Schon "Die Geschichte vom alten Kind" und "Tand" fand ich wunderbar. Jenny Erpenbeck ist eine der wenigen zeitgenössischen AutorInnen, die wirklich mit der Sprache arbeiten. Sie kommt immer wieder zu überraschenden Bildern und ist dabei nie kitschig oder überladen, sondern poetisch, spröde und sehr eigen. Einen Stern Abzug gebe ich, weil ich es nicht wirklich gelungen fand, wenn immer wieder Sätze wiederholt und abgebrochen werden. Ob das an die Agrammtik eines inneren Monologs anknpüfen soll: keine Ahnung. Auch hat mich irritiert, dass ich nie wusste, von welchem Land eigentlich die Rede ist. Irgendeine Diktatur in heißem Klima? Aber wie passt dann das christliche dazu? Mindestens zehn Sterne hätte sie dagegen für die wundervolle Passage auf S. 91 (Hardcover) verdient, in der sie die Straßengeräusche, die ins Haus schwappen mit einem Strom voller Fischlaiber vergleicht. Auch gut gefallen haben mir die Besuche der Geister, der Verschwundenen und Verschollenen und die vielen Ausreden, die sich die Kinder für das Verschwinden der Menschen ausdenken. Insgesamt ein typisches Erpenbeck-Buch, im Entwurf kleiner als die "Geschichte vom alten Kind", aber immer noch ein Lesegenuß. Achja: Diese Autorin mit Vertreterinnen des "Fräuleinwunders" gleichzusetzen ist asbolut lächerlich. Hier ist eine, die kann schreiben und die hat etwas zu sagen. Das ist der Unterschied.