Wie facettenreich die Sprache ist, zeigt sich in diesem Buch. Sprache allgemein besitzt eine Macht, welcher wir uns heute nicht mehr bewusst sind. Ganz zu schweigen von den vielen Aufgaben, die die Sprache für uns übernimmt.
Entgegen der landläufigen Meinung, unsere Sprache sei in erster Linie ein Informationsvehikel, zeigt Wolf Schneider auf, wie falsch wir mit dieser Annahme liegen. Es ist eben nicht der Informationsaustausch, für welchen wir hauptsächlich unsere Stimme erheben. Viel mehr benutzen wir sie, um neben gänzlich uninformativem Geplapper, mit welchem wir eine stumm-schweigende Situation ihrer Anspannung berauben, Dinge beschwören, den Menschen Trost spenden, oder sie gar als Aggressor einzusetzen wissen.
Der Autor zeigt, wie wir die Sprache nicht nur dazu einsetzten, um zu sagen was ist; sondern sie eben auch gerade dafür da ist, um zu sagen, was nicht ist, wir aber gerne hätten.
Dabei zeigt Wolf Schneider, wie sich die Sprache im Zeitablauf entwickelt hat und wie sie heute auch gekonnt von der Werbung, Politikern, aber auch von uns - im wahrsten Sinne des Wortes - "benutzt" wird.
Ein Buch, geeignet für alle, die sich für Sprache interessieren und einmal hinter das Vorurteil der starren, rein informierenden Eigenschaft blicken wollen. Es ist eine faszinierende Dokumentation über den Stellenwert eines Mediums, dessen Vielseitigkeit und Kraft heute kaum noch bekannt ist.
Einzig störender Punkt ist hier, dass Wolf Schneider oft andere Autoren direkt zu Wort kommen lässt, welche es eben nicht wie Schneider verstehen, einen Satz gut lesbar zu konstruieren. Dies hemmt teilweise die Leseflüssigkeit, kann aber angesichts der Klasse der Thematik, vergeben werden.