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Produktinformation
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Wölfe spielt im England des Jahres 1520. Heinrich VIII. ist durch seine vom ganzen katholischen Europa abgelehnten Scheidungsabsichten stark geschwächt. Das ist der historische Hintergrund, vor dem die Gegenspieler Thomas Cromwell und Thomas Morus ihren Auftritt haben. Als Ratgeber des Königs sieht sich Cromwell am Ziel seiner ehrgeizigen Träume. Fein spinnt er ein Netz aus Intrigen und Abhängigkeiten, um seine Macht beständig auszubauen. Ihm gegenüber tritt Morus, der Autor von Utopia, der dem Papst die Treue hält und der Ehe Heinrichs mit Anne Boleyn nicht dulden will. Bei Mantel aber ist er keineswegs der Gute, der für seine Prinzipien sein Leben lassen muss, sondern entpuppt sich durchaus als zwielichtiger, da einer alten, tyrannischen Ordnung verhafteter Charakter. Und Chromwell, der vermeintlich Böse, ist nicht weniger schillernd angelegt...
Für Wölfe hat Mantel 2009 den renommierten Booker-Preis erhalten, und das aus gutem Grund. Denn ihr Buch macht nicht mehr und nicht weniger, als das Genre des historischen Romans von unten nach oben, von innen nach außen umzukrempeln. Wölfe ist keiner jener geschichtsbeladenen Romane, denen Rezensenten bestenfalls attestieren können, gut recherchiert und somit ohne größere Fehler konstruiert zu sein. Wölfe ist einer von jenen historischen Epen, die eine neue, gewagte Sicht auf die Weltgeschichte werfen und gleichzeitig mit einer derartigen epischen Wucht daherkommen, dass man jeden Satz, jedes Wort in sich aufsaugen mag. -- Isa Gerck
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
120 von 127 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kein Spaziergang, aber lohnend!,
Von
Rezension bezieht sich auf: Wölfe (Gebundene Ausgabe)
An dem vorliegenden Werk werden sich sehr wahrscheinlich die Geister scheiden. Mir hat es außergewöhnlich gut gefallen; dennoch würde ich dem typischen Leser historischer Romane gegenüber eine kleine Warnung aussprechen, die ich näher begründen darf.Wölfe handelt vom Aufstieg des Thomas Cromwell zum Schatzkanzler und Privatsekretär Heinrichs VIII. Der Buchtitel erweist sich als etwas unsubtile, reißerische Übertragung des englische Originals Wolf's Hall. Der englische Titel bezeichnet vordergründig den Stammsitz von Jane Seymour, in einem zweiten tieferen Sinn dürfte er sich aber wohl auch den Hof Heinrichs VIII beziehen. Damit liegt die deutsche Übersetzung nicht falsch, fällt nur etwas plump mit der Tür ins Haus. Da ich nur das englische Original kenne, hoffe ich, dass dies der einzige Ausrutscher dieser Art ist. Denn dieser Stil passt nicht zum vorliegenden Werk, an dem praktisch nichts plump und direkt erscheint, sondern jede historische Entwicklung durch die beeindruckenden Charaktere der Hauptakteure dargestellt und in ihnen gebrochen wird. Äußerlich behandelt das Buch die erste Hälfte der Regierungszeit Heinrichs VIII. von England, die dem Fernseh- und Kinopublikum in regelmäßigen Abständen in Erinnerung gerufen wird (vgl. die aktuelle Fernsehserie und den Kinofilm mit Natalie Portman und S. Johansson). Von diesen populären Darstellungen unterscheidet sich der vorliegenden Roman vollständig und macht es dem Leser dabei nicht leicht. Denn die Darstellung ist nicht chronologisch sondern springt zwischen den Ereignissen zeitlich hin und her. Dadurch entsteht allerdings auch eine ganz neue Art von Spannung und darstellerische Vertiefung. Gleich der Anfang liefert ein sehr beeindruckendes Beispiel: Wir erleben Cromwell wie er von seinem Vater fast zu Tode geprügelt wird und darauf den elterlichen Hof verlässt. In der nächsten Szene sehen wir ihn Jahrzehnte später von einer Reise im Auftrag Kardinal