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Wäre es schön? Es wäre schön!: Mein Vater Rudolf Herrnstadt [Gebundene Ausgabe]

Irina Liebmann
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

8. März 2008
Rudolf Herrnstadt (1903-1966) war der sprachgewaltige und bekannteste Pressemann der Ostzone und der frühen DDR, bevor er aus der SED ausgestoßen und in die Provinz verbannt wurde. Aus einer bürgerlichen jüdischen Familie im oberschlesischen Industrierevier stammend, hatte er den aufziehenden Faschismus früh erkannt und beschlossen, nicht zu fliehen, sondern gegen ihn zu kämpfen. Er wurde Kommunist, verzichtete auf eine persönliche Karriere und ließ sich stattdessen von seiner Partei dort einsetzen, wo er gebraucht wurde. Der Bogen seines Lebens wie auch seiner Schriften führt von Berlin über Prag und Warschau nach Moskau und wieder zurück nach Berlin, wo er im Mai 1945 mit der Roten Armee eintrifft und die ersten Zeitungen Berlins mit aufbaut, dann die Presse der Ostzone. In der frühen DDR wird er die Parteizeitung leiten, ihre Propaganda offensiv vertreten, aber seine Position auch immer nutzen, um Neues in Gang zu bringen. Er wird der Erste sein, der öffentlich nach mehr Demokratie ruft und einen achtungsvollen Umgang mit den Menschen fordert. 1953 wird er als „Feind der Partei" aus der SED ausgeschlossen und seitdem totgeschwiegen. Das Buch belegt die Spannweite dieses Lebens - vom Warschau der Vorkriegszeit bis zum Trümmerbild von Berlin, von Moskau im Krieg bis zum Aufbau der Stalinallee. Irina Liebmann entdeckt ihren Vater als Akteur der Zeitgeschichte, geprägt von Faschismus und Krieg und der Hingabe für die Sache des Kommunismus, die tragisch endete.

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Ein riesiger Stoff, ein großer Spannungsbogen - ergreifend und mitreißend vom Anfang bis zum Schluss." (Focus )

"Irina Liebmann hat ein großartiges Buch über ihren Vater geschrieben." (FAZ )

"Ein großes Buch über den Kommunisten Rudolf Herrnstadt und zugleich eine Geschichte des 20. Jahrhunderts." (Literarische Welt ) -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Über den Autor

Irina Liebmann, geboren 1943, studierte Sinologie in Leipzig. Seit 1975 lebt sie als freie Schriftstellerin in Ost-, später in Westberlin. Für ihre Bücher erhielt sie zahlreiche Preise, u. a. den Aspekte-Literaturpreis und den Berliner Literaturpreis.

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Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
Mit dem Buch "Wäre es schön? Es wäre schon! Mein Vater Rudolf Herrnstadt" rehabilitiert die Tochter ihren von der SED verleumdeten und dem Vergessen anheim gegebenen Vater. Auf S. 394 steht meiner Meinung das Entscheidende; dort schreibt Irina Liebmann: "In einem 'Grundriß der Geschichte der Arbeiterbewegung' kann er nun lesen, dass die Vorwürfe gegen ihn und Zaisser nicht zurückgenommen sind, sondern erweitert. Auch die Verbindung zu Berija ist festgeschrieben. Der 'Grundriß' ist Pflichtlektüre für alle Parteigruppen, Schulen und Universitäten. Eine neue Generation lernt Herrnstadts und Zaissers Namen als die Namen von Verrätern am Sozialismus." Natürlich hat Rudolf Herrnstadt dagegen protestiert. Doch auch ein Brief an Semjonow in Moskau, in dem er ihn auffordert, vor seine Partei zu treten und die Wahrheit über sein Verhalten in den Monaten Juni und Juli 1953 in Berlin zu sagen, bewirkt nichts.

Angesichts der bewußten Fälschung der Geschichte, die die SED vorgenommen hat und die mit diesem Buch und dem bei rororo erschienenen Buch "Das Herrnstadt-Dokument" richtig gestellt wird, halte ich es für sekundär, ob einen die Art der Darstellung mit den vielen Fragen stört oder nicht. Die Fragen, die Irina Liebmann sich bzw. ihrem Vater posthum stellt, geben dem Buch die persönliche Note: Eine Tochter versucht zu verstehen, warum ihr Vater diesen Weg gegangen ist. Und sie ist fassungslos über seine Treue zur Idee des Kommunismus, angesichts seiner persönlichen Erlebnisse, angesichts dessen, was er weiß und beobachtet hat.

