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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Beat vom impressionistischen Existenzialismus, 16. November 2007
Rezension bezieht sich auf: Während mich die Stadt erfindet (Gebundene Ausgabe)
Auf den ersten Blick oft lakonisch erscheinen die Gedichte, die Rainer Stolz in seinem Buch veröffentlicht. Eine willkürliche Leichtigkeit erschafft scheinbar Unwillkürliches. Begebenheiten werden en passant berichtet, scheints als Bestandsaufnahme des Momentes Wirklichkeit, teils als Fragment eines Zustandes/ Gefühls. Zusammengefügt im Auge des Betrachters ergibt sich ein Bild, eine Entwicklung. Aber nicht nur dies: Die Gedichte sind von eigener Rhythmik, mit einer Leichtigkeit, die zwingend ist für die großen Fragen in der inneren Welt. Dies alles spiegelt sich im Außen und wird reflektiert und fokussiert. Der Leser kann es so für sich selber erfassen. Ich kann dies Buch nur jedem empfehlen, der auf der offenen Auges auf der Reise ist und immer wieder mehr entdecken will. Und der gerne mit der Wirklichkeit und allen Möglichkeiten spielt.Die Sätze können sowohl für sich als auch als Gesamt eine "kleine Welt" offenbaren. Wer in der Großstadt lebt, die Sehnsucht kennt, ein Stück weit anzukommen und gleichzeitig in der Faszination der Möglichkeiten und Gegensätze auch verloren ist und manchmal um das innere und äußere Gleichgewicht kämpft, weiß, was gemeint ist.
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5.0 von 5 Sternen
Furchtlos und empfindsam, 4. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Während mich die Stadt erfindet (Gebundene Ausgabe)
"Während mich die Stadt erfindet" zeigt den Lyriker Rainer Stolz auf der Höhe seiner Kunst. Die 60 Gedichte dieses edel ausgestatteten Gedichtbandes, der in sechs Kapitel gegliedert ist, fügen sich zu einem erzählerischen Gedankenstrom, der furchtlos und empfindsam zugleich durch die städtischen Szenerien und Milieus der Jetztzeit mäandriert und immer neue Bilder und Originaltöne heraufbeschwört. Widerständigkeit und ironischer Eigensinn zeichnen das lyrische Ich, dessen Stimme hier spricht, ebenso aus wie ein zarter Sinn für die Absurditäten und Widersprüchlichkeiten des Zeitgenössischen. Zündpunkte der Gedichte sind oft verblüffende Detailbeobachtungen, Schnappschüsse des Randständigen und Nebensächlichen. Da riechen die "Socken manchmal nach Marzipan", "jede / Putenbrust hat ihre Schutzatmosphäre", und "die Kassiererin tastet lasziv / den Strichcode ab". Der Leser wird mitgenommen ins "Elvis-Bistro", in die "Glücksschmiede" oder ins "Kompetenzzentrum", er lernt die "pflaumenessende Frau" ebenso kennen wie "Nietzsche im Gesundbrunnen-Center" oder die "Mütter in weiten Kleidern." Berlin, der Wohnort des Autors, ist fast immer gegenwärtig und anwesend in diesen Gedichten - dennoch ist ihr Horizont weiter, denn ihr Thema ist in Wirklichkeit nicht die Großstadt, sondern die Erkundung des eigenen Ichs, das sich hier durch die Stadt lustvoll und schmerzvoll zugleich "erfinden" lässt. Fast durchgängig gelingt Rainer Stolz ein Ton lyrischer Mühelosigkeit, der Bilder und Metaphern flüssig und glaubwürdig aneinanderfügt - nur stellenweise erliegt er seiner Begabung fürs Sprachspiel, für den Kalauer. Insgesamt ein höchst lesenswerter und reichhaltiger Band, der Appetit macht auf mehr und den der Leser so schnell nicht aus der Hand legen wird.
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