Von Frau Prof. Höhler sagt man, dass sie Erfahrungen in Top-Etagen gesammelt hat; in das Buch sind die nicht eingeflossen. Es trägt dem Unterschied zwischen Führungskräften, die den langen Selektionsprozess bis zum Top-Manager durchlaufen haben und jenen, die sich lieber führen ließen und gar nicht erst durchgestartet haben, nicht Rechnung.
In diesem Buch hat sich Gertrud Höhler Gegensätze ausgedacht, für die sie Null Evidenz vorweisen kann; sie drischt dann auf die erfundenen Gegensätze ein und macht schließlich einen Vorschlag zur Versöhnung. Nach diesem Strickmuster produziert die Frau Professor kitschige Clichés am laufenden Band. Beispiele lesen sich wie folgt: "Der Mann expansiv, high-risk gambler, von ständiger Unruhe getrieben, Unbestimmtheitssuche...Tunnelblick (S. 26). Männer beim Karrieresprung: Der Zwerg wirft den Schatten eines Riesen - und hat den Job (S. 143) Die Frau safe investor, bergend, gestreute Aufmerksamkeit...., störanfällig" (S. 26). Der Klappentext kündigt an: "Mixed Leadership heißt die befreiende Formel"; im Kapitel "Gemeinsam Siegen" (S. 278) schreibt Frau Höhler: "Nicht die Stunde der Frauen schlägt, sondern das Zeitalter des gemischten Teams wird eingeläutet. Während Männer davon träumen, sich den Weg freizuschießen, zerstreuen Frauen den Feind durch widersprüchliche Signale..." Da bricht der Kitsch vollends durch.
Zu diesem Thema hätte Frau Höhler wenigstens ein paar seriöse Seiten liefern und den Leser für die fehlende Substanz entschädigen können. Interessante Forschungsarbeiten gibt es genug zu diesem Thema. So hat der Harvard Professor R. Hackman (1994) mit Jutta Allmendinger von der Universität München untersucht, wie die Einbindung der Frauen in Symphonie Orchester funktioniert. Die Ergebnisse von 78 Orchestern in USA, Großbritannien, Ost- und Westdeutschland belegen, dass bis zu einem Frauenanteil von 34 % die Qualität der Arbeitsbeziehungen sinkt, die Arbeitszufriedenheit abnimmt und die Stabilität des Orchesters leidet. Erst ab einem Frauenanteil von über 36 % kommt es zur Trendumkehr. Diese Fakten entziehen allen Spekulationen der Art, wie sie Frau Höhler anstellt, den Boden.
Warum macht sich Frau Professor Höhler nicht die Mühe, interessante Forschungsarbeiten zu berichten, anstatt den Leser mit kitschigen Clichés abzuspeisen? Glaubt sie, dass man heute noch Managementberatung mit glamourösen Sprechblasen und Clichés betreiben kann? Oder mit miserabler Psychologie? Dieses Buch mutet an wie Medizinbücher, bevor der Blutkreislauf entdeckt wurde: Zu primitiv.