Das Wacom Cintiq 21 UX ist an sich eine großartige Erfindung. Endlich ist es möglich, auf dem Bildschirm selbst zu zeichnen und so direkt arbeiten zu können, fast so als würde man auf Papier zeichnen (eletromagnetische Resonanztechnologie).
Ich bin bereits seit Jahren ein großer Fan des Wacom Zeichentabletts und hatte nie Probleme, auf den Bildschirm zu blicken, während ich dabei auf dem Wacomtablett mit dem Stift zeichnete. Man gewöhnt sich sehr schnell daran. Und im Grunde ist es für alle anspruchsvollen Aufgaben im Bildbearbeitungs-, Grafik- und Illustrationsbereich vollkommen ausreichend, wenn die Maus längst an ihre Grenzen gestoßen ist.
Dennoch wollte ich meine Arbeitstechnik verbessern und beschleunigen, Skizzen direkt anfertigen und nicht mehr über den Umweg der Papiervorlage über das Scannen in meinen PC einspeisen.
Gerade lange schwungvolle Linien mit der natürlichen Motorik des Unterarmes zu zeichnen ist auf dem üblichen Wacom-Tablett nicht möglich, da die Zeichnenfläche auf dem Bildschirm nicht drehbar ist und so die Neigung nicht synchron ist, oder wenn ja, ist es ein umständliches Hantieren mit dem Drehtool bei ArtRage oder Painter z.B..
Das Wacom Cintiq 21 UX bietet genau diese Dreh-Funktion (bis 180 Grad ). Tatsächlich ist das Stativ, auf dem der Wacom-Bildschirm sitzt, leichtgängig drehbar wie ein Zeichnenbrett. Gleichzeitig ist es so stabil, dass der Bildschirm nicht krampfhaft festgehalten werden muss.
Das ganze funkioniert auf einer ganz normalen Schreibtischhöhe, auf dem das Stativ mit dem Cintiq aufgestellt werden kann, der Neigungswinkel des Stativs ist unkompliziert und stufenlos einstellbar (10 bis 65 Grad aus der Horizontalen) genauso wie der Drehwinkel des Bildschirmes.
Das Wacom Cintiq ist mit 10 Kilo ohne Stativ allerdings kein Leichtgewicht. Es gehört zum Arbeiten auf das Stativ und ist nicht wie ein Zeichenbrett auch mal eben zum entspannten Arbeiten auf dem Schoß platzierbar: an der Rückseite sitzen die Belüftungsschlitze und Anschlüsse für den Cintiq.
Das Handbuch ist sehr verständlich gestaltet. Der Cintiq ist im Grunde auch als zweiter Bildschirm nutzbar. Mit 80 W Stromverbrauch ist er aber schon ziemlich hungrig.
Beim Arbeiten ist man natürlich ganz dicht an der Bildschirmflläche. Für mich bedeutet das, die Kontraste und Helligkeit zu reduzieren, da es mir sonst zu hell ist. Das hat leider zur Folge, dass die Farben nicht optimal mit dem Hauptbildschirm übereinstimmen, wenn man mit zwei Bildschirmen arbeitet. Darum sollte man das Endergebnis unbedingt immer auf dem Hauptbildschirm überprüfen, sofern eine annähernd zuverlässige Farbwiedergabe wichtig ist.
Die Kalibrierungstasten liegen oben rechts auf der Rückseite des Bildschirmes, also sehr ungünstig. Toll wiederum sind die vier Tasten jeweils rechts und links vorn auf dem Bildschirmrand, die als Strg-, Umschalt-, Alt- und Leertaste fungieren und so schnelles Arbeiten mit Shortcuts sehr erleichtern. So ist der Cintiq also gut für Links- und/oder Rechtshänder nutzbar. Eine Art Touchpad-Streifen -auch an beiden Seiten- lässt bequemes Vergrößern und Verkleinern der Arbeitsfläche zu.
Der Preis ist sicher eine große Hürde bei der Anschaffung, vor allem weil Wacom nur zwei Jahre Garantie anbietet und nicht wie zum Beispiel andere hochwertige Bildschirmanbieter sogar 5 Jahre. Allerdings soll bei Problemen der Austausch des Gerätes recht reibungslos funktionieren, wie mir ein Kollege sagte.
Etwas gewöhnungbedürftig finde ich das Gefühl, wie durch eine Glasscheibe zu zeichnen. Man arbeitet eben doch nicht wirklich wie auf Papier. So sensationell die Technik ist, fühlt es sich doch am Anfang merkwürdig an. Gerade wenn man den Stift sehr schnell bewegt, hängt der Curser einen Hauch hinterher, was auch etwas irritierend ist.
Fazit:
Wenn man es wirklich braucht und nutzen kann, ist das Wacom Cintiq eine lohnende, sinnvolle Anschaffung. In erster Linie wird es für Profis erschwinglich sein, die einen wirtschaftlichen Nutzen daraus ziehen.
Das Argument der schnelleren Arbeitsgeschwindigkeit stimmt, wenn man die Vorskizzenarbeit für Projekte anstatt wie bisher auf Papier gleich auf dem Cintiq erledigt. Sonst ist es halt sehr relativ und von der persönlichen Arbeitsweise abhängig, wie viel Zeit man tatsächlich einspart. Auf jeden Fall ist das Zeichnen viel bequemer und bringt noch mehr Spaß.
Etwas geizig seitens Wacom wirkt sicher bei dem stolzen Preis die geringe Garantielaufzeit von nur zwei Jahren, ebenso ist nur ein Stift im Lieferumfang enthalten, zwar mit mehreren Ersatzmienen, aber bei Verlust des Stiftes sind ca. 90 Euro für einen Ersatz fällig.
Auch wenn die Wacom-Tabletts bewiesen haben, dass sie eine zuverlässige, langlebige Technologie sind, die sich über die jahrelange Anwendung kaum verschleissen lässt bei guter Behandlung, gibt es beim Wacom-Cintiq noch keine Langzeiterfahrungen. Es ist also ungewiss, wie lange man an dem LCD-Bildschirm seine Freude haben wird. Da muss man den Preis schon zweimal bedenken und hoffen, dass man lange gut daran hat.
Ein paar technische Daten:
Bildschirm-Arbeitsfläche: 432 mal 324mm, Auflösung: 1600 mal 1200 Pix. Maximal,
Stiftgenauigkeit:
Genauigkeit: 0,5mm, Druckstufen: 1024