Buch der 1000 Bücher
Das Wüten der ganzen Welt
OT Het woeden der gehele wereldOA 1993 DE 1997 Form Roman Epoche Moderne
Der Roman Das Wüten der ganzen Welt, dessen Titel einer Zeile aus der Bach-Kantate 80 (Eine feste Burg ist unser Gott) entlehnt ist, spielt in der südholländischen Provinz der Nachkriegszeit. In seinem autobiografisch geprägten Werk, in dem eine düstere Atmosphäre ständigen Bedrohtseins vorherrscht, verbindet tHart eine spannende Kriminalgeschichte mit Elementen des Bildungs- und Erziehungsromans.
Inhalt: Als Sohn eines Lumpenhändlers wächst Alexander Goudevyl in einer Kleinstadt auf. Der Junge lebt mit den alten Geschichten vom Krieg und der ständigen Ermahnung, das Geld zusammenzuhalten. Von seinen Schulkameraden nur gehänselt und verprügelt und vom Dorfpolizisten missbraucht, sucht Alexander Zuflucht in der Musik: Seine Passion ist das Klavierspiel, vor allem liebt er die Musik von Johann Sebastian Bach.
Das einschneidendste Erlebnis seiner Kindheit ist der Mord an dem Ortspolizisten Vroombout, der unmittelbar hinter dem Rücken des klavierspielenden Jungen getötet wird. Die Aufklärung des Verbrechens begleitet Alexander, der später als Komponist mit einem Pop-Song zu Weltruhm gelangt, während seiner ganzen Jugendzeit. Die Spuren führen zurück zu einem Kriegsverbrechen im Jahr 1940: Bei der Flucht nach England wird ein holländisches Fischerboot mit sieben Juden an Bord von einem deutschen U-Boot versenkt. In einem Beiboot können jedoch die sieben Passagiere und der Fischer Vroombout der spätere Ortspolizist entkommen. Als Alexander Jahre später Klavierstunden nimmt und sich mit den Söhnen seiner Lehrerin anfreundet, ahnt er, dass hier eine Verbindung zu dem Verbrechen liegen könnte, genauso wie beim Apotheker, der ihn immer wieder zu sich einlädt.
Aufbau: Der Ich-Erzähler Goudevyl berichtet seine Lebensgeschichte rückblickend aus der Perspektive des inzwischen 30-Jährigen. Immer wiederkehrendes Element ist die mit der Handlung verwobene Musik Bachs.
Wirkung: In zahlreiche Sprachen übersetzt, wurde das Werk ein großer Kritiker- und Publikumserfolg. Der niederländische Buchhandel ehrte den Roman 1994 mit dem Gouden strop, dem Preis für das spannendste Buch. D. M.
Kurzbeschreibung
carpe.com
Bei Das Wüten der ganzen Welt werden die Klassikfans bedient. Maarten 't Hart macht Lust auf Johann Sebastian Bach und andere Klassikschmankerl. Konsequent ist am Ende des Buchs ein "Kleines Brevier zum Mit- und Nachhören" angefügt. Es listet fast alle im Roman vorkommende Klassikstücke auf.
Der Roman führt uns mit einem Paukenschlag in die 1940 besetzten Niederlande. Nach diesem furiosen Auftakt folgen etwa dreißig eher matte Einführungsseiten, aber ab da wird die Spannung nicht mehr abgegeben und gelegentlich sogar gesteigert bis es zum Showdown nach Art des Westerns kommt. Habe ich damit zuviel verraten? Ich will doch nur zum baldigen Lesen anregen. Das Wüten der ganzen Welt ist, hier wiederhole ich den Buchumschlag, ein psychologischer Roman, eine Kleinstadtgeschichte, ein Krimi. Außerdem eine Aufforderung sich bestimmte Sternstunden der Musikgeschichte mal wieder durchs Gehirn zu jagen.
Wer noch Appetitanreger benötigt, trotz aller Aktion schreckt Hart keinesfalls vor Denkanstössen zurück. Nur ein Beispiel: "Wie eigenartig, daß man in einem solchen sonnendurchglühten Augenblick denkt, das ganze Leben liege noch vor einem, während sich später herausstellt, daß ein solcher Moment das wahre Leben ist." -- Herbert Huber -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Autorenporträt
Hart, Maarten 't niederländ. Schriftsteller und Biologe *25.11.1944 Maassluis Das Wüten der ganzen Welt, 1993 Maarten 't Hart zählt zu den beliebtesten zeitgenössischen Autoren in den Niederlanden. In seinem Werk verarbeitet er Musik, Biologie, Religion und verbindet diese Themenkreise häufig mit einem kriminalistischen Handlungsgefüge. Der Sohn eines Totengräbers wuchs in dem Städtchen Maassluis bei Rotterdam in einem streng calvinistischen Elternhaus auf. Hart studierte Biologie in Leiden, promovierte dort 1978 und war bis 1987 als Dozent für Verhaltensforschung tätig. Der autobiografisch geprägte Roman Ein Schwarm Regenbrachvögel (1978) über einen sich in der Krise befindlichen Biologen avancierte schnell zu einem der populärsten Bücher des Autors in den Niederlanden. In den 1980er Jahren betätigte sich Hart auch als Moderator einer TV-Büchersendung sowie als Kolumnist. Mit seinem Lieblingskomponisten Johann Sebastian Bach (1685-1750) setzte sich der Autor in dem biografischen Werk Bach und ich (2000) auseinander; das Thema Musik verarbeitet Hart auch in seinen anderen Büchern. In sein umfangreiches erzählerisches und essayistisches Werk lässt Hart sein akademisches Wissen einfließen, indem er häufig die Zwänge menschlichen Verhaltens darstellt. Häufig verwendet der Autor die Ich-Perspektive, bedient sich einer realistischen Erzählweise und verzichtet dabei auf experimentelle literarische Formen der Moderne und Postmoderne