Hallo Amazon-Gemeinde,
nach einiger Zeit lässt sich diese Tablet nun auch rezensieren. Der erste Eindruck war recht gut. Die von Wacom im Allgemeinen sehr gute Verpackung fiel zwar etwas mager aus, doch das liegt vielleicht daran, dass ich die super Verpackung vom Intuos4 noch im Kopf hatte.
Getestet auf folgendem System:
- Macbook Pro 15" (12/2010)
- OSX Snow Leorpard
- 4 x 2,66GHz i7
- 500GB HDD
- 8 GB Corsair Mac-RAM (Serie 4GB)
- Apple MagicMouse
- Apple Keyboard
- Display erweitert auf Samsung 2233BW
Das Tablet kam also an, eher schlicht verpackt, und wurde gleich mal aus dem Karton geholt. Stylus dabei, Kabel dabei, angeschlossen und Treiber installiert. Nach den ersten Tests habe ich mich durchaus gefragt, ob die 400€ für das Intuos4 nötig waren, wenn es doch so etwas wie das Bamboo Pen&Touch gibt.
In den ersten Tagen fiel mir fast kein Unterschied zum Intuos4 auf (hatte lange nicht mit letzterem gearbeitet), doch dann kam Stück für Stück die Ernüchterung und das "Wieso gibt man 400€ für ein Tablet aus?".
Aber erstmal zum positiven Part.
Das Bamboo Pen&Touch hier in der Größe "S" ist handlich, kann leicht mitgenommen werden und findet in jeder Notebook-Tasche und in jedem Notebook-Rucksack seinen Platz. Es ist schnell anzuschließen, einfach zu bedienen, erlaubt durch die "Touch"-Funktion auch die Nutzung sämtlicher Macbook-Gesten. Der Stylus reagiert schnell und direkt und es ist größenteils zu Photoshop und den anderen Adobe-Produkten kompatibel.
Alles in allem lässt sich mit dem Bamboo Pen&Touch sehr gut arbeiten. Die Zusatztasten sind, wie beim großen Bruder, frei belegbar, auch wenn man als Photoshop-User gern etwas mehr als 4 Tasten hätte :D
Man kann an dieser Stelle das Fazit ziehen, dass das Bamboo Pen&Touch die erste Wahl für Neueinsteiger im Tablet-Bereich ist und gerade für Touch-Pad-Freunde durch die Touch-Funktion noch einiges zu bieten hat. So kann der PC effektiv gleichzeitig mit Grafiktablet und Touch-Pad unterstützt werden.
Nun komme ich zum Bereich für die versierteren oder sich länger im Bereich Tablets / Photoshop bewegenden User. Auch wenn es unprofessionell ist, möchte ich an dieser Stelle absolutes Unverständnis über verschiedene Forenbeiträge und YouTube-User deutlich machen, welche folgende Meinungen vertreten:
- Der Unterschied zwischen Bamboo und Intuos ist nur im Preis spürbar und nicht/kaum im Workflow.
- Das Bamboo ist im Preis-Leistungs-Vergleich unschlagbar.
- Das Bamboo ist uneingeschränkt mit Photoshop u.a. Programmen kombinierbar.
An dieser Stelle sei gesagt: NEIN!
Es sei dazu gesagt, dass ich das Bamboo als zusätzliches Werkzeug und nicht als Ersatz zum Intuos4 gekauft habe. Ich bin neben meiner Homestation recht viel mit meinem Macbook unterwegs, wofür ich ein kleineres Tablet wollte und mir waren an dieser Stelle die 200€ für das Intuos4 small einfach zu teuer, da die mobile Workstation kein Ersatz für meine Home-WS sein sollte.
Wer sich länger im Bereich Photoshop ausgetobt hat und weiß, dass das Tablet für ihn das neue Medium seiner Wahl werden soll, sollte das Bamboo nur als Test nutzen oder mit dem Intuos vergleichen. Dieser Teil der Rezension fließt nicht mehr in die Bewertung ein, da er das Bamboo nicht schlecht machen soll, sondern lediglich Usern, die zwischen Bamboo und Intuos stehen als Entscheidungshilfe dienen soll!
