Pro: Gute Geschichte. Contra: schlechte Kamerainszenierung und nur durchschnittliche Schauspieler.
Die Geschichte eines scheinbar geistig zurückgebliebenen Jungen namens Kevin, le chien, und dessen Bruder Jean-Claude bzw. Vater und der später dazustoßenden Michele erzählt letztlich eine Familientragödie. Jean-Claude liebte die Mutter von Kevin. Wegen einer Affäre ermordete er sie und begrub sie im Wald, wobei unklar bleibt, ob Jean-Claude nun auch der Vater von Kevin ist. Kevin gerät daraufhin in einen Strudel von Chaos und Hölle, weiß nicht wo ein noch aus, und versucht sein Leben ebenfalls im Wald zu verbringen. Eine kleine Schatzschatulle, in welcher Kevin ihm wichtige Dinge aufbewahrt, vergräbt er beispielsweise immer am Grab der Mutter. Im Film wirkt daher dieser Junge eher verstört, weswegen man ihm auch andere Namen gibt, und besonderliche Verhaltensweisen zeigen lässt. Als die neue Freundin von Kevins Bruder allerdings versucht diese Familientragödie näher zu beleuchten gerät sie selbst ins Kreuzfeuer und muss letztlich um ihr Leben bangen. In den letzten Szenen wird deutlich, dass nicht Kevin der geistig gestörte ist, sondern sein Burder ein schweres psychisches Problem mit Frauen hat: Sobald diese zu nah an ihn geraten, und ihn dabei betrügen, ist er nicht fähig seine Gefühle zu kontrollieren.
Letztlich steht hier also die Geschichte einer ekelhaften Familientragödie, welche mit Schweigen zur ewigen Konservierung verdammt ist, und dies zwei Menschen unterschiedlich verändert. Persona primo wirkt verstört, im Sinne der geistigen Reife, und Persona secondo wirkt nicht weniger verstört, im Sinne Kommunikation und Umgang mit liebenden Menschen.
Viele Szenen hätten deutlich klarer und kürzer gearbeitet werden können. Der Zuschauer sieht sich oftmals in einem Durcheinander von konzentrierter Spannung und überdehnter Langeweile. Es ist nicht immer leicht dem Faden im Film zu folgen, und jeder Kameraperspektive und jedem Dialog seinen wichtigen Stellenwert einzuräumen. Lediglich die letzt Szene des Films, in welcher die Geschichte quasi explodiert, sprüht vor Fantasie und Genialität.
Die Schauspieler weisen hier und da ebenfalls ein Mangel an Mimik und Gestik auf. Dass in einem Film u.a. übers Schweigen keine stundenlange Dialoge aufzufinden sind, ist auf keinenfall negativ zu sehen. Allerdings sollte man dazu starke Schauspieler haben, welche einen Mangel an Dialog, und somit an erster Verstehensebene für den Zuschauer, eine starke Ausdruckskraft haben. Diese sind hier meines Erachtens eher durchschnittlich und kommen an den Anspruch der Geschichte nicht ran.
Kurzum:
Eine starke Geschichte, mit Schauspielern und einer Regie, welche nicht ganz an den Anspruch der Geschichte heranreichen mögen.
Durchaus sehenswert, aber eben nicht unbedingt.