Wolseys zurückkehren. Im Rahmen dieser zweiten stimmungsvollen Szene wird erst allmählich klar, dass es sich bei einem Gesprächsteilnehmer um genau diesen Thomas Cromwell handelt. Was zwischen den beiden Ereignissen lag, was also den Charakter Cromwells geformt hat, welche Geheimnisse diese Persönlichkeit birgt, enthüllt sich vor den Augen des Lesers im Rahmen der Darstellung erst nach und nach und keineswegs vollständig. Stets macht die Verfasserin aber den Leser auf diese Geheimnisse in besonderer Weise neugierig, weil Cromwell über ganz außergewöhnliche Erfahrungen und Fähigkeiten verfügt und aus dem Milieu der bornierten Adligen und Machtpolitiker als Charakter herausragt. Als geheimnisvolle, letztlich nicht durchschaubare Persönlichkeit trägt er so den Roman über die ganze Länge. Eine weitere Besonderheit des Werkes besteht darin, dass es die bekannten Protagonisten am Hofe Heinrichs VIII. in völlig neuem Licht erscheinen lässt. In den bekannten Filmen (Ein Mann zu jeder Jahreszeit usw.) wird Thomas More stets als ein prinzipienbewusster Ehrenmann von tiefem Glauben gezeigt. Vorliegend erscheint er als sinistrer, freudloser Intellektueller und Machtpolitiker. Cromwell nimmt den Leser dagegen durch seine Menschlichkeit gefangen und man erlebt mit ihm, was es bedeutet in den politischen Machtapparat eingebunden zu sein. Praktisch alle Personen sind gegen den Strich gebürstet: Kardinal Wolsey zeigt Menschlichkeit und Wärme, Heinrich VIII. scheint fast aus zwei Persönlichkeiten zu bestehen und Anne Boleyn beeindruckt besonders durch Machtbewusstsein und Undurchsichtigkeit. Die gesamte Darstellung lebt - wie bereits erwähnt - von der Entwicklung der Charaktere, die tendenziell eher in Alltagsszenen als in Hollywood-Szenarien agieren. Dabei zeigt sich allerdings auch, wie sorgfältig die Autorin die Zeitumstände recherchiert hat. Den Leser erwartet deshalb keine anachronistische Übertragung moderner Beziehungskrisen auf eine Renaissancekulisse, sondern ein prickelndes Portrait einer Zeit im Umbruch, wo etwa Bücher des deutschen Protestantismus zwischen Handelsware nach England geschmuggelt werden und dort heimlich, aber mit großer Wirkung gelesen werden, wo die Klassenhierarchie ins Wanken gerät und etablierte Eliten um ihren Rang fürchten. Die Autorin hat hierbei einen besonders anspruchsvollen Weg gewählt: Sie schildert die äußeren Ereignisse nicht einfach wie viele andere, die den historischen Ablauf mit konventionellen Spannungsmitteln anreichern, sondern bringt die Geschichte aus den Charakteren ihrer Hauptdarsteller heraus zum Leben. Dies gelingt uneingeschränkt, verlangt dem Leser aber auch wegen der indirekten, subtilen Art der Darstellung einiges ab. Das Gesamtresultat mag dabei nicht jedermanns Geschmack sein; deshalb noch einmal: Dies ist nicht notwendig ein Buch für die Freunde von "Die Säulen der Erde", sondern etwas schwerere Kost, die aber auf ihre Weise sehr spannend und bereichernd erscheint. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Harte Kost, aber...,
Von B. Preuschoff "preuschoff" (Buchfeld) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 1000 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Wölfe (Gebundene Ausgabe)
