Nachdem Amazon das alte Bamboo Fun Tablet anstandslos zurückgenommen hat (da ich auf der Wacom Seite Seite das neue Modell sah) kam nun das aktuelle Modell. Verpackung wieder sehr schön, Inhalt etwas verändert: Es liegen nun keine Software-CDs mehr anbei, es gibt einen Freischaltcode und man muss die Programme (je nach Modell verschieden) herunterladen. Die Meldung "Bitte beachten Sie, dass Sie lediglich ein (1) Softwarepaket zur freien Auswahl haben" hat mich etwas stutzig gemacht, schließlich sollte dem Fun Medium mehrere Titel (wie auch beim alten Modell) beiliegen: Art Rage 2.5, Painter Essentials und Photoshop Elements 7. Und ein paar Wacom Tools. Nun, bisher hat der Download geklappt, wenn es Probleme geben sollte, bin ich relativ sicher, dass Wacom kulant reagiert.
Das Tablet ist definitiv eine große Verbesserung zum Vorgänger - das "alte" Bamboo Fun sah etwas billig aus, das Scrollrad funktionierte nicht wirklich und das blaue Leuchten.. Naja, Geschmackssache. Jetzt liegt ein sehr flaches, abgerundetes Edelbrettchen vor einem, mit einem dezenten weißen Lichtschlitz an der Seite und 4 unauffälligen Expresskeys, die mit beliebigen Funktionen belegt werden können. Programme starten, Tastaturkürzel abrufen (auch mehrere!), zwischen Anwendungen wechseln, etc. SEHR nützlich. Die Auflösung des Bretts soll verdoppelt worden sein, doch ich war schon mit dem alten Bamboo voll zufrieden und habe eigentlich keine Veränderung festgestellt.
Die Multitouch-Steuerung flutscht nach kurzer Eingewöhnungszeit sehr gut, nur das "Festhalten" von Windowselementen ist ungewohnt - man muss eine Art Doppelklick ausführen, aber beim zweiten "Tap" den Finger auf dem Tablet lassen, dann kann man beispielksweise ein Icon anwählen und in den Papierkorb ziehen. Der Unterschied zwischen echtem Doppelklick und diesem Manöver ist minimal, aber mit etwas Übung klappt auch das. Stift oder Maus (ja, man kann beide problemlos parallel betreiben) bleiben allerdings meine erste Wahl, wenn viele Dateien verschoben werden sollen. Dazu habe ich auf die obere Stifttaste den "Moduswechsel" gelegt - ein Klick und der Stift wird zur Maus und kleine Handbewegungen reichen, um von einer Ecke des Bildschirms in die andere zu gelangen.
Wer die Gesten vom iPhone kennt, wird allerdings etwas enttäuscht sein. Ganz so geschmeidig funktioniert das auf Windows Rechnern nicht. Das Drehen von Bildern habe ich zum Beispiel überhaupt noch nicht hinbekommen. Viele ältere Programme kennen gar keine Gesten bzw. interpretieren sie völlig anders. Aber während bei Apple alles aus einer Hand kommt, gibt es hier natürlich einen PC von sonstwem, ein Betriebsystem von Microsoft und eine Tablet von Wacom - da hat es mich eher überrascht, dass alles in sekundenschnelle angeschlossen war und die Grundfunktionen sofort problemlos funktionieren.
Ein Problem hatte ich allerdings: Am nächsten Tag waren sowohl die ExpressKey-Belegung, als auch die Multitouch-Funktion verschwunden. Doch eine Nachfrage im leider nur englischsprachigen Forum (da sollte Wacom als Markenfirma wirklich nachbessern!) wurde schnell beantwortet: Das Tablet bzw. die Treiber kann man "zurückzusetzten". Dazu das "Voreinstellungsdatei-Dienstprogramm" starten, die aktuelle Konfiguration (die man in dem anderen Bamboo-Tool eingestellt hat) abspeichern und dann wieder laden. Warum man die beiden Programme nicht zu einem gemacht hat, ist mir ein Rätsel. Aber immerhin, es funktioniert.
Von so etwas sollte man sich nicht abschrecken lassen: Wer zum ersten Mal die Druckempfindlichkeit in Programmen wie Photoshop, Freehand, Illustrator & Co in Aktion erlebt, kann sich gar nicht mehr vorstellen, wie man all die Jahre Grafiksoftware ohne Tablet bedienen konnte. Auch die Multitouch-Gesten bereichern den PC-Alltag und sind kein Gimmik, sondern machen die Maus tatsächlich weitestgehend überflüssig. Wer die - übrigens exzellente - Texterkennung herunterlädt (das sind allerdings über 120 MB, keine Ahnung, was da alles mitinstalliert wird...), kann für kleinere Texte (Dateinamen, Webadressen, Formulardaten, etc) sogar auch auf die Tastatur verzichten.
Ich würde das neue Bamboo jederzeit wieder kaufen und empfehle es jedem, der ansatzweise kreativ mit dem PC arbeiten möchte. Ob es auch das kleinere Modell getan hätte, kann ich nicht beurteilen: Ich bin aber froh, etwas mehr Platz zum Zeichnen zu haben, ohne dauern zoomen und scrollen zu müssen.
Nachtrag: Zumindest bei mir (WinXP) sind die ExpressKeys und die Multitouch-Gesten nach JEDEM Neustart verschwunden. Sehr unerfreulich, hoffentlich bessert Wacom mit dem nächsten Treiber nach. Deshalb nun einen Stern weniger.
Nachtrag 2: Offensichtlich gibt es ein Timing-Problem. Das Tablet starten schon, der USB-Anschluß bzw. einige Treiber sind aber noch nicht soweit. Ich gehe mal davon aus, dass Wacom das via Update bald in den Griff bekommt. Bis dahin gibt es die Möglichkeit über "Arbeitsplatz, Rechtsklick > Verwalten > Dienste und Anwendungen > Dienste" den "TabletServicePen"-Dienst so einzustellen, dass er verzögert startet: Dazu per Rechtsklick die "Eigenschaften" aufrufen und den "Starttyp" entsprechend ändern in "Automatisch (verzögerter Start)" - dummerweise gibt es diese Option nicht für WindowsXP, sondern erst ab Vista (soweit ich weiß). Mir hilft der Tipp also nicht...