Carver war mir erstmals aufgefallen, weil er die Geschichten geliefert hat, die in Short Cuts" von Robert Altmann miteinander verwoben wurden. Weil ich das bis heute für einen der gelungensten Filme überhaupt halte, wollte ich den Stichwortgeber Carver kennen lernen.
In diesen Geschichten begegnen uns die Amerikaner und Amerikanerinnen, für die sich die USA nicht als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten erwiesen haben. Carver bringt sie uns näher, indem er uns in aller Kürze einen intensiven Moment in ihrem Alltag miterleben lässt, der sie eingesperrt zeigt, in ihre kleine Welt. Dabei sind seine Protagonisten kaum je aus den offensichtlich benachteiligten Gruppen. Um so schärfer trifft es uns. Es sind Leute mit kleinen Jobs, kleinem Besitz, kleiner Reichweite, kleinen Liebschaften, kleinen Interessen, kleinen Geschichten. Normale Leute eben. Normale Leute?
Die Geschichten werden oft in Dialogen weiter getrieben. Sie erhalten dadurch einen Protokollcharakter: So reden sie, diese Leute, das ist ihre Konversation.
Carver zeigt uns Schattenseiten einer erfolgreichen Nation und oft weisen die Geschichten inexplizit über sich hinaus, auf soziologische oder politische Gegebenheiten, die den Akteuren indessen nicht bewusst sind.
Und Carver fragt uns, auch inexplizit: Ist ihr Leben glorioser, reicher, interessanter, ist ihre Geschichte grösser? Was ist normal? So holt er uns hinein!
Ein grosser Autor, dieser Carver, ein grosser Künstler mit einer ganz eigenen Kunst.