Aus der Amazon.de-Redaktion
Seit vielen Jahren bringt die ZDF Wirtschaftsredaktion in der Sendung WiSo Wirtschaftsthemen zur Sprache. Nun gibt sie auch eine Einführung in die Börse in Buchform heraus. Der Titel Aktien - Fonds - Futures weist auf ein (zu-) breites Themengebiet hin. Seien es Aktien, Anleihen, Fonds oder Derivate, in jedem Schwerpunkt werden dem Leser detailliert die Risiken und Chancen vorgestellt. Durch die Vielzahl von praktischen Tipps, z.B. wo man günstige Transaktionspreise erhält, und Warnungen kann der Leser die Ratschläge direkt umsetzen und mögliche Fehlerquellen ausschließen. Es ist zwar sicherlich richtig, derivative Anlageformen in diesem Kontext zu erwähnen, allerdings ist der noch etwas unerfahrene Anleger in diesem Feld wahrscheinlich überfordert.
Sehr gelungen ist die Einführung in die Fundamental- und die Chartanalyse. Hier werden die wichtigsten Grundzüge auf anschauliche Weise Zug um Zug vorgestellt, so dass der Anleger direkt damit beginnen kann, diese auf seine Anlageentscheidungen bzw. auf sein schon bestehendes Portfolio anzuwenden. Den Spagat zwischen umfassender und erschöpfender Information zum Thema Börse einerseits und Verständlichkeit andererseits hat das WiSo-Autorenteam fast perfekt gemeistert. Einziger Wermutstropfen ist das fehlende, aus anderen WiSo-Publikationen bekannte kleine Börsenlexikon.
Fazit: Mit dem Ratgeber Aktien - Fond - Futures erhält der noch nicht so erfahrene Anleger ein gutes Hilfsmittel, um über die Spielregeln der Börsen Bescheid zu wissen. --Oliver Satzger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Allegra, 7/00
Die Welt, 13.06.00
Hörzu, 10/00
Kurzbeschreibung
Über den Autor
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Auszug aus WISO Aktien Fonds Futures. Eine Einführung in die Börse von Michael Jungblut, Claudia Krafczyk, Rudolf Rauschenberger. Copyright © 2006. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Die deutschen Sparer haben 2004 und 2005 eine einmalige Gelegenheit
ungenutzt verstreichen lassen: Private Anleger hätten die Chance gehabt, am
Aktienmarkt innerhalb kurzer Zeit einen Gewinn von über 100 Prozent
einzustreichen. Allein die Dax-Unternehmen haben in dieser Zeit ihren
Börsenwert verdoppelt. Bei den kleinen und mittleren Unternehmen war der
Kursanstieg sogar noch stärker ausgeprägt, und auch die Dividenden
sprudelten wie schon lange nicht mehr.
Die Kurse stiegen ab 2004 wie seit vier Jahren nicht mehr, doch bei den
Banken blieben Orders von deutschen Kunden weitgehend aus. Aktienfonds
verzeichneten ebenfalls nur verhältnismäßig geringe Mittelzuflüsse. Erst
Anfang 2006 wachten die deutschen Anleger auf. Allein in den ersten zwei
Monaten floss deutschen Fondsanbietern mit 2,4 Milliarden Euro so viel Geld
zu wie im gesamten Vorjahr. Doch da war der Zug bereits in voller Fahrt.
Deshalb machten vor allem Ausländer das Geschäft. Sie erkannten
rechtzeitig, dass eine Beteiligung am Kapital deutscher
Aktiengesellschaften kräftige Gewinne versprach. Denn während im
öffentlichen Bereich Reformen nur schleppend vorankamen, die staatliche
Verschuldung weiter dramatisch stieg und die sozialen Systeme von Krise zu
Krise taumelten, hielten es die Unternehmer mit dem Motto: Packen wir's an.
Der großen Mehrzahl der deutschen Sparer fiel nicht auf, dass es den
Unternehmen viel besser ging als dem Land. Die Zurückhaltung hatte aber
auch noch andere Gründe: Die Deutschen sind traditionell "Aktienmuffel". In
keinem vergleichbaren Land sind so wenig Bürger bereit, sich an der
Finanzierung ihrer Wirtschaft zu beteiligen. Nirgendwo ist die Risikoscheu
so ausgeprägt wie in der Bundesrepublik und wird das Lebensgefühl so stark
von Angst und Pessimismus bestimmt. Deshalb steckt deutschen Anlegern der
Börsencrash vom Anfang des Jahrzehnts wohl auch noch viel tiefer in den
Knochen als ihren Nachbarn in Europa oder den Amerikanern.
