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Die heutige Forschung geht von völlig anderen Voraussetzungen aus. Im Einzelfall mag es solch tief greifende Wurzeln geben. Vorrangiges Ziel der heutigen Wissenschaft ist es aber, die Fragen nach Alter, Herkommen, Überlieferung und Verbreitung des Aberglaubens zu beantworten. Im Vordergrund steht dabei die Klärung von Sachverhalten wie beispielsweise: Wer praktizierte den Aberglauben und wozu? Ähnlich eines Privatdetektivs setzt er Puzzlestück für Puzzlestück zusammen, um der Lösung näher zu kommen. Interdisziplinär verknüpft er dabei Erkenntnisse der Geschichts-, Sprach-, Volks- und Religionsforschung um seinem Ziel näher zu kommen.
Nicht nur für Akademiker
Dieter Harmening hat jetzt bei Reclam das „Wörterbuch des Aberglaubens“ veröffentlicht. Dieses Werk, nicht zu verwechseln mit dem „Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens“ aus den 40-er Jahren, verschafft uns einen fundierten und mit zahlreichen Quellentexten versehenen Überblick über den heutigen Stand der Wissenschaft.
Die Quellen zu den Zitaten werden im Artikel zum jeweiligen Begriff aufgeführt. Des Weiteren findet man am Ende des Wörterbuches ein über 40-seitiges Literaturverzeichnis.
Obwohl es sich hier um eine wissenschaftliche Arbeit handelt, ist der Stil der Artikel alles andere als verstaubt-akademisch. Dies gelingt zum einen durch die zahlreichen Querverweise innerhalb des Textes. Aber der Autor hat auch großen Wert auf die Verständlichkeit der Erläuterungen gelegt, so dass es auch für einen Laien problemlos möglich ist, seinen Nutzen aus dem handlichen „Wörterbuch des Aberglaubens“ zu ziehen. Dies alles zusammen genommen macht das vorliegende Nachschlagewerk unverzichtbar für jeden Redakteur, Journalisten und Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen.
Tolkien und C.S. Lewis lassen grüßen
Doch ganz besonderes Vergnügen werden Fans von Fantasy-Büchern und –Filmen aus diesem Buch ziehen. Endlich kann man sich viele der Fragen selber beantworten, die sich häufig beim Lesen eines Fantasy-Romans ergeben. Beispielsweise gibt es das Wort „Hexer“ ursprünglich gar nicht. Die korrekte Form ist „Hexenmeister“ oder „Hexerich“. Sie glauben mir nicht? Lesen sie „Vom außgelasnen Wütigen Teuffelsheer“ aus dem Jahre 1591, geschrieben von Johann Fischart. Oder alternativ dazu „Wörterbuch des Aberglaubens“. Glaubten auch Sie, dass der Freitag ein Unglückstag sei wegen dem berühmt-berüchtigten „Freitag dem 13.“? Auch dieser Aberglaube wird revidiert: Weil Jesus am Karfreitag gekreuzigt wurde, gilt dieser Tag schon den Anfängen des Christentums als negativ vorbelastet. Und woher kommen überhaupt die Namen der Tage?
Wie sie allein anhand dieser wenigen Auszüge erkennen können, birgt das „Wörterbuch des Aberglaubens“ einen unglaublichen Fundus an Richtigstellungen. Häufig werden in Büchern Presse, Rundfunk und Fernsehen falsche Zitate oder Begrifflichkeiten im Zusammenhang mit Aberglauben verwandt. Bisher war es für den interessierten Laien sehr schwierig, diese Aussagen zu überprüfen. Diese Lücke wird jetzt durch das „Wörterbuch des Aberglaubens“ geschlossen.
(C) Wolfgang Haan
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