Man kennt es vom Buch. Es ist wie bei einem Unfall. Es ist furchtbar. So furchtbar, dass man es kaum aushalten kann hinzusehen, dass man es kaum verdauen kann. Und doch, paradoxerweise, schafft man es nicht, seinen Blick davon abzuwenden, schafft man es nicht, sich nicht damit auseinanderzusetzen.
Geboren in der Wüste Afrikas, wächst die kleine Waris in einer Nomadenfamilie auf. Die Familie hat nicht viel; das Leben ist ein Kampf; essen Luxus. Und es kommt noch schlimmer. Das Leben in Somalia ist vom Entbehren gezeichnet. Das weiß Waris, das wird ihr anerzogen, damit ist sie aufgewachsen. Aber trotzdem konnte sie mit ihrem Schicksal nicht rechnen, das sie mit so vielen anderen Frauen dieser Welt teilt. Wie jedes in Afrikas Wüste geborenes Mädchen muss Waris der Tradition zur Folge beschnitten werden. Ein Schicksal, dass nicht nur unglaublich große Risiken und Schmerzen birgt, sondern über das gesamte Leben einer jeden Frau einen Schatten wirft und alles verändert.
Es spielt keine Rolle, ob Mann oder Frau; hat man das Buch gelesen, so hat man Angst in den Film zu gehen.
Sherry Hormann allerdings hat es verstanden Waris Geschichte einfühlsam auf die Kinoleinwand zu übertragen, an den wichtigen Stellen aber doch zu Kürzen ohne dabei die Ernsthaftigkeit und unglaubliche Tragik einer Biographie zu rauben, die einem jeden Kinobesucher für einige Sekunden den Atem raubt.
Charmant und eindrucksvoll gibt Liya Kebede die Rolle der Waris Dirie.
Dem Zuschauer wird ein gelungener Mix aus den schönen Bildern eines zauberhaften Models, das mit den Folgen ihrer Herkunft jeden Tag aufs neue zu kämpfen hat und den schrecklichen Bildern eines somalischen Mädchens präsentiert, das sein Leben trotz ihres grausamen Schicksals meistert und sich nicht unterkriegen lässt. Hormann trifft genau die Mischung an Szenen, die es dem Kinobesucher gerade noch erlaubt, den Film in einer skurrilen Art und Weise 'schön' zu finden und sich gleichzeitig mit dem Schicksal unglaublich vieler Frauen auseinanderzusetzen.
Und das ist die eigentliche und besondere Mission dieser Verfilmung - Die Verbreitung dieses tragischen Ereignisses. Das Bekanntmachen eines Schicksals, das zwischen 100 und 140 Millionen Frauen ihr eigen nennen müssen und das trotz dieser unglaublichen Anzahl tot geschwiegen wird, das immer noch ein Tabu-Thema ist.
Ein Film, den es sich mit dem dafür definitiv nötigen Hintergrundwissen der Bücher, aus denen doch relativ viele, wenn auch gut ausgewählte, Abschnitte weggekürzt wurden, unbedingt anzuschauen gilt. Schon allein aus Respekt vor der Geschichte der tapferen Waris Dirie.