...es lohnt sich.In der Tat: Wer hier nach einem zweiten "Medicus" oder einem ähnlichen Historien-Roman für den Urlaub sucht, der sollte gleich nach etwas anderem greifen. Denn wenn das Buch eines NICHT ist, dann: Leichtgängig. Beginnend mit der Sprache, die vielseitig und vielfarbig das Leben zu Zeiten Heinrichs VIII. beschreibt, und damit viel zu schade zum Drüberlesen ist, wird auch dem Leser durch den schnellen Wechsel der Erzählperspektiven viel abverlangt. Es wird oft von "er" gesprochen, wobei nicht immer klar ist, wer "er" nun in dieser Situation eigentlich ist. Hier ist oftmals ein nochmaliges Lesen erforderlich. Schlussendlich ist aber auch die Vielzahl der Personen mithin erschlagend. Es lohnt sich wirklich, die im Anhang angegebenen Stammbäume zu konsultieren. Auch eine vorherige Auseinandersetzung mit den Wikipedia-Artikeln zu Heinrich VIII., Anna Boleyn, Thomas More, Thomas Cromwell war für mich extrem hilfreich, um überhaupt erst einmal hineinzufinden - gleichzeitig aber feststellend, wie korrekt das Werk ist, was historische Verknüpfungen angeht. Hat man sich in all das einmal eingefunden, dann entfaltet das Buch seinen eigenen Reiz. Oh, diese Ränkeschmiede, diese Eitelkeiten, diese Politik - das ist schon sehr gut geschrieben und in der Tat wohl zeitlos über die Weltgeschichte hinweg. Auch die Beschreibung des Gefühlslebens der handelnden Personen, die das Spiel mitspielen, obwohl sie es hassen, scheut nicht die Auseinandersetzung mit dem Detail; hier geht die Autorin nicht den einfachen Weg des simplen Gut-Böse. Sehr spannend! In Summe ein gutes Werk über eine Epoche, mit der sich vielleicht nicht viele Leser beschäftigen und die kurioserweise auch in Romanen nicht oft behandelt wird. Insofern eine gute Ergänzung in der Bibliothek und ein Buch, von dem etwas hängen bleibt. Nicht leihen - kaufen! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
24 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Thomas Cromwell gegen den Strich gebürstet,
Von
Rezension bezieht sich auf: Wölfe (Gebundene Ausgabe)
Ach, es ist ein Kreuz mit dem Historischen Roman: der Schwulst, die Gefühlsdusseligkeit, die rauschenden Kleider - ein Ertrinken in überbordenden Vergleichen und einem Meer von Adjektiven.Nicht so dieser historische Roman: Hilary Mantel erzählt zum dutzenden Mal das Leben am Hof Heinrich VIII - eine Obsession des historischen Interesses in England, aber wie anders erzählt sie diese Geschichte! Aus der Perspektive ausgerechnet des unsympathischen Emporkömmlings Thomas Cromwell, der zur bestimmenden Figur unter Heinrichs Ägide werden wird, nimmt die Geschichte seinen Lauf. Es ist eine Geschichte von Aufstieg und Fall im großen Räderwerk des Schicksals. Zu Beginn erlebt der Leser den dunklen Anfang des Underdogs Cromwell, der vor der Prügel seines Vaters aufs Festland flieht, unter verschiedenen Armeen anheuert und lernt zu überleben. Auf der nächsten Station ist er bereits Vertrauensmann des machtvollen Kardinal Wolsey, der aber schon dem Untergang geweiht ist. Ein Untergang der Cromwells Aufstieg bedeuten soll. Immer stärker dringt der clevere Machtstratege in das Zentrum der Macht vor, immer unentbehrlicher wird er - und Mantel lässt es so scheinen, als läge diesem Aufstieg eine interesselose Notwendigkeit zu Grunde. Ja irgendwie scheint der knallharte Politiker, der bei der Bevölkerung in Wirklichkeit verhasst war, in seinen Handlungen immer moralisch gerechtfertigt, während ein Mann wie Thomas Morus, der ansonsten als Beispiel moralischer Integrität dargestellt wird, sehr ambivalent erscheint. Sprachlich ist der Roman meisterhaft in seiner Lakonie und nüchternen Berichterstattung. Allerdings braucht es schon einiger Konzentration, da in Erzählpassagen die anwesenden Figuren häufig nur mit den Personalpronomen "er" oder "sie" bedacht werden und man nicht immer genau weiß, wer denn nun gemeint ist. Hierin drückt sich das Einsinken in das erzählende Bewusstsein der Hauptfigur aus, was zusammen mit dem teilweise elliptischen Satzbau in solchen Passagen gut funktioniert. Insgesamt ein faszinierender Versuch, die Geschichte Heinrich VIII neu zu erzählen. Den Booker-Preis hat Mantel hierfür vollkommen zurecht erhalten. Thomas Reuter Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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