England im 19. Jahrhundert. Ein armes Waisenmädchen soll künftig bei ihrer wohlhabenden Cousine im Schloß auf dem Land leben. Ihre Ankunft dort fällt zusammen mit der Abreise von Onkel und Tante, die für längere Zeit ins Ausland gehen. Künftig sind beide Kinder den Machenschaften einer kriminellen Gouvernante und ihres Helfers ausgeliefert, die sich bemühen, das Schloß in ihren Besitz zu bringen. Doch ganz so hilflos, wie angenommen, sind die beiden Mädchen nicht . . . Was Joan Aiken scheinbar so mühelos in ihren Büchern für Erwachsene gelingt, schafft sie auch in diesem Kinderbuch spielend: sprachlich und inhaltlich mitreißend entführt sie ihre Leser in eine vergangene Welt, die einen diesmal sowohl an den Spielen der reichen Kinder teilhaben läßt (Puppenhaus und Schaukelpferd auf dem Schloß) als auch das Leben armer Kinder in Arbeitshäusern mit dickens'scher Intensität schildert. Und wer im Anschluß an dieses Buch wissen möchte, wie es mit Simon, dem Jungen aus den Wäldern, weitergeht, dem sei "Verschwörung auf Schloß Battersea" ans Herz gelegt.
Clever von der Autorin: wer mit zwölf diese beiden Bücher mag, liest mit vierzehn wahrscheinlich "Mitternacht ist ein Ort" und bald darauf, neugierig auf die "Erwachsenenbücher" Aikens geworden, die anderen. Manchmal, wie in meinem Fall, funktioniert es auch anders herum und man stellt fest: ob für junges oder älteres Publikum: Aiken schreibt ohne Qualitätsverlust. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)