Zwar war im Jahr 2000, auf dem Höhepunkt des Aktienbooms, die Zahl der
Aktionäre in Deutschland so hoch wie noch nie zuvor. Der Traum, über Nacht
reich werden zu können - fast egal, welche Aktien man kaufte -, lockte auch
Sparer an die Börse, die sich vorher noch nie mit Aktien und anderen
Wertpapieren beschäftigt hatten - geschweige denn, dass sie schon einmal
Risikopapiere besessen hätten. Besaßen 1997 erst 5,6 Millionen Deutsche
Aktien oder Anteile an Aktienfonds, so waren es 2001 plötzlich über 13
Millionen. Doch mit den Kursen sank auch die Zahl der Besitzer von
Unternehmensanteilen wieder, und zwar fast so schnell, wie sie zuvor
gestiegen war. Mitte 2004 waren nach einer Untersuchung des Deutschen
Aktieninstituts nur noch 10,6 Millionen Bundesbürger an
Aktiengesellschaften beteiligt. Bei vielen war das eher unfreiwillig, weil
sie nicht wussten, wie sie die Papiere ohne Verlust wieder loswerden
sollten. Auch wenn dies immerhin noch fast doppelt so viele Aktionäre waren
wie sieben Jahre zuvor, waren es deutlich weniger als in anderen hoch
entwickelten Ländern. Daran hatte sich auch bis 2006 trotz des Aktienbooms
kaum etwas geändert.
Diese Risikoscheu der Deutschen, die auch eine Folge des geringen Wissens
über Wirtschaft, Unternehmen, Börse und Aktien ist, hat auch
wirtschaftliche und soziale Auswirkungen. Weil Deutsche ihre Ersparnisse
lieber in "Rentenwerte" als in Unternehmensbeteiligungen investieren, sind
die meisten großen Aktiengesellschaften in Deutschland heute mehrheitlich
im Besitz von ausländischen Anlegern. Zu den Investoren zählen insbesondere
die großen britischen und amerikanischen Pensionsfonds. Kein Wunder also,
dass sich die Vorstände der Dax-Unternehmen immer stärker an deren
Interessen orientieren (müssen): Sie stellen die Mehrheit unter den
Eigentümern. Die Manager der Pensionsfonds verlangen hohe Renditen, damit
sie die Versprechungen erfüllen können, die sie ihren Kunden gegeben haben
- den Millionen Arbeitnehmern in Großbritannien und den USA, deren
Alterssicherung in hohem Maße von der Profitabilität der Fonds abhängt.
Die Deutschen, die immer noch einen großen Teil ihres Geldes auf das
sichere, aber wenig rentable Sparbuch einzahlen, bringen sich selbst um die
Chance, am Erfolg der Unternehmen teilzuhaben. Doch Ängstlichkeit, Skepsis
und Unwissenheit der anderen müssen Sie nicht daran hindern, die
Möglichkeiten zu nutzen, die sich durch eine Beteiligung am Risikokapital
von Unternehmen bieten. Ob Sie sich dabei für die direkte (Aktien) oder
indirekte Beteiligung (Fonds) entscheiden, ob Sie sich bei deutschen oder
ausländischen Kapitalgesellschaften engagieren oder wie Sie Ihre
Ersparnisse auf die verschiedenen Risikoklassen verteilen, ist allein Ihre
Entscheidung. Sie sollten sich aber die Chancen, die damit verbunden sind,
nicht entgehen lassen. Sie sind umso höher, je mehr Sie über Aktien und die
Märkte wissen, an denen Sie gehandelt werden. Dann geraten Sie auch nicht
gleich in Panik, wenn die Kurse mal wieder fallen. Dieses Auf und Ab gehört
dazu, seit es Börsen gibt. Man kann es leichter ertragen, wenn man weiß,
dass der Trend am Aktienmarkt langfristig immer nach oben zeigt - und wenn
man weiß, dass man sogar an fallenden Kursen verdienen kann. Zum Beispiel,
indem man einen Rückschlag wie im Mai 2006 nutzt, um doch noch zu relativ
günstigen Bedingungen einzusteigen, wenn man es versäumt hatte, schon 2004
auf den fahrenden Zug aufzuspringen.
