Der Abschluß des von der Presse hochgeloben Stuttgarter Rings ist in der Regie von Peter Konvitschny auf die Bühne gebracht worden. Etwas Einstimmungslektüre über die Vorstellungen des Regisseurs ist vorausgegangen. Das Brechen von Pathos als Akzentsetzung gegen den rein kularisch, narkotischen Genuss, würde ich mal rein schlagwortigartig zusammenfassen, ohne natürlich die "Weltanschauung" des Regisseur damit auch nur halbwegs getroffen zu haben. Dieses Ziel hat er erreicht, dabei aber aus meiner Perspektive einen "Flickenteppich" an unterschiedlichsten Milieus auf die Bühne gebracht. Sicher ergibt das für ihn eine Rundung, ich konnte diese aber nicht erleben. Zudem kam eine teils schon atemberaubend geschmacklose Anmusterung als Kostümgestaltung hinzu. Klar das ist subjektiv, aber hier war die Schwelle für mich doch überschritten. Ich meine damit nicht offenherzig, um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen. Insbesondere die teils kasperlehafte Anmutung von Siegfried. Klar er war jung und unerfahren, aber als kommendender Erlöser muß er schon Potential in sich gehabt haben, daß man schlecht mit der Darstellung eines fast grenzdebilen Charakters mit Steckenpferd erreichen kann, die fast schon parodistische Züge hat. Da trifft eine aufgebrezelte Schick-Micki Gutrune auf einen germanisch tumben Kasperle - Siegfried usw.. Für mich ist das keine Entpathetisierung sondern das Brechen der personalen Struktur. Ein bißchen Tiroler Bauerntheater, ein Häppchen entmythologisiertes Regietheater und immer so weiter mit diesen Brüchen.
Die Inszenierung bietet aber auch sehr starke Szenen, z.B. die Szene Hagen, Gutrune, Gunter zu Beginn oder der Gibichsmannen-Chor, die Waltraute Szene. Eine geschlossene Inszenierung auf diesem hervorragend singschauspielerischen Niveau wäre herausragend, aber eben nicht Peter Konvitschny gewesen.
Sängerisch bewegt sich die Inszenierung ingesamt auf hervorragendem Niveau. Wo hört man schon eine Gutrune wie die, der jungen Eva-Maria Westbroek. Auch Franz Josef Kapellmann als Alberich im Dialog mit Hagen, ist ein abolutes Highlight. Die Waltraute von Tichina Vaughn beeindruckt, auch der Hagen von Roland Bracht überzeugt mit kleinen Abstrichen gegen Ende. Luana de Vol als Brünnhilde bis Mitte der Aufführung herausragend, dann etwas schwächer werdend. Hermann Itturalde als Gunther überwiegend sehr stark.
Insgesamt ist das natürlich eine Konzept, das absolut nichts für traditionelle Seher ist. Wer sich aber über Regie-Konzepte unterschiedlicher Regisseure informieren will, dem sei dazu geraten. Wagnerianer haben ja wohl so etwas wie ein unreflektiert extatisches Moment in den Genen. Dieses wurde bei mir nicht geweckt.