Wer Namen wie Matthias Habich, Maximilian von Pufendorf oder gar Hannes Jaenicke liest, wird eher an seichte Fernsehunterhaltung denken als an ein hochklassiges und brisantes Drama im nicht zur Ruhe kommenden Irak. Doch was Lancelot von Naso 2010 mit seinem vielfach gelobten und preisgekrönten TV-Film "Waffenstillstand" abgeliefert hat, braucht sich vor manchem etatstarken Kinofilm nicht zu verstecken.
FALLUDSCHA
Man sollte einiges über Falludscha wissen, um im Film fallende Hinweise besser einstufen zu können.
Bereits im Golfkrieg 1991 hatten die Briten zweimal das "strategische Ziel", eine Brücke über den Euphrat zu zerstören, verfehlt und jeweils den Marktplatz getroffen - mit hunderten ziviler Opfer. Doch die USA übertrafen 2003-2004 die Briten noch durch ständige Schießereien auf Zivilisten in ihren Anstrengungen, in Falludscha aus Freunden Feinde zu machen; was schließlich darin gipfelte, dass 4 Leichen von Agenten der Blackwater Security Consulting, des mit 40000 "Mitarbeitern" größten privaten Militärunternehmens der Welt, verbrannt und zwei von ihnen an einer Brücke aufgehängt worden sind.
Inzwischen ist durch Wikileaks belegt, dass dieses Söldner-Unternehmen, das von Bush und Cheney mit Milliardenaufträgen gefüttert worden ist, für schwere Missbrauchshandlungen und Ermordungen im Irak verantwortlich ist.
In Rahmen der der Filmhandlung vorausgehenden 4-wöchigen Belagerung und Bombardierung Falludschas haben US-Truppen den international geächteten weißen Phosphor, Streubomben und Uranmunition eingesetzt und ein Hiroshima durchaus vergleichbares Erbe hinterlassen.
"Aktuelle Analysen belegen einen 38-fachen Anstieg der Leukämie-Erkrankungen, einen 10-fachen Anstieg der Brustkrebs-Erkrankungen bei Frauen und beachtliche Anstiege der Lymphom-Erkrankungen, der Anzahl der Hirntumore bei Erwachsenen sowie der Säuglingssterblichkeit." (Wikipedia)
INHALT
Die Niederländerin Kim (Thekla Reuten, 35) setzt all ihre Kräfte für das humanitäre Engagement der "medica mundi" in Bagdad ein. Mit dem französischen Arzt Alain Laroche (Matthias Habich, 70), dem deutschen TV-Journalisten Oliver (Max von Pufendorf, 34) und seinem Kameramann Ralf (Hannes Jaenicke, 50) versucht sie, während einer kurzen Waffenpause in einem Kleinbus mit dem einheimischen Fahrer Husam (Husam Chadat) medizinische Hilfsgüter nach Falludscha zu bringen. Doch die Fahrt ist nicht genehmigt, die Nerven liegen auch bei den US-Truppen blank und zum Morgengebet fliegen die Granaten.
Das Buch setzt die reale Situation im Irak nach dem verheerenden Angriff der USA auf Falludscha im April 2004 um. Dabei gelingt es überzeugend, ein Gefühl für die Gemengelage im Kampfgebiet und für die Hintergründe des Geschehens zu vermitteln. Deutlich werden auch Ursachen, Methoden und Wirkungen des US-Weltbeherrschungswahns gezeigt, hinsichtlich der zynischen Sprachregelungen der Militärs könnte man fast von einem Lehrstück sprechen. Dies geschieht aber keineswegs aufdringlich, sondern aus glaubwürdigen Dialogen "echt" klingender Figuren - oft auch mit gebührendem Sarkasmus.
Die besondere Qualität machen eben die fein gezeichneten Charaktere der gegenüber der Brutalität der Gewalt chancenlosen Individuen aus, wobei die bedingungslose Intensität einer Thekla Reuten ebenso überzeugt wie die leise, zynische Resignation, die Matthias Habich zeigt. Selbst ein Jaenicke lässt das sonst so stereotype Rollenbild durch überzeugendes Spiel völlig vergessen - Respekt.
Wichtig für den überaus positiven Gesamteindruck des Films ist aber auch die oft beeindruckende Fotografie der bedrückenden, allerdings laut IMDB in Marokko gefilmten, Szenerien von Felix Kramer, denen man allerdings noch die Überzeugungskraft einer zeitgemäßen Digitalkamera gewünscht hätte. Doch zumindest beim ersten Anschauen ist man ohnedies zu sehr vom Geschehen eingespannt, als dass man sich um technische Belange Gedanken machen würde.
Wahrhaft ein Dutzend Damen und Herren haben bei der Produktion mitgewirkt. Viele Köche verderben den Brei? Nicht bei diesem Film, der auch in dieser Kino-bezogenen Wertung deutlich aus dem Durchschnitt herausragt.
film-jury 4* A0681 17.7.2011e 7A 3T 1E
TECHNIK
Im Original 96 Minuten, Format 1,85:1 auf 16 mm Film, DD (IMDB). An diesen Angaben sind Zweifel erlaubt - die DVD propagiert eine Spieldauer von 98 Minuten, was einer Kino-Länge von 102 Minuten entspricht.
Der schmale Film liefert natürlich nicht ganz die von 35 mm oder gar digitalen Produktionen gewohnte Schärfe, ist aber, was Störungen und Rauschen, auch in den vielen dunklen Szenen, angeht, durchaus unauffällig. Der Ton kommt klar und gut verständlich.
Thekla Reuten (* 16. September 1975 in Bussum, Niederlande)
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2008 3* A0654
Brügge sehen... und sterben? - [Blu-ray]
....... R: Martin McDonagh D: Colin Farrell, Brendan Gleeson, Ralph Fiennes
....... D: Elizabeth Berrington, Thekla Reuten
2009 4* A0681
Waffenstillstand....... R: Lancelot von Naso D: Matthias Habich, Thekla Reuten
....... D: Hannes Jaenicke, Max von Pufendorf, Husam Chadat
2010 -* A0000 The American
....... R: Anton Corbijn D: George Clooney, Thekla Reuten, Violante Placido