Rezension : Wörterbuch der Analytischen Psychologie
Endlich. Das Wörterbuch der Analytischen Psychologie - initiiert, betreut und herausgegeben von Anette und Lutz Müller - ist fertig und liegt allen an der jungschen Psychologie Interessierten als das bisher umfangreichste und bestes Wörterbuch im Bereich der Analytischen Psychologie vor. Es ist ein Wörterbuch, das den Namen Wörterbuch zu recht trägt: in 54o Stichworten werden Theorie und Praxis der Analytischen Psychologie umfassend und präzise dargestellt.
65 Autoren haben an diesem Wörterbuch mitgearbeitet - und ganz offensichtlich hat diese positive Konkurrenz unter den jungschen Kolleginnen und Kollegen dem Wörterbuch sehr gut getan und dazu geführt, daß insgesamt sehr qualitätsvolle, dichte Artikel entstanden sind, die die ganze Bandbreite und Tiefe des heutigen analytisch-psychologischen Denkens widerspiegeln. Dabei gelingt es den meisten AutorInnen auch, die Offenheit und Unabgeschlossenheit der jungschen Psychologie in die Definitionen und Beschreibungen miteinfließen zu lasssen. Nirgends hatte ich das Gefühl, daß da eherne Sätze in Stein gemeißelt werden. Auch wenn es ein Wörterbuch ist, müssen deshalb ja nicht Ewigkeitsaussagen getroffen werden - die AutorInnen sind dieser Versuchung, die beim Abfassen eines Wörterbuchartikels ja leicht aufkommen kann, Gottseidank auch nicht erlegen.
Ich finde an diesem Wörterbuch besonders spannend und auch überraschend, wie ich mich beim Lesen eines Artikels durch die dortigen Querverweise immer wieder dazu verleiten ließ, weiter zu lesen, den nächsten Artikel zu lesen, in der Bibliografie nachzuschauen und so zu eigenen Überlegungen angeregt wurde. Der Anspruch dieses Wörterbuches, die Analytische Psychologie im wissenschaftlichen und zeitgenössischem Kontext darzustellen, wird dabei für mich als einem Leser, der selbst als Lehrender viele theoretische und methodische Überlegungen kennt, erlebbar ud zu einer Anregung für die eigenen Ideen und Konzepte.
Die Herausgeber hoffen im Vorwort, „dass das vorliegende Wörterbuch nicht nur den Anhängern der Psychologie Jungs, sondern auch allen vorsichtig und skeptisch Interessierten eine erste Annäherung, einen spannenden Einblick und eine fundierte Übersicht über das komplexe Werk Jungs und seine modernen Auslegungen und Weiterentwicklungen zu vermitteln vermag". Diese Hoffnung, glaube ich, wird nicht enttäuscht werden. Das Wörterbuch wird sicherlich vielen an der Jungschen Psychologie Interessierten als ein wertvolles und sehr brauchbares Arbeitsinstrument nützlich sein.