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Die Wörter. Autobiographische Schriften.
 
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Die Wörter. Autobiographische Schriften. [Taschenbuch]

Jean-Paul Sartre , Hans Mayer
3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 176 Seiten
  • Verlag: rororo; Auflage: 37 (1. Januar 1968)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499110008
  • ISBN-13: 978-3499110009
  • Größe und/oder Gewicht: 19,2 x 11,6 x 1,5 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 121.911 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Die Wörter
OT Les Mots OA 1964 DE 1965Form Autobiografie Epoche Moderne
In Die Wörter untersucht Jean-Paul Sartre seine eigene Biografie anhand einer analytischen Untersuchungsmethode um herauszufinden, woher sein von ihm selbst als neurotisch bezeichneter Schreibdrang kommt. Sartre ersetzt dabei das chronologische Prinzip der Autobiografie durch ein inhaltliches, das sich aus seiner dialektischen Anthropologie ergibt.
Entstehung: Die erste Fassung entstand 1954 unter dem Titel Jean sans terre. Nach einer Überarbeitung veröffentlichte der Autor den Text 1963 in zwei Teilen in der führenden Zeitschrift des Existenzialismus, Les Temps modernes, die er mit Simone de R Beauvoir 1945 gegründet hatte. Für die Buchfassung des Werks 1964 sollte Sartre den Literaturnobelpreis erhalten, den er jedoch ablehnte.
Inhalt: Sartre beginnt seine Autobiografie mit der Geschichte seiner Urgroßeltern, Großeltern und Eltern. Er wurde als Kind der 22-jährigen Anne-Marie und des 29-jährigen Jean-Baptiste Sartre geboren. Der Vater starb, als er neun Monate alt war. Die Mutter suchte auch aus finanziellen Gründen Zuflucht im Haus ihrer Eltern, von denen ständige Autorität ausging. Jean-Paul, genannt Poulou, lernte in der Bibliothek des Großvaters die Welt der Bücher kennen. Er verschlang buchstäblich alles, dessen er habhaft werden konnte. Bald begann Sartre selbst zu schreiben – ein Vorgang, der für ihn immer bestimmender und zu einer Art Ersatzreligion wurde.
Die Schilderung der Kindheit endet mit dem Jahr 1917. Sartres Autobiografie setzt erst wieder mit Überlegungen zu Der Ekel (1938) ein und endet mit Reflexionen der Situation des Schriftstellers und der Literatur 1963.
Struktur: Das Buch besteht aus zwei Teilen, der erste bezieht sich auf die Phase des Lesens, der zweite auf die des Schreibens. In die Beschreibung der Kindheit aus Sicht des Kindes Poulou lässt Sartre immer wieder Kommentare des Erwachsenen einfließen. So ist der Text eher eine distanzierte Selbstanalyse als eine Autobiografie im herkömmlichen Sinn. Die häufige Behauptung von Sartre, sich selbst erschaffen zu haben, führten Interpreten auf seine zwanghafte Ablehnung der Eltern zurück. Sie gehen davon aus, dass dies mit Sartres Wunsch begründet ist, die psychologische Perspektive durch eine anthropologische zu ersetzen.
Wirkung: Bei der Rezeption der Autobiografie konzentrierten sich die Leser zunächst auf die Enthüllung biografischer Einzelheiten. Zunehmend erkannte man jedoch die Bemühung Sartres um die Erneuerung der Anthropologie. Literaturwissenschaftler betrachten Die Wörter deswegen und auf Grund des kunstvollen Stils – Sartres Ziel war es, in jedem Satz ein bis zwei Andeutungen, eine Anspielung oder ein Wortspiel zu verstecken – als einen der bedeutendsten Texte des Autors. Die Selbstanalyse Sartres trug zur Erneuerung des Genres der Autobiografie im 20. Jahrhundert bei. M. S. S.

Kurzbeschreibung

Der weltberühmte Schriftsteller und Philosoph erzählt hier mit der Ironie eines Mannes, der alle Lügen seines Zeitalters und alle Illusionen, auch die eigenen, durchschaut hat, die Geschichte seiner Jugend. Eine faszinierende Studie über die kindliche Psyche, ein brillant geschriebenes Selbstbekenntnis, das die Tradition der großen französischen Moralisten für unsere Zeit erneuert.

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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Eindrucksvoll ! 4. Juni 2001
Von Ara-mae
Format:Gebundene Ausgabe
Sartre beschreibt hier ungeschminkt und sehr eindrucksvoll seine schon früh entstandene, enge Beziehung zum geschriebenen Wort. Betroffen von der Nichtigkeit seiner eigenen Existenz sucht er Zuflucht in der Welt der Bücher. Diese andere Welt wird für ihn zur "wahren" Welt, zur "wahren" Daseinsform und die Schriftstellerei zu seinem einzigen Mittel, wirklich zu existieren.

Fast beiläufig erzählt Sartre viele kleine Alltäglichkeiten aus der Sicht eines Kindes, welches sich mehr Gedanken macht, als die meisten Erwachsenen. Oder sie reden nicht darüber. Ich jedenfalls habe mich an mancher Stelle wiedergefunden und habe das Buch trotz seiner manchmal anspruchsvollen Ausdrucksform nahezu verschlungen.

