Dieses zweibändige Sammelwerk zur biographischen Erforschung führender Köpfe des "Dritten Reiches" ist vor gut zehn Jahren erschienen, um ein Desiderat der Forschung zu schließen. Sieht man von Publikationen wie Joachim C. Fests "Das Gesicht des Dritten Reiches" und einigen berufssoziologischen oder disziplingeschichtlichen Forschungsarbeiten ab, so ist tatsächlich zu konstatieren, dass die in erster und zweiter Linie führenden Köpfe von Hitlers Terror-Diktatur systematisch bislang nicht beschrieben und im zeithistorischen Kontext betrachtet worden sind. Insofern könnte man das vorliegende Projekt zunächst einmal als lobenswert beurteilen. Wenn da nicht die Autoren und ihre "hidden agenda" wären. Die gehören nahezu samt und sonders einem Kreis an jüngeren, universitär sozialisierten Historikern an, die eine ganz eigene und höchst problematische Sicht auf die Geschichte des "Dritten Reiches" haben. Die unterschwellige Doktrin ihres Programms lautet nämlich, das Dritte Reich habe in gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und sozialpolitischer Hinsicht einen Modernisierungsschub ausgelöst, der durch den Kriegsverlauf und die alliierte Besatzung gebremst worden sei und erst mit deutlicher "Verspätung" (!) wieder eingeholt worden sei. Nicht zuletzt durch den Re-Import nationalsozialistischer Konzepte aus den Siegermächten heraus. In den vorliegenden Bänden beschreiben die Autoren vor allem die Protagonisten dieser vermeintlichen Modernisierung. Eine Modernisierung übrigens, so lassen es die drei Herausgeber auch in anderen Publikationen durchscheinen, die mittelfristig zu einer Nivellierung der terroristischen und genozidalen Dynamik des SS-Staates geführt hätte. De facto verbirgt sich hinter dieser Publikation daher ein äußerst problematisches, ja zynisches Programm (der "Neuen Rechten") und es muss als erfreulich bezeichnet werden, dass sich einige der Autoren und Herausgeber inzwischen von der Geschichtswissenschaft abgewandt haben und reinen "Brotberufen" nachgehen.