Ich liebe Krimis. Besonders die alten roten Klassiker des Goldmann Verlages, wie ich sie in den 90er Jahren in der Bücherei ausleihen konnte. Dieser alte Klassiker, der schon 1936 geschrieben wurde, ließ hoffen, dass ich wieder auf so ein Buch gestoßen bin.
Der Anfang war schon mehr als vielversprechend. Ein charakterstarker Wachtmeister, ein Täter, der kein wirkliches Motiv hat und altmodische Ermittlungsarbeiten vor Ort. Das ist genau nach meinem Geschmack. Für mich der perfekte Krimi.
Besonders der Protagonist Studer hat es mir angetan. Kurz und knapp eingeführt, erobert er jedoch binnen weniger Seiten das Herz des Lesers. Dafür sorgt sein einmaliger Charme, sein trockener Humor, seine merkwürdigen Ermittlungsarbeiten und seine logischen Gedankengänge. Obwohl ich den Film nie gesehen habe, hatte ich ein perfektes Bild des Ermittlers vor meinen Augen. Leider sind die Beschreibungen der anderen Figuren ebenfalls sehr spärlich. Sie reichen aus, um ein zufriedenstellendes Bild zu bekommen, jedoch geht es in meinen Augen nicht genug in die Tiefe. Ich persönlich bekam nie das Gefühl als wären Schlumpfi oder Sonja Bekannte. Trotzdem war dies eine kleine Schwäche, die mich nicht sonderlich störte. Andere Autoren schaffen nicht mal die Hauptfigur lebendig erscheinen zu lassen. Mit der gelungenen Handlung ist dieses Manko sofort überbrückt.
Damit wären wir beim Stil, und dieser ruiniert den perfekten Krimi. Der Autor legt einen teilweise abgehackten Satzbau, der sich oft durch ' zeigt, an den Tag. Damit könnte ich noch leben. Dazu wird jedoch ständig die wörtliche Rede gewechselt. In Kombination mit einigen schweizerischen Begriffen, wie zum Beispiel 'Büetz' oder 'Meitschi' fand ich es mühsam. Entweder ein Stil den man mag oder eben nicht. Auf die Länge des Buches fand ich den Lesefluss gehemmt.
'Nur weiter, nur weiter... Ich höre schon zu...'
Es scheine nicht, meinte Murmann, über was denn Studer so tief nachgedacht habe? - Er werde es ihm später sagen. Murmann solle jetzt die beiden Tage schildern, die Entdeckung der Leiche, die Untersuchung, die Flucht des Schlumpf... (Zitat S. 96)
Nichtsdestotrotz ist es ein Krimi der den Leser zum Mitraten animieren wird. Man wird auf falsche Fährten gelockt und mit überraschenden Wendungen, kleinen Hinweisen dem Ziel etwas näher gebracht, um kurz darauf wieder am Anfang zu stehen. Nach und nach jedoch setzt sich ein Bild zusammen, dass mich am Ende richtig liegen ließ. Spannende Ermittlungsarbeit, wie ich es nennen würde. Spannung selbst kommt nur durch Studers Denkansätze und die Ermittlung selbst auf. Es ist eine angenehme Spannung, die im Verleich zu heutigen Krimis nicht auf Blut, Gewalt und Gefahr setzen.
Abgerundet wird dieser Krimi durch den gekonnten Schluss. Wie oben erwähnt bin ich oft auf die falsche Gefährt gelockt worden, und erst ganz zum Schluss wusste ich, worauf der Autor hinaus wollte. Genauso stelle ich mir den perfekten Schluss eines Krimis vor. Nicht vorhersehbar, logisch und konsequent.
Wer jetzt Bedenken hat, dass ein Krimi aus dem Jahre 1936 an Aktualität und Reiz verloren hat, dem sei gesagt, dies ist nicht der Fall. Auch nach all den Jahren noch Weltklasse. Trotz des Stils bin ich begeistert und kann das Werk nur jedem empfehlen.