Die schauspielerischen Leistungen der drei Hauptprotagonistinnen in diesem Film sind absolut grossartig und sehenswert. Gerade weil sie ohne viel Text auskommen (müssen). Da ist diese Unbedingheit des Verliebtsein von Marie, gespielt von Pauline Acquart, die nichts in Frage stellt.Sie ist bis über beide Ohren in Floriane, die Kapitainin des Synchronschwimmteams verknallt. Jetzt geht aber nicht gleich das grosse Drama los, wie: "Oh, was passiert mit mir. Hilfe! Ich liebe eine Frau." Sie ist verschossen - fertig. Das Drama ist schlicht, dass Floriane sie zunächst gar nicht wahrnimmt. Deren Figur, der kühlen, narzisstischen und nicht zu wirklicher Liebe fähigen Diva wird fantastisch von der wunderschönen Adele Haenel gespielt. Beim Durchsehen der Extras in den Castingaufnahmen ist mir aufgefallen, dass besonders sie im Film ganz anders spielt, als sie tatsächlich ist. Sie ist ansich 'ne total Nette, alles andere als schroff und zickig. Und da gibt es noch Anne, gespielt von Louise Blachere, die etwas pumelige Freundin von Marie, die dem ganzen auch eine etwas witzige Nuance verleiht. So in Richtung eines tragischen Clowns. Dabei werden alle drei Figuren nie platt und eindimensional dargestellt. Marie ist nicht einfach nur blind verliebt. Sie ist auf ihre Art auch clever und gerissen. Sie dackelt Floriane nicht nur hinterher, sondern bestimmt auch selbst was passiert. Sie ist nicht der unterlegene Part, wie man vielleicht vermuten könnte. Das hält sich gut die Balance und schwankt im Verlauf des Films öfter hin und her. Alles zusammen werden die ganzen Facetten von Liebe und Verliebtsein, wie Schwärmerei und Romantik, dem teilweisen Absurden und Lächerlichen bis hin zum Düsteren und Zerstörerischen wunderschön in sehr ästhetischen Bildern eingefangen. Man merkt schon, dass hier eine Frau als Regisseurin am Werk war. Die Bildsprache ist sehr subtil, dicht. Dazu sind auch alle drei Schauspielerinnen sehr gut besetzt. Pauline hat diesen typischen halb mürrischen, halb verächtlichen Teenagerausdruck im Gesicht, wie er so wohl nur in Frankreich vorkommt, total süss. Adele hat irgendwie etwas strahlendes, raumfüllendes, etwas, dass die Blicke auf sich zieht, wie es sich für eine Grazie gehört. Und Louise - die ist einfach nur knuffig.
Leider kein Film mit wirklichem hollywoodtypischen Happyend "...und sie kriegen sich doch noch und leben glücklich bis ans Ende". Der Film ist schließlich aus Frankreich und es geht um lesbische Liebe. O' la-la. Trotzdem hat der Film einen versöhnlichen Ausgang mit einer Grundaussage:"As bad as it can get, you can live through it - So schlimm wie es auch immer kommt, du kannst es überleben." Wunder-, wunderschöner Film aus Frankreich. Unbedingt ansehen. Und keine Angst wegen der Untertitel. Die braucht man fast gar nicht.