Ich möchte als erstes mit einem Trugschluss aufräumen. Auch wenn der Name etwas anderes suggeriert, der Keramikstab ist kein reiner Wetzstahl. Im Gegensatz zum Wetzstahl, der den immer vorhandenen und beim Schneiden umbiegenden Grat wieder aufrichtet und NICHT schärft, hat der Keramikstab einen deutlichen Abtrag - schleift also das Messer ein wenig. Das sieht man an dem recht schnell entstehenden Metallpulver, das den Stab ziemlich schnell grau färbt. Dadurch wird der schleifende/wetzende Effekt aber nicht beeinträchtigt, hinterlässt aber graue Finger, wenn man den Stab berührt. Man kann den Stab aber mit Spüli waschen, denn die Keramik korrodiert nicht.
Wenn meine Vorrezenssenten mit einem echten Wetzstahl ihre Messer nicht scharfbekommen haben, liegt das nur daran, dass diese nicht schleifen und die Messer einfach schon stumpf waren.
Der Abrieb des Keramikstabes ist so gut, dass man - wenigstens kurzfristig - auch ein suboptimales Messer revitalisieren kann. Allerdings kommt KEIN Messer, auch die Keramikklingen nicht(!), ohne gelegentliches echtes Nachschleifen aus. Der Keramikwetzstab schiebt diesen Moment allerdings deutlich nach hinten.
Kleiner Tipp: wie beim Schleifen der Klingen nicht mit Druck arbeiten, sondern die Klinge einfach über den Stab ziehen. Es verführt natürlich, ein stumpfes Messer mit mehr Schmackes am Stab zu bearbeiten, aber versuchen Sie es. Sie werden merken, dass Druck zu deutlich schlechteren Ergebnissen führt als ein lockeres entspanntes Abziehen. Und ein richtig stumpfes Messer schafft auch dieser Stab nicht mehr.
Der einzige Nachteil ist, dass gerade weil der Keramikstab so gut funktioniert, man damit auch wesentlich einfacher geschliffene Messer schrotten kann. Das geht mit einem normalen Wetzstahl praktisch nur in böser Absicht.
Und noch was - Keramik- und andere Wetzstähle eignen sich NICHT für japanische Messer oder solche, die einen einseitigen Schliff haben. Aber wer die Teile hat, der weiß in der Regel eh, wie mit denen artgerecht umgeht.
Also - IMHO gibt es nichts Besseres