Lincoln Child studierte Literatur und arbeitete viele Jahre als Lektor bei St. Martin's Press, bevor er mit den Bestsellern, die er mit seinem Freund Douglas Preston schrieb, bekannt wurde. Sein neuester Roman "Wächter der Tiefe" wurde allein unter seinem Namen veröffentlicht, im Nachwort spricht Child Douglas Preston für dessen beratenden Beiträge Dank aus.
Der ehemalige Marinearzt Peter Crane wird kurzfristig auf die Bohrinsel "Storm King" gerufen, wo man ihn darum bittet, an einem geheimen Forschungsunternehmen teilzunehmen. Angeblich hat man in den Gesteinsschichten unter dem Meeresboden Überreste von Atlantis gefunden, welche in einem unterseeischen Labor erforscht werden. Dr. Peter Crane soll die Ursache für die immer häufiger auftretenden mysteriösen Leidern der Besatzungsmitglieder herausfinden und beseitigen, damit die Arbeiten unter Wasser ohne zeitliche Verzögerung von statten gehen können. Schnell wird Peter Crane klar, dass es sich bei dem Geheimnis unter dem Meeresboden nicht um Atlantis handelt; er weiß jedoch nicht, ob es sich bei dem Geheimnis um Segen oder Fluch für die Menschheit handelt... In der Unterwasserstation verstärken sich die Konflikte zwischen Wissenschaftlern, die an einem bedächtigen Vorgehen interessiert sind und Militärs, die machtgierig die Bohrungen beschleunigen wollen. Das Unternehmen Deep Storm" droht aufgrund der Konflikte außer Kontrolle zu geraten...
"Wächter der Tiefe" ist eine spannende Mischung aus Wissenschafts-, Abenteuer-, Mittelalter-, Militär- und psychologischem Roman mit einer durchaus guten Grundidee bzw. einem interessanten Gedankenspiel, das Potential für einen ausgefeilten Science Fiction gehabt hätte. Lincoln Child hat die Idee allerdings rein als aktionsorientierten Thriller verarbeitet, der zwar handwerklich solide und fesselnd ist, aber dem Potential der Idee nicht ganz gerecht wird. Wie in aktionslastigen Thrillern üblich sind die Figuren eindimensional und klischeehaft gehalten, was der Spannung nicht abträglich ist. Mit einer starken Technikorientierung hat man manchmal den Eindruck, dass der Autor doch gerne in Richtung Science Fiction gegangen wäre. Das macht den Thriller aber noch lange nicht zum Spannungsroman für den technikbegeisterten und naturwissenschaftlich interessierten Leser. Ganz im Gegenteil, wer sich für beides sehr interessiert, wird sein Wissen eher ein wenig zurückstellen müssen bzw. über einige Unplausibilitäten und Fehler, die zu logischen Brüchen führen, hinwegsehen müssen.
"Wächter der Tiefe" von Lincoln Child hat alles, was einen Thriller zum temporeichen, packenden Pageturner macht. Die nachdenkenswerte Kernidee der Geschichte, die ich hier nicht verraten will, ist das, was "Wächter der Tiefe" von der Masse anderer Thriller abhebt, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass daraus ein wohl durchdachter Science Fiction entsteht.