Pierre Franckh schreibt eingängig und leicht verständlich. Und wie zahlreiche Geschichten seiner Leser belegen, scheint seine Methode des Wünschens tatsächlich nicht nur bei ihm und seiner Frau Michaela zu funktionieren, sondern universell erfolgreich anwendbar zu sein. Die Frage lautet aber: Warum? Geschehen all diese Wunscherfüllungen wirklich aufgrund der von Herrn Franckh beschriebenen Techniken? Nachdem ich nach "Erfolgreich wünschen" jetzt auch "Wünsch es Dir einfach" gelesen habe, hege ich daran Zweifel, denn mir sind einige Widersprüche aufgefallen. Schreibt er in "Erfolgreich wünschen" unter der Rubrik "Vergessen": "...wir denken nicht mehr darüber nach, wir vergessen es (den Wunsch) einfach. Das Vergessen hat mehrere Vorteile. Zum einen vergessen wir dann auch zu zweifeln und damit die ganze Bestellung wieder rückgängig zu machen. Zum anderen beweisen wir damit, wie sehr wir vertrauen, denn wir sind so sicher, dass das Gewünschte in unser Leben treten wird, dass wir uns nicht mehr damit beschäftigen." Im Gegensatz dazu empfiehlt er in "Wünsch es Dir einfach" Affirmationen zur Wunscherfüllung, die man "stetig wiederholen soll", mit der Begründung "Deine Wünsche werden durch das ständige Wiederholen von Affirmationen sehr kraftvoll und stark." Ja, was denn nun? Den Wunsch vergessen oder ständig wiederholen? Gegensätzlicher geht es nicht mehr.
Franckh zieht sich aus der Affäre, indem er seinen Lesern rät, die Wunscherfüllungsmethode anzuwenden, die sich für sie am besten anfühlt. Das legt aber die Vermutung nahe, dass es auf die Methode überhaupt nicht ankommt, sondern allein auf den festen Glauben und das Vertrauen in die Wunscherfüllung. So gesehen kann man auch beten und seinen Wunsch Gott und den Heiligen vortragen, ein Stück Papier in die Klagemauer legen oder Wunschzettel in Bäume hängen. All dies hat Gläubigen verschiedener Religionen auch schon Wunscherfüllungen bzw. Gebetserhöhrungen beschert.
Ganz unglaubwürdig wird Herr Franckh, als er berichtet, wie seine Frau den Geburtstermin ihres Kindes bestimmte. Michaela wollte unbedingt einen "Widder" und keinen "Fisch", weshalb sie ständig die Affirmation "Kein Fisch, alles, bloß kein Fisch" wiederholte. Laut seinem ersten Buch "Erfolgreich wünschen", ist diese Art von Affirmation aber das kontraproduktivste, was man machen kann, um einen Wunsch erfüllt zu bekommen. Erklärt er doch im Kapitel:"'Nicht' und 'kein' oder die Sache mit der Angst": "Alles, was wir vermeiden wollen, ziehen wir in unser Leben.Das Universum kennt aber die Worte 'nicht' und 'kein' nicht. Mit der Verneinung kann es nichts anfangen. Ebenso wenig mit dem Versuch etwas vermeiden zu wollen, also etwas nicht zu tun. Solch ein Wunsch wird fast immer vollkommen gegensätzlich zu unserem wirklichen Wunsch ausgeführt. Das Universum filtert nämlich die Worte 'kein' und 'nicht'einfach aus dem Bestellformular heraus und führt es so aus, als würden wir uns genau dies so wünschen." Nach Herrn Franckhs eigenen Ausführungen hätte das Kind bei dieser Wunschformulierung mit nahezu hundertprozentiger Sicherheit ein 'Fisch' werden müssen.
Fazit: Pierre Franckhs "Wünsch es dir einfach - aber richtig" ist unterhaltsam und nett zu lesen. Wenn Sie einen Wunsch erfüllt haben möchten, können Sie es mit den Methoden Herrn Franckhs versuchen oder mit vollkommen gegensätzlichen, denn das ist offensichtlich gehupft wie gesprungen. Nur bitte, falls Sie in ernsthaften Schwierigkeiten stecken, setzen Sie nicht ihre einzige Hoffnung auf diese Art von Wunscherfüllung. Wenn Sie verschuldet sind, scheuen Sie nicht den Weg zur Schuldnerberatung, auch für die meisten anderen Probleme im Leben gibt es kompetente Berater in verschiedenen staatlichen oder kirchlichen Beratungsstellen. Werden Sie aktiv, anstatt sich allein auf das Wünschen zu verlassen - nach welcher Methode auch immer.