Der Klappentext behauptet, die Vokabeln seien "aus jahrzehntelanger journalistischer und verlegerischer Praxis geschöpft" - das muss eine merkwürdige Praxis sein, in der das "Adlerpult" (liturgisches Lesepult mit Johannesadler) und die "Onomastik" (Namensforschung) zum täglichen Gebrauchswortschatz gehören, nicht aber das "Blog" oder "Print on demand".
Seltsamerweise fehlen selbst gängige Abteilungen und Abläufe im Verlag. Unter den Stichwörtern "Herstellung", "Kalkulation", "Produktion", "Druckvorstufe", "Vertreter", "Vertreterkonferenz" findet man - nichts.
Drin sind seltsamerweise der "Kairos" ("günstiger Augenblick, Chance, die man ergreifen muss und die oft unerkannt vorübergeht") und sogar zweimal der "Index librorum prohibitorum" (seit 1966 nicht mehr geführte Liste verbotener Bücher), aber nicht die Stichwörter "Pantone", "PostScript" oder "CMYK".
Drin ist der "Browser" ("engl. Stöberer, Programm zum Bewegen in einem Datennetz"), aber nicht in jedem Verlag verwendete Software wie Adobe InDesign oder QuarkXpress. Und was hilft einem die Erklärung, "XML" sei, so die vollständige Erläuterung, eine "erweiterbare Auszeichnungssprache zur Erstellung von Dokumenten im WWW"? Das ist nicht korrekt (XML ist nicht auf Dokumente und nicht aufs Internet beschränkt), unvollständig und damit nicht sehr hilfreich.
Der "Macintosh", so erfahren wir, sei ein "besonders grafikfähiger Computer des Herstellers Apple". Ach was. "Apple" wiederum sei ein "Hersteller von ausgeprägt grafikfähigen Computern, z.B. dem Macintosh". Zu diesen Nullinformationen bekommt der Leser keine weiteren Hinweise, nicht einmal die klitzekleinen Andeutung, dass der Mac im DTP-Wesen das Standardsystem ist.
Das Lexikon mag ein netter, wenn auch dünnleibiger Schmöker für Nicht-Fachleute sein, aber für den Alltag im Verlag ist es unbrauchbar. Wer mit Bleisatz oder antiquarischen Büchern zu tun hat, mag hier das eine oder andere interessante Stichwort finden, wird aber im Großen und Ganzen ebenfalls enttäuscht.
Dieses Wörterbuch gehört nicht immer wieder überarbeitet, sondern komplett neu geschrieben, und zwar mit einem Vokabular, das aus der heutigen Verlagspraxis schöpft, wenn es neben leicht verfügbaren Informationsquellen wie Wikipedia als Handbuch auf dem Schreibtisch bestehen will.