Obwohl wir heute das Jahr 2002 schreiben, hat die Politik noch immer keine Lösung für das Kosovo gefunden. Auf der anderen Seite ist nicht auszuschließen, dass der latent schwelende Konflikt in Mazadonien im Frühjahr erneut ausbricht. Daher ist es auch heute noch sehr empfehlenswert, das Buch des damaligen Oberkammandierenden der NATO-Streitkräfte in Europa, General Wesley K. Clark, über den Kosovo-Konflikt in die Hand zu nehmen. Waging Modern War ist leicht verständlich, obwohl beschriebene Handlungsabläufe manchmal schwer verdaulich erscheinen. General Clark beschreibt einerseits die Fehler der US Verhandlungen zum Dayton Abkommen von 1995, in denen man den bereits schwelenden Konflikt des Kosovo trotz anhaltender Unterdrückung der albanisch-stämmigen Bevölkerung eben nicht politisch mit Milosevic löste, sondern auf später verschob, andererseits die politischen Entwicklungen bis hin zum ersten Krieg des NATO-Bündnisses. Hierbei stellt er sehr plastisch die Probleme seiner eigenen Position dar, da er sowohl gegenüber seinem eigenen Land und insbesondere gegenüber dem Pentagon als auch den Europäischen Bündnispartnern verantwortlich war. Er macht das Mikromanagement der Politik deutlich, die den Einsatz jedes Flugzeuges bestimmen wollte. Die dort beschriebenen Implikationen lassen es verständlich erscheinen, dass die USA derzeit in Afghanistan eher allein als im Bündnis agieren wollen.
Neben dem politisch interessierten Laien ist das Buch vor allem den politisch Verantwortlichen als Lektüre zu empfehlen; vielleicht lassen sich dann künftig einige Fehler vermeiden. Dies setzt allerdings die Auseinandersetzung mit politisch-militärischen Abläufen voraus. Hoffentlich finden Politiker hierzu Zeit.