Wer seiner Leserschaft Neuheiten verspricht, muss sich gefallen lassen, dass man das neue Denken und Handeln genauer unter die Lupe nimmt. Das Resultat meines Briefmarkensammlerblicks: Ich fand nichts wirklich Aufregendes unter den News von Monika Birkner. Ihre Leistung besteht viel mehr darin, Verstreutes neu zu ordnen, in eine angenehme sprachliche Form zu bringen und mit Beispielen aus der Praxis zu garnieren. Ausserdem wird die Autorin ihrem Anliegen gerecht, den Solo- und Kleinunternehmern Mut zu machen. Nur wäre ihr das auch gelungen, wenn sie auf neue Formeln verzichtet hätte. So wird die AIDA-Formel der Werber bei Monika Birkner zum A.P.F.E.L., (Attention, Permission, Follow-ups. Engagement, Long-Lasting Relationship), Angebote müssen W.E.R.T. haben, was für Wirkung, Erlebnisse, Relationship und Transformation steht. Und um dem Durchwursteln Einhalt zu gebieten, soll künftig nach der Formel C.R.E.A.T.E. gearbeitet werden, was für Clear Vision, Reality Check, Energy of Emotions, Act & Allow, Text & Adjust, Enjoy the Process steht. Selbst wenn all diese englischen Ausdrücke erläutert werden, zweifle ich an der Wirksamkeit dieses didaktischen Konzepts. Meine Bedenken werden von einem Weltbild genährt, das demjenigen der Autorin in wesentlichen Punkten widerspricht. Wenn Monika Birkner schreibt, dass wir keine reinen Kopfmenschen sind, so festigt das gerade die alte Ansicht, wir würden uns primär rational verhalten, könnten unser Leben sowie Erfolg planen. Wenn gut 90 Prozent unseres Verhaltens vom Unbewussten gesteuert wird, dann ist der Satz vom unreinen Kopfmenschen eine trügerische Verharmlosung.
Im Buch finden sich viele Formulierungen, die darauf hindeuten, dass Autorin sich in einem Zwischenreich aufhält und selber nach Orientierung sucht. So steht auf Seite 34: Vielleicht gehören Sie zu den Menschen, die meinen, dass Erfolg und Wachstum das Ergebnis harter Arbeit seien. Das war auch lange Zeit meine Einstellung. Dennoch basiert Monika Birkners Buch auf dem Modell, dass der Erfolg vom Einsatz der richtigen Methoden und Strategien abhängig ist. Der Zufall ist auch bei ihr eher ein lästiges Übel. Ebenfalls dem alten Denken verpflichtet ist die Annahme, der Mensch könne sich mit den richtigen Fragen selber erkunden. Das Frage-und-Antwort-Spiel funktioniert aber nur, solange das Ich auf seinem Throne sitzen bleibt. Statt viel zu fragen, sollte man lieber viel beobachten. Denn das Unbewusste webt seine Geschichten in Verhaltensmuster ein.
Die Autorin und ich haben ganz offensichtlich verschiedene Vorstellungen vom Menschen. Aber das heisst noch lange nicht, dass Monika Birkner bei den Lesern nichts auslösen kann. Denn sie verfügt über eine Persönlichkeitseigenschaft, die ausgerechnet bei Coaches, Ratgebern und Beratern nicht zur Grundausstattung gehört sie ist einfühlsam und stellt sich zwischen den Zeilen selber in Frage. Und so erhält der aufmerksame Leser Impulse, die zu Veränderungen führen, selbst wenn er dies nicht bewusst wahrnimmt. Weil Monika Birkner in Interviews mit erfolgreichen Solo-Unternehmern auch andere zu Wort kommen lässt, ihre eigenen Geschichten einbringt und alte Weisheiten neu formuliert, kann sich jeder Leser seine eigenen Erfahrungsräume errichten und gestalten. Das gefällt mir.
Mein Fazit: Ein Ratgeber für Solo- und Kleinunternehmer, der klare Richtungen vorgibt und dennoch genügend Freiraum lässt, um sich nicht gegängelt zu fühlen. Viel liebevoller geschrieben als die meisten Jetzt kommt der grosse Zampanu-Bücher zu diesem Thema. Das wichtigste sind nicht die Formeln und Rezepte, sondern die Geschichten und all das, was zwischen den Zeilen steht.