Irina Liebmanns Motiv, dieses außerordentlich rechercheintensive Sachbuch über ihren Vater zu schreiben, findet man im Prolog: "Ich nannte ihn ja seit vielen Jahren im Stillen nicht anders als einen Deppen und einen Idioten." Dass ihr Vater tatsächlich aber einer der glänzendsten Journalisten war, die Deutschland je hatte, merkt sie erst langsam. Sie sitzt in den Archiven, liest seine Artikel und staunt: "So gut war er!"

Weil dieses Buch, ebenso wie das bei rororo erschienene "Herrnstadt-Dokument", herausgegeben von Nadja-Stulz-Herrnstadt, die Ereignisse um den 17. Juni 1953 herum von jemandem, der sie im innersten Führungskreis der DDR miterlebt und teilweise mitgestaltet hat bzw. zu gestalten versuchte, ist dieses Buch so wertvoll. Wer sich mit der Geschichte der DDR befaßt, wird an ihm nicht vorbeikommen, sofern er Wert auf die Wahrheit legt.

Das Buch bietet aber noch mehr: Rudolf Herrnstadt ist 1903 geboren und 1966 gestorben. Über die gesamte Zeitspanne erfährt man etwas, vor allem über Regionen wie z.B. Oberschlesien, Polen, die Tschechoslowakei, Rußland, die DDR, über viele Orte und Ereignisse, die den meisten, vor allem den Westdeutschen, nicht sehr vertraut sein dürften. Auch das macht die Lektüre bereichernd und wertvoll.
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17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein sehr wichtiges und gutes Buch! 8. Mai 2008
Format:Gebundene Ausgabe
Dieses Buch ist für mich die Entdeckung und Überraschung des Jahres! Und da hatte ich lange überlegt, ob es denn nun wirklich interessant sein kann, eine Biographie zu lesen über einen Mann, dessen Namen kaum noch jemand kennt und über Ereignisse, die sehr lange zurück liegen und nur wenige Spuren bis in die Gegenwart hinterlassen haben. Irina Liebmann nähert sich in vorzüglicher Sprache und mit der hinterfragenden Distanz der später Geborenen vorsichtig an das Leben Ihres Vaters an und zeigt dabei erstaunliche Detailkenntnisse. Das Buch kommt auch als sehr interessantes Geschichtsbuch daher, welches die Auseinandersetzungen, Irrtümer und tragischen Momente des 20. Jahrhunderts zeigt. Es zeigt, wie die guten Absichten zum Aufbau eines neuen Deutschlands nach den blutigen Erfahrungen des 2. Weltkrieges durch Dogmatismus und Intoleranz in einen Staatsbankrott mündeten. Wer ergründen will warum die DDR so kläglich scheiterte, findet die Ursachen dazu bereits in den Anfängen der ersten Jahre. Und diese zeigt Irina Liebmann ohne erhobenen Zeigefinger, ganz ohne Besserwisserei sehr subtil auf. Zugleich wird deutlich, warum die Gesellschaftsutopie des Kommunismus eine so starke Faszination auf Intellektuelle ausübte, die von Herkunft und Bildung problemlos Karriere im anderen Teil Deutschlands hätten machen können und sich dennoch für den schwierigeren Weg entschieden. Umso tragischer, dass auch sie scheiterten in Demütigung, Verfolgung und im Vergessenwerden. Wenn es eine Chance gegeben hätte, aus der DDR ein anderes, besseres Land zu machen, dann vielleicht dadurch, dass Menschen wie Rudolf Herrnstadt es hätten mitgestalten können.
Fazit: Ein vorzügliches Buch, eine Biographie der durchaus ungewöhnlichen Art und dazu in sehr schöner Sprache. Zu Recht erhielt Irina Liebmann dafür den Preis der Leipziger Buchmesse. Ich wünsche dem Buch viele Leser.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tolles Buch! 25. Januar 2012
Format:Taschenbuch
Irina Liebmann hat tatsaechlich das fuer mich interessanteste Buch zur fruehen DDR-Geschichte geschrieben! 5 STERNE!!!

Grundehrlich und mit Herzblut geschrieben...

ein MUSS fuer Deutsche in Ost UND West!

... und ein Zitat von Irina Liebmann (es hat Brecht'sches Format!)

habe ich mir zueigen gemacht:

Man muss zu dem halten,
was man will.
Und wenn es auch klein und schwach ist,
egal,
und wenn man sich fuerchtet,
erst recht.
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