An der vorliegenden Aufnahme von Wagners Holländer gibt es prinzipiell nicht viel zu mäkeln. Gut 20 Jahre nach der Aufnahme klingt das Orchesterspiel immer noch mitreißend und hingabevoll. Eigentlich überraschend, denn zwischen Karajan und den Philharmonikern soll es ja in jener Zeit bereits einige Spannungen gegeben haben. Aber wie so oft bei künstlerischen Spannungen, ist bei der Interpretation davon nichts zu spüren, ganz im Gegenteil. Die Rollenbesetzung soll vor 20 Jahren für einiges Unverständnis gesorgt haben. Heute ist dagegen festzuhalten, dass Van Dam den Holländer grandios singt. Moll zelebriert förmlich den Daland. Der später wegen seiner versuchten Ausflüge in die Popmusik für manche zur Reizfigur gewordene Hofmann präsentiert einen soliden Erik ohne große Weinerlichkeit. Das gleiche gilt für die mir bis dato nicht bekannte Vejzovic, die ebenfalls eine solide Gesangsleistung als Senta vorweisen kann. Von Fehlbesetzungen kann man also sicherlich nicht sprechen, obgleich die "alten Hasen" Van Dam und Moll wahrlich besonders hervorzuheben sind. Durch die oben genannten überzeugenden Gesangsleistungen und besonders durch die famos aufspielenden Berliner Philharmoniker hört man hier einen spannungsgeladenen und vor allem an Dramatik reichen Holländer. Der einzige Minuspunkt an dieser CD-Box gilt dem fehlendem Remastering, dessen Fehlen der scheinbar Karanjan-typischen Abmischung keinen sonderlich großen Gefallen tut: Das Orchester steht als Star der Aufnahme wie immer weit im Vordergrund, Solisten und Chor sind leider teils etwas leise im akustischem Gesamtbild abgebildet worden. Dennoch trotz des fehlendem Remastering eine durchaus zu empfehlende Aufnahme, die weitaus besser ist, weil herrlich dramatisch interpretiert und zudem klanglich brilliant, als beispielsweise die auf Naxos erschienene Aufnahme aus den Neunziger Jahren, bei der jedwede Dramatik und entsprechende Klangqualität fehlt, vom Herzblut der Musiker ganz zu schweigen.