Der Roman schildert in 47 Kapiteln die Geschichte von vier Generationen einer palästinensischen Familie vor dem Hintergrund des Nahost-Konflikts, der notwendigerweise immer wieder auch zum Vordergrund wird.
In den Passagen dazwischen hatte ich manchmal die Befürchtung, die Erzählung könne zu amerikanisch-sentimental werden, doch bei insgesamt ca. 420 Seiten Umfang lassen sich solche Teile wohl verkraften, zumal, wie man auf der speziell für dieses Buch eingerichteten Internet-Seite http://morningsinjenin.com erfährt, der Autorin eben auch der Aspekt der Liebe besonders wichtig war (>love between a farmer and his land; between a mother and her children; between a man and a woman; between friends<, Link: >Dear Reader<). Und sie hat immer noch rechtzeitig die Kurve zu spannennden, mitreißenden Ereignissen bekommen, sodass man das Werk auch als Thriller lesen kann.
Allenfalls das letzte, kurze Kapitel, über dessen Inhalt ich hier nichts sagen möchte, hätte sie meines Erachtens weglassen können - aber wahrscheinlich wäre es dann noch schwerer geworden, einen Verlag zu finden.
Insgesamt werden manche LeserInnen dem Roman vielleicht vorwerfen, dass durch die zwar durchaus nicht ausschließlich, aber aufgrund der Hauptfiguren doch überwiegend palästinensische Sicht der Ereignisse Unausgewogenheit entstehe. Das ist zweifellos richtig, aber auch notwendig und sinnvoll. Ich möchte diesem Vorwurf mit einem Zitat von Heinrich Böll begegnen: >[...] da unsere Gesellschaft eben unausgewogen ist, schafft ihre ausgewogene Darstellung immer mehr Unausgewogenheit.< (Heinrich Böll: Radikalität und Hoffnung. In: ders.: Gefahren von falschen Brüdern. München, dtv 1980. S. 23.). Der Literatur-Nobelpreisträger bezog sich dabei zwar auf die deutsche Gesellschaft, aber um wie viel mehr gilt das dann erst recht für die palästinensisch-israelische!