bild ist von befriedigender Schärfe, der Ton sauber mit guter Textverständlichkeit, vermittelt sogar einen Eindruck vom typischen "Wiener Staatsopernklang" mit dominanten Streichern. Wie üblich ist der 5.1 Sound kein echter, sondern ein aus der originären Stereoaufnahme zusammengemischter Notnagel.
Wer unbedingt einen "Lohengrin" auf DVD besitzen möchte, kann dennoch zugreifen, wenn er etwas Mittelmaß erträgt. Ansonsten sollte man sich nach den noch auf VHS erhältlichen Aufnahmen unter Nelsson/Friedrich und Schneider/Herzog (beide Bayreuth) umsehen oder der von der Inszenierung ähnliche angelegte, doch erheblich hochwertigere New Yorker Aufnahme unter Levine und Everding (mit P. Hofmann und L. Rysanek).
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