Das Bamboo unterstützt (zumindest auf Mac OSX Snow Leopard und Photoshop CS5 Extended / CS 6 Extended) keine erweitereten Pinsel, d.h. der Neigungswinkel-Effekt der "realen" Pinsel (mit Borsten-Simulation, Nässe-Simulation, Winkel-Simulation, Pressure- und Borstenzahl-Simulation, etc.) ist nicht verwendbar. Für mich leider eine große Enttäuschung. Außerdem merkt man, wenn man mit beiden gearbeitet hat, dass der Druckstufenunterschied von 1.024 zu 2.048 Druckstufen doch erheblich ist. Man merkt, dass die Feinabstimmung beim Druck einfach fehlt, was heißt, dass (logischerweise) der Brush in Photoshop nicht so differenziert zwischen erster und letzter Druckstufe unterscheiden kann, was zu gröberen Abstufungen führt. Dies ist im normalen Gebrauch zwar kaum festzustellen, wirkt sich aber bei 300 PPI/DPI und Arbeitsflächen von mind. FullHD 1920x1080px, meistens sogar von 2560x1440 und 4K doch erheblich aus.
Die Präzision des Bamboo ist nicht schlecht, aber natürlich nicht die, die das Intuos bieten kann. Es gibt noch weitere feine Unterschiede, jedoch möchte ich hier nur folgendes mit zum Ausdruck bringen:
Das Bamboo Pen&Touch (small) ist als TouchPad, erster Versuch oder als Hobby-Tablet durchaus geeignet. Wer mehr machen möchte, sollte hier ruhig die M oder L Variante nehmen, wenn es nicht um Mobilität oder wenig Platz auf dem Schreibtisch geht, da eine größere Arbeitsfläche doch sehr angenehm ist (gerade bei großen Dateien). Dazu empfehle ich hier gleich mal den Wacom SmudgeGuard, der als "halber Handschuh" das Tablet vor verfetten/verschmieren und auch vor Kratzern durch Dreck an den Händen schützt.
Wer aber dauerhaft mit dem Tablet arbeiten will und alle Möglichkeiten von Photoshop und anderen Programmen ausnutzen will, sollte sich für den doch stolzen Preis durchaus für das Intuos entscheiden. Dies gilt dann aber auch erst für den Bereich "advanced" oder "semi-professional". Im Bereich "professional" bietet Wacom natürlich seine Flagschiffe der Cintiq-Serie. Doch das wird jetzt zu viel :)
(Intuos4 wird auf folgendem System genutzt: AMD Phenom II X4 965BE, 12GB Corsair XMS3 1333, ASUS ENGTX280, Windows 7 Ultimate)
Fazit: Das Bamboo Pen&Touch S ist eine gute Ergänzung zu einem größeren Tablet und ist durch die Touch-Funktion super als TouchPad und (gerade z.B. zum Intuos4) als Erweiterung geeignet, um den Arbeitsbereich intuitiv drehen zu können und auf selbigen navigieren zu können, was das Intuos4 nur über das Stellrad kann. Wer mehr machen möchte als es nur als Erweiterung zu nutzen, sollte hier zu Größe M oder L greifen, welche auch nicht übermäßig teurer sind. Wer sich jedoch im professionelleren Umfeld bewegen möchte, ist (sofern das Budget es zulässt) mit dem Intuos besser bedient.
Im Preis-Leistungs-Verhältnis kann man natürlich sagen, dass das Bamboo dem Intuos um Welten vorzuziehen ist (viele Foren / YouTube-Videos stellen es so dar), doch finde ich das beide Tablets alleine durch die Funktionseinschränkungen des Bamboo nicht direkt vergleichbar sind. Wer z.B. auf die natürlich Pinsel nicht verzichten kann / will (ich würde nie wieder auf die Pinsel verzichten xDD), für den ist das Bamboo natürlich keine Alternative.
Im Übrigen ist natürlich die Auswahl an Stiften / Styli für das Bamboo sehr beschränkt ... nämlich 1^^ während für das Intuos recht viele Ergänzungsmöglichkeiten bestehen (Airbrush, Classic Pen, Art Pen, etc.), die einem die Arbeit in verschiedenen Bereich doch sehr erleichtern :)
PS: Falls jemand eine Möglichkeit gefunden hat, im Bamboo Neigungswinkel zu simulieren (falls ich es übersehen habe), der möge sich bei mir melden :)
PPS: Ich möchte noch einmal deutlich darauf hinweisen, dass es sich bei dem Intuos um das Intuos4 handelt, welches keine Touch-Funktion besitzt / besaß! Seit Intuos5 gibt es eine integrierte Touch-Funktion beim Intuos selbst. Jedoch sehe ich weiterhin die optimale Lösung in einem kleinen Tablet als 2.-Tablet, welches ich für die Navigation nutze und einem größeren, welches ich dann ohne Touch zum Arbeiten nehme :)