"Extreme Rules" 2009 wird wohl für immer in die Geschichtsbücher der WWE eingehen. Zum einen als die Nacht der 1000 Titelwechsel, zum anderen überraschenderweise aber auch als ein bestenfalls durchschnittlicher, teilweise gar langweiliger PPV. Das lag nicht zuletzt daran, dass sich Otto-Normal-Fan (ich z.B.) wahrscheinlich auf extremere Matches eingestellt hatte, als es letztlich zu sehen gab.
Gleich zu Beginn dürfen MVP, Matt Hardy, William Regal und US-Champion Kofi Kingston in einem "Fatal Four Way" um Kingston Titel antreten. Erste große Frage: Was war hier extrem??? Ich jedenfalls konnte keinerlei Sonderregel ausmachen. Doch auch ohne diesen Kritikpunkt wirkte das Match wenig überzeugend. Jeder Teilnehmer lieferte zwar mehr (Kingston) oder weniger (Hardy) gute Leistungen ab, doch als Gesamtwerk gesehen, funktioniert dieser Kampf kaum.
Auch von Rey Mysterio und Chris Jericho ist man grundsätzlich qualitativ hochwertigeres Wrestling gewöhnt. Trotz vieler Turns und einer im Grunde guten Voraussetzung, nämlich der eines "No Holds Barred Matches", wirkte das Match etwas lahm. Zu vorhersehbar waren die Wendungen und schlussendlich war man fast froh, Jericho als neuen Intercontinental Champion zu sehen.
Im "Samoan Strap Match" zwischen Umaga und CM Punk ging es schließlich zum ersten mal etwas ungezügelter zu, als der bullige Samoaner recht früh "Mr. Money In The Bank" mit dem Lederriemen förmlich auspeitscht. Das Unterfangen alle vier Ringpfosten hintereinander abzuklatschen erweist sich dann aber selbst für Umaga als zu voreilig. Beide Männer liefern ein ordentliches, wenn auch wenig spektakuläres Match. Auch hier fehlten einfach die "OmG"-Momente.
Diese sollten die Fans ausgerechnet im folgenden Kampf erwarten. Nicht dass es im Kampf um den ECW Titel unglaublich riskante Aktionen zu sehen gibt, oder gar Dinge die man vorher noch nie gesehen hat, doch welcher Kenner des aktuellen Geschehens hätte auch nur einen Cent darauf verwettet, dass Tommy Dreamer noch einmal ECW-Champion wird?! Selbst vor dem Hintergrund, dass Dreamer die WWE im Falle einer Niederlage verlassen hätte. Der bis dahin als Champ amtierende Christian und der zweite Herausforderer Jack Swagger jedenfalls präsentierten sich dem Publikum in diesem "Triple Threat Hardcore Match" keinesfalls in schwächelnder Form. Tische, Stühle, Krücken,... alles was man in der Blütezeit der ehemals unabhängigen extremen Liga erwartet hätte kam hier zum Einsatz und dort lag vermutlich auch Dreamers "Heimvorteil".
Mit einem Pinfall über Swagger konnte sich der "Innovator Of Violence" jedenfalls nach Jahren des herum krebsens den begehrten Titel zum zweiten mal um die Hüften schnallen. Bleibt nur zu hoffen, dass die WWE Dreamer jetzt nicht einfach fallen lässt.
Nach einem Highlight der Veranstaltung folgt auch gleich der absolute Tiefpunkt. Statt die eher peinliche Santina Marella Geschichte langsam mal wieder sterben zu lassen, tritt Santinos vermeintliche Zwillingsschwester bei "Extreme Rules" gegen RAW-General Manager Vickie Guerrero an. Zu allem Überfluss auch noch in einem "Hog Pen Match", sprich in einem Verschlag voller (Schweine-)Dreck, Matsch und kleinen Ferkeln im Verschlag gleich neben dran. Natürlich macht Guererro das Match in letzter Sekunde zu einem Handicap Match und lässt Neffe Chavo ebenfalls mit im Mat(s)ch spielen. Dieser Teil des Abends stinkte im wahrsten Sinne des Wortes.
Überraschenderweise kämpften bereits jetzt Randy Orton und Batista im Stahlkäfig um Ortons WWE Heavyweight Titel. Kaum zu glauben, da mit Cena Vs. Big Show noch ein Kampf anstand, in dem es um keinen Gürtel ging. Was uns das über den Wert des Titels sagt, sei mal dahin gestellt. Orton taucht, oh Wunder, ohne Dibiase und Rhodes am Käfig auf (die sich auch im weiteren Verlauf nicht blicken lassen), was von vornherein bereits für faire(re) Verhältnisse sorgt. Die beiden schenken sich nichts, machen den Sack aber erschreckend schnell zu... vielmehr macht Batista diesen zu und wird so zum ersten mal WWE Champion. Furchtbar extrem, oder gar brutal wird das Match jedoch zu keinem Augenblick und so verkommt Batistas Rache (für Freund und Mentor Ric Flair) ein wenig zur Farce.
Auch vom vorletzten Match des Abends hatte ich mir wesentlich mehr versprochen, doch gerade bei Big Show kann man sich in letzter Zeit nie wirklich sicher sein, ob er unterhält oder langweilt. Letzteres war hier der Fall und der Riese beschränkte sich darauf Cena durch das Seilgeviert zu boxen. Ziel in dieser Auseinandersetzung war jedoch, den Gegner zur Aufgabe zu bringen. Kein leichtes Unterfangen, bedenkt man den Größen- und Gewichtsunterschied der beiden. Cenas Sieg wirkt deshalb nicht nur wegen des schief gegangenen STF's unglaubwürdig.
Dieser PPV ließ sich also nur noch durch den Main Event retten. Das voran gegangene Debakel musste nun natürlich die Frage zulassen, ob World Heavyweight Champion Edge und Jeff Hardy heute vielleicht auch nicht ihren besten Tag erwischt hatten. Erfreulicherweise war dem nicht so und die beiden Superstars zeigten sich, wie so oft von ihrer besten, waghalsigsten Seite. Ein "Ladder Match" war Grundlage für den krönenden Abschluss eines, ich erwähnte es bereits, weniger tollen PPVs. Dieses Match sollte man dann aber, trotz aller voran gegangenen Halbherzigkeiten doch gesehen haben. Beide Männer kämpfen bis zur totalen Erschöpfung, und nicht nur deshalb hat es einen etwas ärgerlichen Beigeschmack, dass Jeff Hardy, eben noch für seine Mühen mit dem Titel belohnt, unmittelbar nach dem Match den Titel sofort gegen CM Punk wieder verliert. Dieser hat es sich nämlich nicht nehmen lassen, sofort nach Hardys Sieg zum Ring zu kommen um seine "Money In The Bank"-Titelchance vor Ort einzulösen. Soweit korrekt, aber irgendwie auch nicht die feine englische.
Diese DVD kann (durchaus an manchen Stellen), muss aber ausnahmsweise mal nicht sein.