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In der guten alten Zeit wäre der Präsident einfach einmarschiert. Dank moderner Technologie geht das Ganze aber noch sauberer. Einer hungrigen Presse ist jede Spur gut genug; bequeme Falschinformationen werden durch die neueste Täuschungsmaschinerie Hollywoods geliefert ("alles entwickelt durch den letzten James-Cameron-Film"), die Bilder und Merchandising kreiert und alles mediengerecht verpackt. Und es muss ja richtig sein, weil es im Fernsehen gezeigt wird.
Das Drehbuch von David Mamet (Die unsichtbare Falle) stellt nie die Moral oder die absolute Verschwiegenheit in Frage, die nötig ist, so eine Sache erfolgreich durchzuführen. Er und Regisseur Barry Levinson haben gerade genug Wahrheit in die Geschichte gepackt, dass man sich beim nächsten Mal, wenn man CNN oder NTV schaut, fragt, was Dichtung und was Wahrheit ist. Viele der Nebendarsteller (u.a. Denis Leary und Willie Nelson) unterstützen die Geschichte durch ihre bloße Anwesenheit. Die drei Hauptrollen sind beeindruckend gespielt. Wegen der Ähnlichkeit zwischen den tatsächlichen Ereignissen und diesem Film wird Wag the Dog - Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt für immer mit der Monica Lewinsky-Affäre verbunden bleiben. --Doug Thomas
Während die von der aktuellen Situation offensichtlich überforderten Wahlkampfmanager noch laut darüber nachdenken, ob sich der Übergriff des Präsidenten gegebenenfalls schönreden lässt, weiß Brean ganz genau um das Gebot der Stunde - und das lautet: die Öffentlichkeit muss abgelenkt werden, und zwar qua eines neuen Themas, das den Sturm der Entrüstung, den die sexuellen Präferenzen des mächtigsten Mannes der Erde in der Öffentlichkeit entfesselt haben, ins Wasserglas verbannt. Und womit ließe sich soviel Wind machen?
Richtig - mit einer ausgemachten Krise, die noch den handfestesten, deftigsten Skandal von der Titelseite verdrängt. Nicht nur in der Liebe, sondern auch im Wahlkampf, so scheint die Überzeugung von Brean zu sein, ist alles erlaubt - und so ist auch ein Krieg nichts weiter, als ein legitimes Mittel, mit dem sich Politik machen lässt. Der müsse, so Brean, freilich nicht einmal geführt werden - sondern es genüge vollauf, ihn in Szene zu setzen. Klingt das hanebüchen? Des Präsidenten Wahlkämpfer, allen voran Winifred Ames (Anne Heche), wollen ihren Ohren zwar zunächst nicht trauen - aber da der förmlich aus dem Nichts Brean aufgetauchte Brean offenbar selbst an höchsten Stellen blindes Vertrauen genießt, hat der gewiefte Drahtzieher auch procura, seinen abenteuerlich klingenden Plan in die Tat umzusetzen. Gemeinsam mit dem egomanischen Hollywood-Produzenten Stanley Motss (Dustin Hoffman in einer seiner besten Rollen), dem leicht abständig wirkenden Country-Star Johnny Dean (Willie Nelson) und dem 'Knüllerkönig' (Denis Leary) webt Brean ein Netz aus geschickt lancierten Fehlinformationen, Halbwahrheiten und Lügen um albanische Terroristen, die angeblich in ihrer Heimat nicht nur ethnische Säuberungen durchführen, sondern darüber hinaus offenbar sogar über ein eigenes Atomwaffenprogramm verfügen, dass es ihnen gestattet, über die kanadische Grenze hinweg Kofferbomben in die Vereinigten Staaten zu verbringen ...
