Es gibt wohl sehr viele Bücher, die ich als gut, sehr gut oder sogar exzellent empfinde, aber es gibt leider nur sehr wenige Bücher, bei denen sowohl Dankbarkeit als auch eine leise Melancholie zurückbleibt, wenn das Buch beendet ist. Dankbarkeit über den Tipp oder Zufall, der zur Lektüre dieses Buches geführt hat, Melancholie darüber, dass dieses Lesevergnügen vorbei ist. Das vorliegende Buch gehört in diese kleine aber feine Kategorie.
Das Buch spielt in dem kleinbürgerlichen Milieu einer holländischen Fischerstadt, beginnend Mitte der Fünfziger Jahre. Die Hauptperson ist ein Junge, hinter dessen Rücken ein Mord geschieht. Aufgrund der Tatsache, dass er meint, als einziger den Mörder gesehen zu haben, hat er Angst, ebenfalls ermordet zu werden. Diese Angst, das Heranwachsen des Jungen, die nur langsamen Fortschritte hin zu einer Lösung des Mordfalles und seine wachsende Liebe zur Musik begleiten den Leser über das ganze Buch.
Der Roman ist klar, schnörkellos und spannend geschrieben. Der Autor gewährt einen, so denke ich, doch recht objektiven Blick in des kleinbürgerliche Milieu Hollands in der Fünfzigern und Sechzigern. Ruhig und sachlich schreibt er über deren Nöte und Freuden, über die positiven wie negativen Eigenschaften, auch über den Hass auf die deutschen Besatzer und das spürbare Misstrauen gegenüber Neuem oder Fremden (auch Personen).
Diese Ruhe und diese Sachlichkeit verbunden mit der Schönheit seiner Sprache (Kompliment auch an den Übersetzer!) machen die Klasse dieses Romans aus. Von allen Büchern, zu denen ich bislang meine Kommentare, Beiträge in diesem Forum gegeben habe, ist es das erste, welchem ich gern sechs Sterne geben würde.