Zwei Hinweise vorweg. Erstens: Dieses Buch ist unbequem. Wer nicht bereit ist, über sich und den eigenen Lebensstil nachzudenken ' und dies durchaus kritisch ', der sollte sich die Lektüre gut überlegen. Schon in der Einleitung macht Faix deutlich: Gerade mit Schwachpunkten im Leben von Christen wird hier nicht zimperlich umgegangen. "In diesem Buch soll zum Nachdenken angeregt, sollen Impulse gegeben und auch mal kritisch nachgefragt werden" (12).
Zweitens: Wer einfache Lösungen für schwierige Probleme erwartet, ist mit dem Werk genauso falsch beraten. Auch dies stellt Faix gleich zu Beginn klar: "Es geht nicht um schnelle Antwortwen, sondern um ein Ringen auf allen Ebenen" (10) und: "Wer [...] schnelle Antworten und platte Wahrheiten erwartet, der wird mit Sicherheit enttäuscht werden" (12).
Es werden zwar viele Problemfelder angesprochen, doch mit Lösungen hält sich Faix meist zurück. Das Buch regt oft "nur" zum Nachdenken an, um selbst herauszufinden, wie an den Schwachpunkten des eigenen Christenlebens gearbeitet werden kann.
Die einzelnen Kapitel des Buches beziehensich in der Regel auf drei Themen: das persönliche Glaubensleben (z.B. 15ff.), das Leben innerhalb der christlichen Gemeinschaft (z.B. 18ff .) und die Verantwortung der Christen für die Gesellschaft (z.B. 27f.).
Der Verfasser greift in oft steilen Thesen wichtige Grundsätze des Glaubenslebens vieler Christen an, so z.B., wenn er schreibt: "Nachfolge lässt sich nicht reduzieren auf Stille Zeit (wir fi nden keine Bibelstelle, dass Nachfolge sich darüber definiert, wie oft und regelmäßig und intensiv du Bibel liest oder sogar betest)" (10). Es geht dem Verfasser also darum, wie sich das erneuerte Herz auf den Blutkreislauf auswirkt (um es in der Sprache Helmut Thielickes zu formulieren). Christsein bedeutet nicht nur eine Veränderung des Aufenthaltsortes nach dem Tode, sondern sollte auch im irdischen Leben Veränderungen nach sich ziehen.
Das Problem ist ' wie so oft bei radikalen Thesen ', dass das Buch schnell einseitig wirkt. Wenn Faix z.B. schreibt: "Jesus folgen hat erstmal nichts zu tun mit Heiligung oder Jesus ähnlicher werden oder gar so werden wie Jesus" (10), so ist mit Blick auf Röm 8,29 oder 1 Thess 4,3 ein dickes Fragezeichen dahinter zu setzen, ob man das so tatsächlich formulieren kann. Auch der Satz "Nicht das Wissen um die Worte Gott es, sondern das Tun nährt unsere Beziehung zu unserem Herrn" (51) ist sehr einseitig formuliert, als könne man das eine gegen das andere ausspielen. Wie wichtig für Faix selbst das Wissen um die Worte Gott es ist, erkennt man leicht daran, dass er immer wieder aus der Schrift zitiert.
Auch in Bezug auf die christliche Gemeinde fordert Faix ein Umdenken. Jugendliche erreiche man nicht durch eine richtige Dogmatik, sondern in erster Linie durch Beziehungsarbeit (19). Und während man über neue Konzepte diskutiere und sich darüber streite, würde das Gebet vielfach vergessen (60ff.). Dass so wenige Menschen bei uns zum Glauben kommen, dafür ließen sich schnell geistliche Gründe finden wie "Es ist ja schließlich Endzeit" (62), aber Faix fragt, ob es nicht auch daran liegen kann, dass wir "es uns in unseren Hauskreisen schön warm und bequem eingerichtet" haben (62). Er gibt zu bedenken: "Wir schimpfen über die Medien, weil sie die Christen schlecht behandeln, aber warum sollten sie Gutes berichten?" (55).
Faix sieht die Christen in der Pflicht der Verantwortung für die Welt. Er schreibt z.B.: "Wenn 5,6 Millionen Kinder (Vereinte Nationen 2007) jedes Jahr an Hunger und Unterernährung sterben, bevor sie fünf Jahre alt geworden sind, ist das weder Wille Gott es, noch kann und darf es uns Christen egal sein" (68). Dann kommt Faix auf den Auftrag Gott es zu sprechen, wobei er aber auch realistisch sieht, dass es nicht möglich ist, "die Welt in ihren ursprünglichen, paradiesischen Ursprung zurückzuführen" (69). Hinter den Beiträgen des Buches steht also kein falscher Idealismus, sondern der Wunsch, den Auftrag Gott es in der Welt und für die Welt zu realisieren.
Dabei geht es dem Verfasser nicht darum, als Besserwisser aufzutreten und von oben herab Andere zu verurteilen. Vielmehr schildert er immer wieder auch sehr persönliche Erlebnisse, bei denen er selbst korrigiert wurde und dazugelernt hat (z.B. 60ff.).
Sehr einladend sind die sehr übersichtlichen Kapitelgrößen (zumeist zwei bis drei Seiten). So ist ein Kapitel schnell gelesen, aber man hat trotz der wenigen Seiten oft gute Impulse zum Nachdenken bekommen. Das Buch ist daher weder dazu geeignet, dass man es schnell überfliegt, noch dass man es einmal gelesen in den Schrank zurückstellt und dort verstauben lässt. Es ist vielmehr ein Buch, über das in kleinen Happen nachgedacht werden will und das man immer wieder zur Korrektur des eigenen Lebens heranziehen sollte. Da die Kapitel alle in sich abgeschlossen sind und nicht aufeinander aufbauen, und das Buch auch sonst keinen roten Faden erkennen lässt, kann man willkürlich je nach Interesse und Bedarf einzelne Kapitel herausgreifen und bearbeiten.
Das verwendete Vokabular scheint sich primär an die jüngere Generation zu wenden. Faix' Buch kann daher sicherlich gut als Impulsgeber für Jugendkreise und junge Erwachsene benutzt werden.
Man kann Faix sicherlich vorwerfen, er lege zwar viele Schwachpunkte offen, gebe aber wenig konkrete Hilfestellung, wie diese zu beheben seien. Dieser scheinbare Nachteil kann aber zum Vorteil gewendet werden, denn gerade dies ermutigt zur Mündigkeit des Lesers. Der Leser ist selber dafür verantwortlich, dass er sein Leben überdenkt und auch verändert ' und sollte es sich nicht ändern, dann kann nicht der Verfasser dafür verantwortlich gemacht werden, er hätt e womöglich die falschen Ratschläge erteilt.
Da sich meine Erfahrung mit Christen (und auch mit meinem eigenen Christsein!) mit dem deckt, was Faix anspricht, lautet mein Gesamturteil: absolut lesenswert. Man sollte sich allerdings bewusst sein, dass das Buch aufrütteln will und daher oft radikal formuliert ist, wodurch eine gewisse Einseitigkeit nicht ausbleibt.
Dirk Fuisting
ichthys 25 (2009), 2009|1, 94f