Das Auf und Ab des Dax
Ein wenig Risiko gehört zwar immer dazu. Aber wer jedes Risiko scheut,
bringt sich auch um jede Chance.
Michael Jungblut
Aktionär kann jeder werden
Die Mehrzahl der Bundesbürger scheut den Kauf von Aktien wie der Teufel das
Weihwasser. Zugegeben: Auf den ersten Blick erscheint das Geschäft mit
Aktien und anderen Wertpapieren kompliziert und schwer durchschaubar. Doch
im Prinzip ist die Wertpapierbörse nichts anderes als ein gut organisierter
Markt, der vieles mit einem Wochenmarkt gemeinsam hat. Während auf dem
einen mit Obst und Gemüse, Kräutern, Eiern und Käse gehandelt wird, sind es
an der Wertpapierbörse Aktien, Anleihen, Fonds, Zertifikate, Devisen und
andere Geldprodukte. In beiden Fällen richten sich die Preise nach Angebot
und Nachfrage, und auch das Prinzip von Gewinn und Verlust ist dasselbe:
Wer günstig einkauft und teuer verkauft, geht abends mit einem Profit nach
Hause. In diesem Kapitel finden Sie zunächst einen Überblick über die
Funktionsweise und grundlegenden Verhaltensregeln an der Börse. Außerdem
erfahren Sie, welche verschiedenen Formen der Geldanlage es gibt, wie und
wo Sie Aktien, Fonds oder Anleihen erwerben, wie Sie den passenden Partner
für Börsengeschäfte finden und wie Sie herausfinden, welcher Risikotyp Sie
überhaupt sind.
Trotz mancher Gemeinsamkeiten zwischen Gemüsemarkt und Börse gibt natürlich
auch deutliche Unterschiede: Während auf dem Wochenmarkt keine Gurke genau
der anderen gleicht und der eine Händler reifere Tomaten als der andere
anbietet, sind alle Aktien von Siemens absolut identisch. Jeder
Anteilschein von E.ON oder BASF hat zu einem bestimmten Zeitpunkt exakt den
gleichen Kurs wie alle anderen Aktien dieses Unternehmens und verbrieft
seinem jeweiligen Besitzer identische Rechte. Es spielt also keine Rolle,
bei welchem Händler eine Aktie erworben wird. Anders als bei Kartoffeln
oder Karotten kann man die an der Börse gehandelten Waren weder anfassen
noch daran riechen. Ihre Qualität muss auf andere Art geprüft werden.
Bei Wertpapieren geht es um den Handel mit "verbrieften" Rechten. Bei
Aktien garantieren sie dem Besitzer unter anderem einen bestimmten Anteil
am Kapital eines Unternehmens und eine Beteiligung am Gewinn; bei Anleihen
geht es um das Recht auf Zinszahlung und später auf Rückzahlung des
ausgeliehenen Betrages. Viele dieser Wert"papiere" existieren gar nicht
körperlich: Es gibt sie nur virtuell. Selbst wenn es sie noch in gedruckter
Form gibt, kommen sie niemals auch nur in die Nähe des Marktplatzes Börse.
Sie liegen sicher verwahrt bei den Banken und Sparkassen. Auch da werden
sie bei Kauf und Verkauf schon lange nicht mehr zwischen den Depots hin und
her transportiert. Der Besitzwechsel wird nur noch von der
Datenverarbeitung registriert.
Parallel dazu verliert auch der Handel "auf dem Parkett" immer mehr an
Bedeutung. Zwar sind in den Börsensälen von Frankfurt oder New York noch
Händler zu sehen, die mehr oder weniger aufgeregt mit den Armen fuchteln
und in einer für Zuschauer kaum verständlichen Sprache miteinander
kommunizieren. Doch die weitaus meisten Umsätze werden mithilfe
elektronischer Handelsplattformen abgewickelt.