'Wag the Dog' ist eine brillante, gallige Satire über die Macht der Propaganda - und gerade in diesen Tagen so aktuell wie eh und je. Wenn z.B. in Levinsons Film dank 'state of the art special effects' ('Das haben wir im letzten Schwarzenegger-Film benutzt', merkt ein sichtlich stolzer Motss an) eine eigens gecastete Schauspielerin kurzerhand in ein fiktives Kriegsszenario montiert wird, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Regisseur Levinson und Drehbuchautor Hilary Henkin die während des ersten Golfkriegs von den Medien verbreitete Schauermär einer Babies aus Brutkästen reißenden Soldateska konsequent weitergedacht haben. Objektive Berichterstattung? In 'Wag the Dog' ist Berichterstattung Mittel zum Zweck; das, was real wirkt, ist nichts weiter als zynische Realsatire - ausgerichtet nicht an den Bedürfnissen derer, die sich informieren wollen, sondern derer, die informieren bzw. desinformieren wollen. 'Cui bono' - will sagen: wem nutzen die Nachrichten, die Medien verbreiten - und wer ist ihr Urheber? Das sind die Fragen, die 'Wag the Dog' stellt - und dass er das nicht moralisierend, nicht mit erhobenem Zeigefinger tut, macht den Film nicht nur äußerst sehenswert, sondern darüber hinaus zum schwarzhumorigen, intelligenten und unterhaltsamen Werk, das beim wiederholten Sehen sogar noch dazugewinnt. Zum einen ist das natürlich einem intelligenten Drehbuch und einer pointensicheren Inszenierung geschuldet - zum anderen aber auch einer mit sicherer Hand ausgewählter Besetzung: Dustin Hoffman liefert in der Rolle des verbitterten Produzenten Motss eine seiner fraglos besten Vorstellungen ab, Robert de Niro überzeugt ebenfalls - und der Rest des Ensembles steht den Hauptdarstellern in nichts nach (sehenswert: Woody Harrelson als Psychopath, dem irrtümlich die Rolle des glorreichen Kriegsveteranen zufällt und dessen abweichendes Verhalten Motss notgedrungen als Symptome eines Schützengrabensyndroms auszugeben sucht).
Das Ausgangsszenario von 'Wag the Dog' scheint übrigens die 'Lewinsky-Affäre' vorwegzunehmen: fast könnte man meinen, Bill Clinton müsse sich von Barry Levinsons ('Rain Man', 'Good Morning, Vietnam') Film aus dem Jahre 1997 zu seinem Techtelmechtel mit einer Praktikantin inspiriert haben lassen, das sich in der Folge zum 'Monicagate'-Skandal auswuchs.
Fazit: ein brillanter Film - auf einer DVD, die keine Wünsche offen lässt. Im Gegensatz zur deutschen Ausgabe, die dem Zuschauer bei Wahl der englischsprachigen Originaltonspur auch deutsche Untertitel aufdrängt, lässen sich die (englischsprachigen) Untertitel beim UK-Import nach Belieben zu- oder wegschalten (Achtung: mit deutscher Tonspur bzw. deutschen Untertiteln wartet diese Ausgabe allerdings nicht auf). Bild und Ton der DVD sind m.E. makellos; wer zudem Gefallen an Bewegtmenüs findet und Wert auf eine hochwertige Zusatzausstattung (Featurettes, Trailer etc.) legt, ist mit dem UK-Import bestens bedient - und sogar noch ein bisschen besser als mit dem deutschen Pendant: den zuschaltbaren Audiokommentar, den die DVD bietet, verschweigen zwar selbst die Angaben auf der Rückseite der Verpackung - enthalten ist er auf dem UK-Silberling, im Gegensatz zur deutschen Ausgabe, aber nichtsdestotrotz.
"Wag The Dog" ist nicht einfach nur eine Komoedie. Der Film ist eine bissige Gesellschafts-Satire. Mir wurde beim Ansehen zweierlei klar: Zum einen wissen wir von der politischen Wirklichkeit nur sehr wenig aus eigener Erfahrung. Das meiste sehen wir im Fernsehen, und da wir es nicht besser wissen, glauben wir es eben. Zum anderen ist das Gesellschaftssystem in jedem Staat dieser Welt anfaellig fuer Meinungsmanipulation (wenn diese strategisch gut geplant ist). "Wag The Dog" hat sich die fünf Sterne also redlich verdient, auch wenn der Film in den letzten 20 Minuten etwas aus dem Ruder laeuft.
Fazit: Ansehen und staunen!
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