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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Rolf Dobelli HALL OF FAME REZENSENT TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Als Jean-Paul Sartres Kindheitserinnerungen mit dem viel sagenden Titel "Die Wörter" 1964 in Buchform erschienen, war ihr Verfasser bereits eine lebende Legende: Als Intellektueller der Nachkriegszeit, Philosoph und Schriftsteller war Sartre etabliert. Sein Lebenszweck war also streng genommen erreicht, wenn man seine Erinnerungen für bare Münze nehmen will. Er berichtet von seiner Kindheit als vaterloser Sohn, der zwischen seiner Mutter und seinen greisen Großeltern aufwächst. Ohne väterliches Vorbild muss er selbst sehen, wie er sich eine Identität als Junge und Mann schafft. Getreu seiner späteren existenzialistischen Philosophie erschafft er sich selbst, wählt sich eine Rolle, die er zur eigenen Verblüffung so hervorragend spielt, dass aus dem Rollenspiel Ernst wird. Die Bücher in der Bibliothek seines Großvaters ziehen ihn magisch an, er beginnt sie zu lesen, ohne lesen zu können. Später verschlingt er Groschenromane ebenso wie hohe Literatur - diesmal ohne sie zu verstehen. Nach dem Lesen kommt das Schreiben: Als "Wunderkind" beginnt er mit Geschichten und gräbt sich darin ein, während andere Kinder draußen spielen. Sartres Selbstanalyse ist scharfsinnig und auch sehr witzig. Für Sartre-Fans ein Muss, für alle anderen mindestens empfehlenswert.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von kpoac TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
War es nicht Immanuel Kant, der Faulheit und Feigheit ausmachte als Mächte gegen die Aufklärung? War nicht Aufklärung der besondere Impetus dafür, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen und sollte er nicht eingesetzt werden, um aus der Falle der selbst verschuldeten Unmündigkeit zu entkommen? Sind nicht sogar Lesen und Schreiben jene Tugenden, die jedem Menschen gereichen, sich höhere Bildung anzueignen? Für Sartre gelten diese sicher rhetorischen Fragen als notwendig und stehen als Grundfeste für die zwei Teile in dieser Schrift.

Denn genau diese beiden Bildungstugenden sind es, die Jean-Paul Sartre (1905-1980) sich in seiner Autobiographie widmet. Diese zwei Teile seiner Schrift sind betitelt mit "Lesen" und "Schreiben". Wie deutlich wird es im ersten Teil, dass der von einer Vaterfigur losgelöste junge Mensch sich entwickelt in der Liebe der Mutter und der Zuneigung des Großvaters, der wiederum seine Bibliothek dem heranwachsenden Poulou (wie Jean-Paul zärtlich genannt wurde) als "Tempel" bereitstellte, so dass Lesen und Literatur zur "Religion" des jungen Sartre werden konnte. Am Anfang waren die Wörter, könnte man sagen.

Ihm liegt es am Herzen, aus der Sicht eines erfolgreichen Erwachsenen im Jahre 1963 diesen Rückblick zu schreiben, der voller Anteilnahme sich selbst gegenüber auf der einen Seite ist, aber gleichzeitig die Gefahr einer Selbstüberhöhung auf der anderen Seite nicht überwinden kann. "Ich habe mein Leben begonnen, wie ich es zweifellos beenden werde: inmitten von Büchern", schreibt er bemüht, all die großen und kleinen Werke für die Erinnerung aufzufrischen und stellt auch fest, lieber Krimis zu lesen als Wittgenstein. Seine Unterhaltung mit den Erwachsenen erinnert er als vorgetäuschte "Grazie, die auf der Stelle verwelkte; überall schleppte ich [...] meine müßige Wichtigtuerei mit mir herum". "Ich war ein Waisenkind ohne Vater. Da ich niemandes Sohn war, wurde ich meine eigene Ursache, ein äußerste Fall von Stolz und Elend" schreibt er und stellt eben fest, dass seine Existenz, vom "Trauermarsch von Chopin" begleitet, im Hineingeworfenwerden ins Leben, im auf sich selbst zurückgeworfenen Menschen entstand, um aus dem Lesen die zweite Phase des Schreibens zu beginnen. So wie das Lesen großer Literatur eine Art von Lebensrettung darstellt für den kleinen Sartre, vermag der große nun selbst Lebensretter zu werden, zumindest dort, wo er von engagierter Literatur spricht, die in der Aneignung von Welt beginnt und in der Benennung zugleich Schöpfung ist. Diese findet man erklärt in seinem Essay über Literatur (Was ist Literatur?).

In seiner Philosophie des Existentialismus wird die Unterscheidung von Existenz und Essenz bedeutend wie die berühmte und berüchtigte Verurteilung zur Freiheit, die im "Das Sein und das Nichts" eine große Aufbereitung fand. Ihm liegt es am Herzen, gelebte, weil vorgestellte Philosophie zu vermitteln und die großen Dramen wie "Geschlossene Gesellschaft" oder "Das Spiel ist aus" sind von dieser Dringlichkeit, die dem Menschen das Leben, die Existenz und die Chancen in der möglichen Freiheit näher bringen. Für Sartre ist das Leben, die Existenz immer ein Prozess von Erkenntnisgewinn, im Schreiben erwächst seine Existenz, er formt sich selbst aus sich selbst. Vielleicht ist heute mehr denn je diese Auseinandersetzung zusätzlich zur Welt des reinen Selbstbezugs notwendig, um sein Potential für die zukünftigen Anforderungen des Lebens nicht versteckt zu halten und sein Glück zu machen über Verbundenheit und Nähe, aber auch über Autonomie und Freiheit.

Diese Autobiographie ist eine, die Sartres Denken deutlich macht; er vermittelt die Wichtigkeiten der Beziehungen und kommt von einer rein familiär psychologischen Sicht auf eine übertragene hin zum Menschsein an sich. Für diesen sicher sehr anthropologischen Wechsel, für die Klarheit der (Selbst-)Reflexion und für die literarische Neugestaltung des autobiographischen Essays verdiente er sich den Nobelpreis, den er jedoch ablehnte. Diese lesenswerte Schrift erschien 1964 erstmalig, die Besprechung ist aus der 39. Auflage und soll eine Empfehlung sein.
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