Ein neuer Fall für DI Chandler (Rupert Penry-Jones) und DS Miles (Phil Davis): Nachdem sie in der 1. Staffel einen Jack the Ripper-Nachahmer ausgeschaltet haben, geschehen in Whitechapel erneut brutale Morde. Die Taten gleichen diesmal exakt denen der Kray-Brüder, die in den 1960ern im Londoner Eastend als Bandenchefs Angst und Schrecken verbreiteten. Wer kopiert die Zwillinge, und können Chandler und Miles den oder die Täter fassen, bevor noch mehr Blut fließt?
"Whitechapel 2" ist ein "Aufguss" einer exzellenten Idee und hat es deshalb aus verschiedenen Gründen schwer. Jack the Ripper ist spektakulärer und zumindest außerhalb Großbritanniens viel bekannter als die Krays, und das viktorianische London beflügelt die Phantasie mehr als die 60er. Die Tatsache, dass die Identität des echten Jack the Ripper nie geklärt wurde, machte "Whitechapel 1" außerdem zu einem faszinierenden "Whodunnit"; bei den Krays handelt es sich hingegen um bekannte Täter, die beide gefasst wurden. Und schließlich bezog die 1. Staffel einen ganz eigenen Reiz aus der Tatsache, dass ein überkorrekter, zwanghafter DI einer Truppe von erfahrenen, rauhbeinigen Polizisten vor die Nase gesetzt wurde und dieses Team wider Willen sich erst einmal zusammenraufen musste. Das fällt in der 2. Staffel natürlich auch weg, denn mittlerweile kennen und respektieren sich alle. Aber keine Sorge: "Whitechapel 2" ist trotzdem (fast) genauso gut wie der erste Teil.
Soweit es sinnvoll ist, wurde das Erfolgsrezept der Ripper-Folgen beibehalten: auch Staffel 2 bietet eine düstere, bedrohliche Atmosphäre, überraschende Wendungen, brillante Dialoge, die die Zuseher/innen zum Lachen bringen, ohne die Spannung zu beeinträchtigen, und genau die richtige Menge "gore", um es unheimlich, aber trotzdem nicht allzu grauslich zu machen. Gleichzeitig ist die 2. Staffel aber nicht nur "more of the same", sondern sehr einfallsreich konstruiert. Die Charaktere zeigen neue Facetten, und da die Polizisten einer Mafia-ähnlichen Organisation gegenüberstehen, haben sie bei ihren Ermittlungen mit ganz anderen Schwierigkeiten zu kämpfen als in Teil 1. Nach leichten Anlaufschwierigkeiten in der ersten Folge wird es also wieder richtig spannend. Das Zusammenspiel von Penry-Jones und Davis ist einfach großartig, und auch Kriminalhistoriker und "Ripperologe" Edward Buchan ist wieder mit von der Partie, hin- und hergerissen zwischen seiner Angst und dem Drang, seinen detektivischen Spürsinn auszuleben. Steve Pemberton spielt den Sonderling Buchan fulminant, ohne ihn der Lächerlichkeit preiszugeben. Wer "Whitechapel 1" mochte, sollte sich die 2. Staffel daher nicht entgehen lassen.
Die DVD enthält die 3 Folgen der 2. Staffel, allerdings nur in englischer Sprache. Untertitel gibt es keine, dafür aber als Extras "deleted scenes" und 2 interessante Making-of-Dokumentationen.