An sich ist dieses 3er DVD-Set nicht schlecht. Aber man merkt doch, dass dies hier im Grunde ein Nachruf ist, der vom Erzfeind geschrieben wurde.
Die Dokumentation auf DVD 1 ist hinsichtlich Zahlen und Fakten recht informativ, aber es fällt auf, wie oft da immer wieder besonders von den Fehlern und den Rückschlägen in der Geschichte der WCW geredet wird. Auch werden kaum Jahreszahlen erwähnt, sodass man oft nicht weiß, von welchem Jahr nun gerade gesprochen wird.
Die Kommentare sind meist von Leuten, die es in der WCW nie über die Midcard hinausgeschafft hatten (Chris Jericho, Dean Malenko) und dann in der WWE Karriere machten - dementsprechend ist ihre Bewertung. Viele Kommentare kommen auch von Jim Ross, der aber bereits 1993 aus der WCW ausschied (und daher eigentlich nicht viel zu späteren Entwicklungen sagen kann), nicht zuletzt wegen Meinungsverschiedenheiten mit Eric Bischoff.
Spätestens wenn es um Vince Russo geht, wird mit Spott und geheucheltem Mitleid nur so um sich geworfen. Klar, es lief wirklich vieles schief gegen Ende (Stichwort David Arquette), aber es wird vollkommen verschwiegen, was Vince Russo zuvor für die WWE geleistet hatte. Ohne Russo und die Attitude-Ära wäre die Geschichte vielleicht anders ausgegangen.
Unverzeihlich ist aber, dass auf viele der großen, hauseigenen Stars der WCW fast gar nicht eingegangen wird! Kaum ein Satz über Diamond Dallas Page, Booker T oder Sting! Sting ist der größte Star der WCW, der weder vorher noch nachher in der WWE gewesen ist. Der Mann ist eine Legende, aber man sieht ihn kaum in der Doku eine Rolle spielen. Nur Ric Flair und Bill Goldberg werden ausführlich behandelt. Jeff Jarrett wird als Hanswurst dargestellt - könnte es VIELLEICHT damit zusammenhängen, dass JJ nun mit TNA Wrestling eine neue Konkurrenzorganisation aufgebaut hat? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Und Hogan? Aber, aber! Nur Gutes über Hogan! Wenn von Machtspielen hinter den Szenen die Rede ist, dann werden eigentlich nur Kevin Nash und Scott Hall erwähnt.
Die Matches auf den DVDs 2 und 3 sind in ihrer Auswahl recht gut, man muss halt bedenken, dass hier der Zeitraum von 1985 bis 2001 mit nur 20 Matches abgedeckt wurde. Da müssen zwangsläufig viele Lücken bleiben und viele Wrestler ohne Erwähnung bleiben. Immerhin taucht Sting hier öfters auf (in vier Matches), allerdings meistens in seiner Zeit vor seinem düsteren Crow-Gimmick. DDP taucht in zwei Matches auf, aber Booker T nur in einem einzigen. Dean Malenko und Eddie Guerrero (die zur WWE desertiert waren) sind hingegen immerhin in zwei Matches zu sehen.
Die Qualität der Matches liegt zwischen durchschnittlich bis sehr gut. Booker vs. Lance Storm ist z.B. eher mittelmäßig, aber insgesamt wird man gut unterhalten.
Es bleibt zu hoffen, dass zukünftige DVDs einen objektiveren Tonfall haben und mehr auf die hauseigenen WCW-Stars eingegangen wird.
WCW-Fans haben keine Wahl und WWE-Fans sollten nicht alles glauben, was da so erzählt wird.