Es gibt auch Börsen, an denen tatsächlich Güter aller Art gehandelt werden:
Rohöl, Weizen, Tabak, Schweinebäuche und viele andere Rohstoffe oder
Naturprodukte. Doch auch an diesen so genannten Warenterminbörsen sind die
gehandelten Güter nie zu sehen, sie existieren meist noch gar nicht. Es
geht ausschließlich um Termingeschäfte, die den Beteiligten das Recht
geben, eine bestimmte Ware zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem vorher
festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Es sind reine
Spekulationsgeschäfte. Sie sind dennoch für die reale Wirtschaft von großer
Bedeutung, da nur so für die Produzenten wie für die Weiterverarbeiter
dieser Rohstoffe und Erzeugnisse die Sicherheit besteht, dass sie die
gewünschten Mengen zu vorher bekannten Preisen kaufen oder verkaufen
können.
In diesem WISO-Buch geht es jedoch vor allem um die Märkte für Wertpapiere
- also um den Handel mit Aktien, Fondsanteilen, Anleihen, Zertifikaten und
anderen Wertpapieren, die für private Sparer und Anleger von Bedeutung
sind.
Achtung!
Ohne Führerschein darf sich niemand an das Steuer eines Autos setzen. Ohne
die notwendigen theoretischen Kenntnisse und ausreichende Fahrpraxis wäre
das im Straßenverkehr viel zu gefährlich. Beim Börsenverkehr ist es nicht
anders: Nur wer die Regeln kennt, sollte sich daran beteiligen. Sonst kann
die Sache böse enden.
Aber wie Sie in diesem Kapitel sehen werden, ist es gar nicht weiter
schwer, sich für die Börse fit zu machen. Ähnlich wie ein Wochenmarkt ist
der große Marktplatz Börse in unterschiedliche Teilmärkte aufgeteilt: den
Rentenmarkt, auf dem festverzinsliche Anleihen gehandelt werden, den
Aktienmarkt für Unternehmensanteile, die Devisenbörse für den Handel mit
Währungen oder die Terminbörse für Wertpapiergeschäfte, die erst später
abgewickelt werden. Über den Preis der Wertpapiere kann bis zu einem
gewissen Grad verhandelt werden. Die Nachfrager machen sich Gedanken
darüber, zu welchem Kurs sie kaufen wollen, die Besitzer von Wertpapieren
überlegen, wie viel sie mindestens dafür haben wollen. Der Preis (Kurs)
bildet sich dann nach Angebot und Nachfrage. Ist die Ware (egal ob
Kartoffeln oder Wertpapiere) zu teuer, wird sich kein Käufer dafür finden.
Der Preis muss dann so lange sinken, bis sich genügend Abnehmer finden, die
zu diesen Bedingungen zugreifen wollen. Wenn etwas faul ist (an einer
Tomate oder an einer Aktie), ist es kaum noch möglich, sie loszuwerden.
Schlechte Unternehmensnachrichten drücken den Kurs nach unten. Mutige
Anleger können bei Aktien ebenso zugreifen wie die Hausfrau auf dem
Wochenmarkt, wenn der Anbieter mit lauter Stimme verkündet: "Die letzten
Kirschen - jetzt nur noch 2,50 das Kilo."
Anleger sind mittlerweile an der Börse ebenso nah am Geschehen wie auf dem
Wochenmarkt: Wenn plötzlich die Preise purzeln, können sie zugreifen. Durch
Fernsehen, Videotext, Datenübermittlung per Handy und Internet sind sie
fast ebenso dicht am Markt wie professionelle Händler. Ohne dafür zu
zahlen, erhalten Interessenten das aktuelle Börsengeschehen zwar meist mit
ein paar Minuten Verzögerung, doch für private Anleger ist das in der Regel
völlig ausreichend. Gegen Gebühr kann aber heute jeder die Kurse in
Echtzeit bekommen. Anleger haben dadurch zumindest theoretisch die
Möglichkeit, sofort zu agieren, wenn sie glauben, der richtige Zeitpunkt
sei gekommen, um zu kaufen oder zu verkaufen. Sie müssen nicht mehr wie
früher zu einer Bank gehen, um den Aushang mit den Kursen der wichtigsten
Aktien im Schaufenster zu studieren, den Berater anrufen oder bis zum
nächsten Tag warten, bis sie endlich in der Zeitung die Tabellen mit den
Kursen von gestern finden.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.