Immer auf der Suche nach guten Fantasygeschichten bin ich über diese gestolpert. Ich hatte von Lukanienko vorher schon das Schlangenschwert gehört und wusste: Der ist anders.
Lukanienko ist Russe, und die Wächter der Nacht unterscheiden sich deutlich von der angloamerikanischen Fantasykost, die zu konsumieren ich gewohnt bin. Er schreibt also in einer mir unbekannten Tradition, seine fantastischen Wesen haben wenig gemein mit den oft von der keltisch-irischen Sagenwelt inspirierten Helden in anderen Romanen. Hier gibt es auch keine guten "Guten" und keine bösen "Bösen". Im Grunde kreist die Geschichte um die Frage: Heiligt der Zweck die Mittel? Die Frage wird nicht abschließend vom Autor beantwortet, so kann sich der Hörer/Lesr seinen eigenen Reim darauf machen.
In einer Parallelwelt zur Realität haben die Lichten und die Dunklen einen Waffenstillstand geschlossen. Anton ist einer von den Lichten, er gehört zur Moskauer Nachtwache und passt auf, dass die Dunklen sich an ihren Teil der Vereinbarung halten. Dazu gehört auch, dass ab und zu mal ein Vampir einen Menschen aussaugen darf, weil es eben seinem Wesen entspricht. Alles streng reglementiert.
Irgendwann erkennt Anton, dass er auch nur ein Rädchen im Getriebe ist, und sein Chef, dem er immer blind vertraute, durchaus eigene Ziele verfolgt. Spannend, anders und viel russische Seele mit reichlich Hochprozentigem zwischendurch.
Der Schreibstil ist allerdings gewöhnungsbedütftig, da man sozusagen in die Geschichte eintaucht, mittendrin ist, ohne die Rahmenbedingungen vorher zu kennen. Die erfährt man Zug um Zug, darauf muss man sich einlassen können.
Ich fand es anders und erfrischend, die Geschichte hat sicherlich ihren eigenen Reiz. Und ist ganz und gar schmalzfrei. Ist ja in der heutigen Zeit auch nicht unwichtig im Fantasygenre.